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20. Mai 2009 16:07 Uhr

Finanzkrise

Das Freiburger Autohaus Riekert meldet Insolvenz an

Die Krise trifft ein Freiburger Traditionshaus: Der Autohändler Riekert mit Sitz im Gundelfinger Gewerbegebiet ist insolvent. Der Betrieb soll weitergehen, die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind gesichert. Vorerst.

  1. Renault-Riekert in Gundelfingen. Foto: Ingo Schneider

Am Montag hat Renault Riekert Insolvenz beantragt. Liquiditätsprobleme sind die Ursache. Der Betrieb geht "auf jeden Fall weiter", erklärte am Mittwoch der Insolvenzverwalter, der Freiburger Rechtsanwalt Thomas Kaiser. Er ist guten Mutes, dass das traditionsreiche Unternehmen mit Sitz im Gundelfinger Gewerbegebiet im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag feiern kann.

"Die Freiburger Banken, das Bankhaus Mayer, die Sparkasse und die Volksbank sowie die Raiffeisenbank Gundelfingen stehen zu Riekert", sagt der Insolvenzverwalter. Aber "unerwartet und ohne Ankündigung hat die Renault Nissan Bank die Finanzkonten gesperrt, wodurch sich die schwierige Situation nun so verschärft hat, dass eine Insolvenz nicht mehr zu vermeiden ist", heißt es in einer Erklärung des Unternehmens.

Zumindest vorläufig gesichert sind auch die Arbeitsplätze der rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der sieben Auszubildenden. Deren Löhne und Gehälter sind vorerst über das Insolvenzgeld gesichert. Der Verkauf und die Auslieferung von Neuwagen gehen ebenso weiter wie der Werkstattbetrieb. "Wir bieten weiter den Service, den unsere Kunden von uns gewohnt sind", erklärt Geschäftsführer Peter Schmieder.

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Die Entscheidung, das Renault Autohaus zu einem Mehrmarkenbetrieb auszubauen, hat sich aufgrund der Automobilkrise und dem Absatzeinbruch der vergangenen zwei Jahre als falsch erwiesen. Besonders die Marken Chrysler und Nissan haben durch die enormen Absatzeinbußen zur angespannten Lage des Gundelfinger Unternehmens geführt, das 1960 in einer Scheune an der ehemaligen Bundesstraße von Walter Riekert gegründet wurde.

Die Abwrackprämie für Altautos hat in dem von Renault und der Tochter Dacia mit beherrschten Kleinwagensegment zwar zu hohen Stückzahlen beim Verkauf geführt, die Rendite reicht jedoch aufgrund der hohen Rabatte nicht aus. Hinzu kommt: Autohäuser brauchen Kapital, weil sie die Fahrzeuge bei den Herstellern sofort bezahlen müssen. Müssen sie auf dieses Fremdkapital noch Zinsen bezahlen, reicht es nicht mehr zur Deckung der Kosten.

"Wenn Sie für einen Neuwagen vom Hersteller gerade noch 400 Euro bekommen, wovon sie 130 Euro als Provision an den Verkäufer bezahlen, dann verdienen Sie nichts und können den Betrieb nicht aus eigener Kraft finanzieren", erklärt der Insolvenzverwalter. Außerdem ist durch die Abwrackprämie der Gebrauchtwagenmarkt so gut wie tot. Vergangenes Jahr verkaufte Riekert gerade einmal 750 Neu- und Gebrauchtwagen. Vor vier Jahren waren es noch 1700 Neu- und 800 Gebrauchtwagen. Nicht betroffen von der Insolvenz ist die Riekert-Tochter Regio Car GmbH mit dem Schwerpunkt Transporter und gewerbliche Kunden.

Autor: Hans-Henning Kiefer