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20. Juli 2012

Zu wenig Wettbewerb bei Dispozins

Eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums fordert faire Konditionen, wenn der Bankkunde das Konto überzieht.

BERLIN. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) lehnt den Vorstoß von SPD und Grünen ab, eine gesetzliche Obergrenze für Dispozinsen einzuführen. Sie mahnt vielmehr die Banken, von sich aus den Kunden faire Konditionen und volle Transparenz einzuräumen. Eine von Aigner in Auftrag gegebene Studie belegt jedoch, dass bisher ein Wettbewerb um günstige Dispozinsen fehlt.

Die Studie zeigt auch, dass manche Institute für das Überziehen des Girokontos nach wie vor hohe Zinsen von bis zu 14 Prozent im Jahr verlangen – und das, obwohl Banken aufgrund der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (der Leitzins liegt derzeit bei 0,75 Prozent) derzeit günstiger denn je Geld zur Verfügung gestellt bekommen.

Diese Differenz erklären Branchenvertreter mit dem Hinweis, dass es aufwendig sei, Dispokredite zu bearbeiten. Zudem bestehe dort ein größeres Risiko, dass der Kredit nicht bedient werde.

Beide Hinweise sind aus Sicht der Autoren der Studie aber nicht stichhaltig. Der Verwaltungsaufwand sei nicht gestiegen und die Ausfallquoten lägen im Durchschnitt bei 0,2 Prozent und damit deutlich unter der Quote von Konsumentenkrediten (2,5 Prozent).

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Die Gewinne, die Banken aus Dispokrediten erzielten, würden zur Quersubventionierung anderer Bankleistungen wie beispielsweise den Kontoführungsgebühren oder zur Gewinnsteigerung verwandt.

Rentner überziehen das Girokonto selten

Von Dispokrediten machen nach Angaben der Studie, die vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellt wurde, vor allem Arbeitslose, Alleinerziehende, Selbstständige und Paare mit Kindern Gebrauch. Rentner hingegen überziehen ihr Girokonto deutlich seltener.

Achim Tiffe vom IFF sagte, dass nicht alle Banken sehr hohe Dispozinsen nehmen. Vielmehr gebe es auch Institute, die nicht nach eingeräumter und geduldeter Überziehung unterschieden und für den Dispo nur so viel Zins verlangten wie für ein Konsumentendarlehen. "Manche schreiben auch den Kunden an, der seinen Dispo dauerhaft exzessiv nutzt und machen ihm Vorschläge für günstigere Alternativen." Nach seinen Worten können sowohl Filial- wie Direktbanken mit einem Zinssatz von zehn Prozent für die Überziehung profitabel wirtschaften. Dieser Satz werde von einigen Instituten auch angeboten oder sogar unterboten.

Gesetzlich eine Obergrenze für den Dispokredit einzuführen, birgt aus Sicht Aigners Gefahren. Es könne dann für Banken ein Anreiz entstehen, die Gebühren für die Kontoführung anzuheben.

Minister Bonde spricht von Armutszeugnis für Aigner

Dagegen sprechen sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der Stuttgarter Finanzminister Nils Schmid (SPD) für eine Obergrenze aus. Dafür tritt auch der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) ein. Es sei ein Armutszeugnis für eine Verbraucherschutzministerin, sich allein auf den Ruf nach mehr Transparenz zu beschränken. Wenn es Banken möglich sei, mit Sätzen von zehn Prozent profitabel zu arbeiten, könnten Werte von bis zu 14 Prozent nicht gerechtfertigt werden. Um dies abzustellen, müsse der Staat eine Obergrenze ziehen. Bonde und Schmid kündigten eine Initiative der Landesregierung im Bundesrat an.

Autor: Bernhard Walker


1 Kommentar

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Bernice Bacheberle  

Bernice Bacheberle

Registriert seit: 27.02.2010

Kommentare: 2062

21. Juli 2012 - 11:07 Uhr

Die Dispozinsen sollten auch nicht gedeckelt werden.
Aber man könnte sie am Leitzins orientieren und einen festgelegten Faktor als Obergrenze festlegen, z.B. das 3-fache.
In der Hochzinszeit der siebziger Jahre war der Dsipozins ungefähr beim Doppelten des Leitzinses.
Aber wie in allen Branchen, wenn nicht reguliert wird, gilt überall die Gewinnmaximierung, ohne jegliche Vernunft und Rücksicht.

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