Unsicherheit in badischer Wirtschaft

DS

Von DS

So, 20. Januar 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Verbände raten zu Vorbereitungen für harten Brexit.

Das britische Parlament hat mit großer Mehrheit gegen das EU-Austrittsabkommen gestimmt. Ein Plan B ist noch nicht in Sicht. Damit rückt ein ungeordneter Brexit näher. Das hinterlässt auch bei der südbadischen Wirtschaft viele Fragezeichen. Denn die Zeit bis zum geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU am 29. März wird immer knapper und eine Übergangslösung ist durch die aktuelle Entwicklung nicht in Sicht.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein empfiehlt der heimischen Wirtschaft, sich auch auf den Fall eines harten Brexits vorzubereiten. "Wir raten Unternehmen, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Ein harter Brexit bedeute für die Firmen konkret, dass sie sich auf zusätzlichen Verwaltungsaufwand, auf lange Wartezeiten der Lkws an den Grenzen zu Großbritannien oder veränderte Zollkosten einstellen müssten. Zudem sollten sich Unternehmen darüber informieren, wie die Lieferketten ihrer Zulieferer abgewickelt werden, um sicherzustellen, dass diese lieferfähig bleiben, sagt die IHK. "Wenn Großbritannien plötzlich zum Drittland wird, hat das zudem Auswirkungen auf Verträge mit Geschäftspartnern sowie auf Lizenzen, Genehmigungen und Zertifikate", erklärt Kempff.

Betroffen sind laut IHK alle Unternehmen, die direkt oder indirekt mit dem Vereinigten Königreich Geschäftsbeziehungen pflegen, an erster Stelle die Automobilbranche, aber auch der Maschinenbau, die Pharmaindustrie, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen, Transport- und Logistikfirmen und Tourismusbetriebe. Großbritannien ist aktuell Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner und der fünftwichtigste Exportmarkt Deutschlands. Das Handelsvolumen beträgt 122 Milliarden Euro.

Unternehmen befinden sich in Achterbahnfahrt

Auch der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) beklagt die unklare Situation. "Wir sind dem Hard Brexit nach den Entwicklungen einen großen Schritt näher gekommen", sagt WVIB-Präsident Thomas Burger. Das helfe den Unternehmen der Schwarzwald AG wenig: "Die Achterbahnfahrt, mit der wir in den letzten zweieinhalb Jahren leben mussten, geht weiter. Trump, Putin und Xi Jinping zeigen zudem: Die Bedeutung von Machtblöcken nimmt wieder zu." Dieser Entwicklung sollte ein vereintes Europa entschieden entgegentreten, so Burger. Politische Einigkeit sei die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. DS