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27. August 2010 00:03 Uhr
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Studie: Hartz IV ist selten eine Hängematte
Immer wieder werden Hartz-IV-Bezieher verdächtigt, es sich mit dem Bezug der staatlichen Leistung in der sozialen Hängematte bequem zu machen. Eine neue Studie zeichnet ein differenzierteres Bild.
MÜNCHEN (AFP). Zwei Drittel der Hartz-IV-Bezieher gehen nach den Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit einem großen Zeitaufwand einer Tätigkeit nach, die für die Gesellschaft nützlich ist. Und ihre Motivation und Flexibilität bei der Jobsuche ist häufig höher als bei regulär Erwerbstätigen – allerdings erleben sie viel mehr Frustrationen.
Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit. Für die repräsentative Untersuchung befragte es in den Jahren 2007 und 2008 mehr als 10 000 Bezieher des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV). In diesem Zeitraum bezogen 5,24 Millionen Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren Hartz IV. Zwei Drittel von ihnen gingen der Studie zufolge mehr als 20 Stunden pro Woche einer Tätigkeit nach. Diese Menschen hatten entweder eine Erwerbsarbeit, befanden sich in einer Fördermaßnahme oder in einer Weiterbildung; oder sie pflegten Angehörige oder erzogen Kinder.
Vom Gesetzgeber verpflichtet, sich um einen neuen Job zu kümmern, waren der Studie zufolge drei Millionen Hartz-IV-Empfänger. Die meisten von ihnen taten dies – oder sie hatten bereits einen Job. Die Erfolge seien aber relativ bescheiden: Nur etwas mehr als ein Viertel der Jobsuchenden hatte in den vier Wochen vor der Umfrage ein Vorstellungsgespräch.
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Wie das IAB herausarbeitete, blieb ein harter Kern von 810 000 Frauen und Männern, die keine Anstrengungen unternahmen. 350 000 davon gehörten zu den älteren Hartz-IV-Beziehern oder gaben an, krank zu sein. Andere aus dieser Gruppe waren laut IAB von vielen Absagen entmutigt. Nur 14 Prozent oder 113 400 Hartz-IV-Bezieher sagten, ihnen reiche das Geld von Hartz IV zum Leben – deshalb wollten sie nicht arbeiten.
Dass nur eine kleine Minderheit der Hartz-IV-Bezieher sich mit der staatlichen Leistung ausruhen will, deutet auch die Befragung zur Motivation und Einstellung zur Arbeit an. So stimmten 76 Prozent der Aussage zu, "Arbeit zu haben ist das Wichtigste im Leben". Unter regulär Beschäftigten, die für die Studie ebenfalls befragt wurden, war dieser Anteil mit 71 Prozent geringer. 80 Prozent der Hartz-IV-Bezieher sagten: "Ich würde auch dann gerne arbeiten, wenn ich das Geld nicht brauchen würde." Mit 78 Prozent lag auch in diesem Punkt der Anteil unter regulär Beschäftigten niedriger.
Hartz-IV-Bezieher äußerten in der Umfrage auch eine größere Bereitschaft zur Flexibilität, um arbeiten zu können. 63 Prozent gaben an, einen Arbeitsweg von einer Stunde oder mehr in Kauf zu nehmen – bei den regulär Beschäftigten waren es nur 46 Prozent. 31 Prozent zeigten sich zum Wohnortwechsel bereit, dies würden nur 26 Prozent der regulär Beschäftigten akzeptieren. Und 81 Prozent der Hartz-IV-Bezieher würden, um einen Job zu bekommen, auch unterhalb ihrer fachlichen Möglichkeiten arbeiten. Bei regulär Beschäftigten würden dies der Umfrage zufolge nur 53 Prozent.
Mehr als 80 Prozent der Langzeitarbeitslosen weisen sogenannte Vermittlungshemmnisse auf: Sie sind nur gering qualifiziert, bei schlechter Gesundheit, haben ausländische Wurzeln oder müssen sich allein um die Kinder kümmern.
Die Forschungsgruppe unter Leitung des IAB-Bereichsleiters Mark Trappmann zieht das Fazit, dass eine härtere Gangart für die überwiegende Zahl der Hartz-IV-Bezieher keine Lösung sei. Vielmehr müsse noch individueller auf deren Situation eingegangen werden – dann könne womöglich die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen.
Autor: afp
