Kaufhof und Karstadt gehen zusammen

Letzte Rettung Fusion

dpa

Von dpa

Di, 11. September 2018 um 20:04 Uhr

Wirtschaft

Die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof gehen nach mehreren gescheiterten Anläufen zusammen. Viele Fragen bleiben aber vorerst offen.

In den vergangenen Jahren mussten die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof jede Menge Federn lassen, der Wettbewerb mit Onlinehändlern und Shopping-Centern setzte ihnen zu. Wird es durch die Fusion besser?

Der neue Einzelhandelsriese wird europaweit 243 Standorte haben und 32 000 Mitarbeiter beschäftigen. Das teilten der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company (HBC) am Dienstag mit. Die zuständigen Kartellämter müssen allerdings noch zustimmen.

Geleitet werden soll das zusammengeschlossene Unternehmen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Der Manager betonte, die beiden schwächelnden Partner hätten "eine ideale Lösung gefunden, um sich im umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren". Auf das neue Unternehmen warte eine Phase harter Arbeit.

Was sich für die Verbraucher durch die Fusion konkret ändern wird, blieb zunächst unklar. Die Firmen ließen offen, ob im Zuge des Zusammengehens Filialschließungen geplant sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof vorerst als Marken bestehen bleiben. Zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben. Medienberichten zufolge könnten im Zuge der Fusion rund 5000 Jobs wegfallen. Jedoch sind diese Angaben umstritten.

Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte am Dienstag den Erhalt aller 32 000 Arbeitsplätze und aller Standorte. "Die Fusion darf nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen", verlangte er. Die Gewerkschaft Verdi drängte die Eigentümer, die Arbeitnehmervertreter möglichst schnell in ihre Planungen einzubeziehen. Karstadt hat in Südbaden Häuser in Lörrach, Freiburg und Offenburg, Kaufhof ist in Freiburg vertreten. In den beiden Häusern an der Einkaufsmeile Kaiser-Joseph-Straße arbeiten nach Verdi-Angaben mehr als 400 Beschäftigte.

Fachleute sehen für Südbaden nicht schwarz

Olaf Kather, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Südbaden, hatte bei früherer Gelegenheit gesagt, die Warenhäuser in Südbaden liefen gut, nicht zuletzt wegen der Kunden aus Frankreich und der Schweiz. Auch Melanie Kühn von Verdi vertritt die Meinung, dass insbesondere die beiden Häuser in Freiburg vom Umsatz her nebeneinander bestehen könnten. Sie sagte aber auch, die Immobilien seien interessant. Das Karstadt-Haus in Stuttgart sei 2015 nicht wegen schlechter Umsätze dichtgemacht worden, sondern weil die Immobilie sich habe profitabel vermarkten lassen.

Offiziell ist von einer "Fusion unter Gleichen" die Rede. Doch wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer René Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, HBC 49,99 Prozent. An den Kaufhof-Immobilien, die viele Milliarden wert sind, wird Signa künftig mit 50 Prozent beteiligt sein.

Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die Hudson’s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internetanbietern.

Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Onlinehändlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der Einkaufszentren. Besonders kritisch ist die Situation bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter Führung Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.

Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Die Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.

Der Deutsche Städtetag sieht die Fusion nach den Worten seines Hauptgeschäftsführers Helmut Dedy "nicht ohne Sorge". Die Warenhäuser seien wichtige Arbeitgeber und Versorgungszentren.