Kreis Lörrach

Die enorme Erntemenge drückt auf den Obst-Preis

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 22. Januar 2019 um 09:00 Uhr

Efringen-Kirchen

Regionale Bauern unter Druck: Der Geschäftsführer des Obstgroßmarktes Südbaden zieht beim Steinobsttag Bilanz über das vergangene Wirtschaftsjahr.

Es gab eine große und qualitativ gute Ernte wie noch nie, dank eines fantastischen Sommers 2018. Aber die Konkurrenz, insbesondere aus der Türkei und anderen Ländern, aber auch aus deutschen Anbaugebieten, macht den regionalen Obsterzeugern zu schaffen. Auch bei Spargel und Erdbeeren ist die Konkurrenz groß, wurde am Montag beim Steinobsttag in der Blansinger Wolferhalle deutlich.

Immer höhere Ansprüche

Dazu kommt, dass die großen Vier, also die Vollsortimenter Edeka und Rewe und die Discounter Aldi und Lidl, die Ansprüche immer höher schrauben, Preise drücken und trotz aller Werbeversprechen, regionale Produkte zu bevorzugen, dies aus Sicht der heimischen Erzeuger nicht in ausreichendem Maße tun, lauteten Rückmeldungen und Kritik auf dem Steinobsttag. Lorenz Boll, Geschäftsführer des Obstgroßmarktes Südbaden, erinnerte daran, dass sehr viel über den Qualitätsanspruch des Großhandels laufe. "98 Prozent unserer Erzeuger aber liefern beste Qualität", betonte er.

Die Gesamtmenge der angelieferten Ware, die der Obst- und Gemüsevertrieb Südbaden 2018 umsetzte, lag bei 11 039 Tonnen (2017: nur 6838 Tonnen). Die Warenmenge von rund 11 000 Tonnen brauche man auch künftig, um die Kunden bedienen zu können, erläuterte Boll. Leider seien 2018 trotz sehr guter Qualität die Erlöse, vor allem bei Kirschen, teilweise enttäuschend gewesen. Das sei zum einen dem großen Angebot geschuldet, zum anderen aber auch den Importen aus der Türkei, Polen, Spanien und Frankreich, die laut Lorenz Boll "ausgezeichnete Ware, allerdings mit einem unterirdischen Preisniveau" in den Handel gebracht hätten.

Im März ging man im Großmarkt angesichts von Kälte und Schneefall davon aus, dass sich die Spargelsaison verschiebt. Dann aber schlug im April das Wetter um. Die Spargel- und Erdbeerernte verliefen schwierig – Spargel gab es im Überangebot, ebenso Erdbeeren. Das drückte im Vergleich zum Spätfrostjahr 2017 die Preise. 882 Tonnen Spargel (2017: 818 Tonnen) im Gesamtwert von 3,5 Millionen Euro wurden umgesetzt. "Bei den Erdbeeren wurden 2705 Tonnen im Wert von 5,9 Millionen Euro angeliefert", berichtete Boll. Rote Johannisbeeren verkauften sich nicht ganz so gut wie sonst – hier setzte der Erzeugergroßmarkt 154 Tonnen im Wert von mehr als 320 000 Euro um. Bei den Tafelkirschen allein – ohne Industriekirschen – wurden 829 Tonnen im Wert von 1,7 Millionen Euro angeliefert. Die Gesamtmenge aller Kirschen betrug 1660 Tonnen mit einem Wert von mehr als 2,4 Millionen Euro. Die Zwetschgensorte Cacaks Schöne laufe gut und ist mengenmäßig mit mehr als 800 Tonnen auch dominierend. Aber auch die Hauszwetschgen werden noch nachgefragt – "da könnte man mehr annehmen", sagte Boll. 3300 Tonnen Zwetschgen im Wert von 1,9 Millionen Euro nahm der Großmarkt an.

Bei den Äpfeln steht die Endabrechnung noch aus, denn große Mengen lagern in Kühlhäusern und kommen noch in den Verkauf. Wegen der Menge werde es hier bei den Preisen ein Hauen und Stechen geben, mutmaßte Boll. An die Erzeuger richtete Boll den Hinweis, dass es im Lebensmittelhandel ein Ranking der Großmärkte gebe, bei dem Betriebe etwa aus dem Alten Land (Niedersachsen) oder vom Bodensee mit führend seien, da diese oft preiswerter anbieten könnten. Das sei eine Entwicklung, die ihm nicht gefalle, aber man müsse damit leben.

Einen Tipp gab Boll noch an die Zuhörer weiter. Beim Weg, den die Ware zum Kunden nimmt, solle man immer die Zeit von Ernte über Anlieferung bis Auslieferung im Auge behalten, denn die Ware soll frisch ins Verkaufsregal beziehungsweise frisch auf den Tisch. Deshalb werde man künftig etwa in Efringen-Kirchen die Ware ganztags annehmen, um sie sofort kühlen und dann anbieten zu können.