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05. Juli 2012

Freiburger Solar-Fabrik

Hoffnungsträger Hoffmann

Ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Branche soll der Freiburger Solar-Fabrik neuen Schwung bringen.

  1. Mit diesen Modulen verdient die Solar-Fabrik ihr Geld. Foto: schneider

FREIBURG. "Unser Unternehmen hat dringend einen Energieschub nötig", ruft die Aktionärin in den Saal – und erntet kräftigen Applaus der anderen Aktionäre. Die Solar-Fabrik, einst Pionierin bei der Produktion von Modulen zur Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht, hat zur Hauptversammlung nach Freiburg eingeladen. Das ist eigentlich eine Routineveranstaltung. Der Vorstand, der das Unternehmen leitet, erklärt, wie das Geschäftsjahr gelaufen ist. Der Aufsichtsrat, der den Vorstand kontrollieren soll, versichert, dass er das pflichtgemäß getan hat.

Aktionäre sind keine Revoluzzer, sie danken in aller Regel den Vorständen und Aufsichtsräten für die geleistete Arbeit und stellen der Form halber ein paar Fragen. Die Aktionäre von Firmen in der Solarbranche sind besonders pflegeleicht, eint sie doch mit der Firmenspitze die Gewissheit, in der richtigen, weil umweltschützenden und der Zukunft zugewandten Branche engagiert zu sein. Da spielt die Rendite für die Geldanlage meist nicht die zentrale Rolle.

An diesem Donnerstag ist allerdings ein Hauch von Ärger zu spüren. Seit dem Börsengang 2002 hat die Solar-Fabrik noch nie eine Dividende gezahlt. Gerade hat Finanzvorstand Martin Friedrich wieder einmal von einem Verlust berichtet. Das Jahr 2011 ist nicht toll gelaufen. Der Preisverfall bei Solarmodulen macht der ganzen Branche zu schaffen. Etliche Firmen haben Insolvenz anmelden müssen.

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Vorstandschef Günter Weinberger erklärt, dass eine Unternehmensberatung die Solar-Fabrik zu einem der besten deutschen Unternehmen der Branche erklärt hat. Dem Aktienkurs hat das nichts genützt. Vom Ausgabekurs von 16 Euro ist die Aktie auf jetzt 2,28 Euro gefallen. Im Prinzip ist die Firma eine Übernahmekandidatin. Sie ist an der Börse zurzeit 29 Millionen Euro wert, hat aber 39 Millionen Euro liquide Mittel in der Kasse. So etwas lockt Leute, die Unternehmen fleddern wollen. Einziger Schutz der Solar-Fabrik: Fast die Hälfte der zwölf Millionen Aktien sind in wenigen Händen.

Ein Aktionär verlangt, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern wegen schlechter Arbeit. Der Antrag hat keine Chance, aber auch Aufsichtsratschef Norbert Binder spricht davon, dass das Unternehmen nicht besonders gut dastehe und man angesichts der turbulenten Zeiten zusätzlich Fachleute ins Boot holen wolle. Dafür soll der Aufsichtsrat von drei auf sechs Mitglieder verdoppelt werden – ohne die Tantiemen von insgesamt 119 000 Euro pro Jahr zu erhöhen, wie Binder betont. In das Aufsichtsgremium einziehen soll Klaus Grohe, langjähriger Vorstandschef des Armaturenherstellers Hansgrohe in Schiltach, der kürzlich zehn Prozent der Aktien der Solar-Fabrik erworben hat. Schokoladenfabrikant Alfred Ritter (19 Prozent der Anteile) soll in das Kontrollgremium zurückkehren. Ritter ist seit Gründung der Solar-Fabrik 1996 als Anteilseigner dabei.

Und Winfried Hoffmann soll kommen. Der 62-jährige Doktor der Physik hat 33 Jahre in verschiedenen Firmen der Solarindustrie gearbeitet. Er soll – wenn die Wahlen wie geplant ablaufen, was bei Redaktionsschluss noch offen war – den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen und mit seinem Branchenwissen die Firma nach vorn bringen. "Die Lebensläufe der Kandidaten für den Aufsichtsrat bringen ein Fünkchen Hoffnung", meint die Aktionärin.

Vielleicht bringen die Neuen aber auch ein wenig Ärger mit. Während Hoffmann lediglich sagt, man werde mit dem Führungsteam diskutieren, erklärt Klaus Grohe unumwunden, er komme "aus einem Unternehmen, in dem es brummt" und das Geschäftsmodell der Solar-Fabrik mit ihren schrumpfenden Umsätzen müsse man überprüfen: "Da muss etwas Neues kommen." Anschließend erklärt Vorstandschef Weinberger, der 2009 begonnene Umbau der Firma sei abgeschlossen. Nun gelte es, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

SOLAR-FABRIK IN ZAHLEN

2011    2010 Umsatz (Mio.) 177      227 Gewinn/
Verlust
(Mio.) -4,1
      7,7 Mitarbeiter 352     367  

Autor: weg

Autor: Jörg Buteweg


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