Ökonomen-Tagung in Freiburg

Sind die Banken von morgen sicherer?

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 03. September 2018 um 18:40 Uhr

Wirtschaft

Freiburg als Treffpunkt für Ökonomen: Bei der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) diskutieren sie noch bis Mittwoch die Folgen der Digitalisierung für die Wirtschaft.

Etwa ein Jahrzehnt nach Ausbruch der globalen Finanzkrise sehen Bankenaufseher in der Digitalisierung eine Chance, mögliche neue Krisen früher zu erkennen und rasch gegensteuern zu können. Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, sagte am Montag in Freiburg während des Treffens des Vereins für Socialpolitik (VfS): "Heute läuft Bankenaufsicht meist so: Man nimmt sich die Bilanz einer Bank, macht eine Prüfung und weiß im April, was im vergangenen Sommer in der Bank alles falsch gelaufen ist." Der Einsatz neuer Technik erlaube es, dass die Bankenaufsicht nicht nur rückblickend kontrolliere, sondern dass sie "Live-Sensoren an zentraler Stelle in den Banken platziert". Diese könnten in Echtzeit über Fehlentwicklungen wie eine übermäßige Vergabe riskanter Kredite Auskunft geben.

Wuermeling machte aber deutlich, dass traditionellen Notenbankern noch die Fantasie fehle und das technische Verständnis, um eine Kontrolle in Echtzeit umzusetzen. Er äußerte die Hoffnung, dass dies mit einer jüngeren, technikaffinen Generation von Ökonomen bei der Bankenaufsicht besser werde.

Für die VfS-Tagung sind bis Mittwoch zahlreiche Ökonomen in Freiburg zusammengekommen. Ihr Thema sind die Folgen der Digitalisierung für die Wirtschaft.

Stefan Augustin, Mitglied im Direktorium der Oesterreichischen Nationalbank, pflichtete seinem deutschen Kollegen bei: "Der Bankenaufsicht wirft man immer vor: Warum habt ihr diese oder jene Krise nicht rechtzeitig gesehen?" Wenn die Digitalisierung die Aufsicht schneller und effizienter mache, sei das gut.

Scharfe Kritik an der Bankenaufsicht hatte es nach dem 15. September 2008 gegeben, als die US-Investmentbank Lehman Brothers in Folge einer geplatzten US-Immobilienblase pleitegegangen war. Banken in vielen Ländern wurden mit dem Geld der Steuerzahler vor dem Kollaps bewahrt. Der Vorwurf an die Aufsicht: Sie habe nicht gesehen, wie über Jahre immense Risiken fauler Kredite in immer größeren Dosen in komplizierten Finanzprodukten verschleiert wurden.

Bundesbanker Wuermeling machte deutlich, dass es die Digitalisierung den Kontrolleuren gleichzeitig schwerer mache, die Stabilität des Finanzmarktes zu sichern. Die Banken setzten verstärkt Algorithmen ein; diese Computerprogramme prüfen etwa automatisch anhand eingegebener Kennzahlen, wer kreditwürdig ist und wer nicht. "Die Programme dürfen keine Blackbox werden, die keiner mehr versteht und keiner kontrolliert." Es gebe in den Geschäftsführungen von Geschäftsbanken die Tendenz, auf die Algorithmen zu verweisen und den Eindruck zu erwecken, "der Rest sei nicht mehr ihr Ding." Die Bankenaufsicht müsse das unmissverständliche Signal senden: "Der Leiter einer Bank und niemand sonst muss am Ende dafür verantwortlich sein, was seine Computer rechnen."