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18. Dezember 2010

Zwei Drittel schießt der Staat zu

Die Einkommen der Landwirte schrumpfen, die Aussichten sind trotzdem nicht schlecht.

  1. Die Preise für Getreide sind hoch. Das lässt Landwirte optimistischer als zuletzt sein. Foto: dpa

FISCHERBACH. Ulrich Müller bewirtschaftet einen uralten Bauernhof. Seit 1560 ist der Ramsteinerhof in Fischerbach, einem Seitental des Kinzigtals, in Familienbesitz. Traditionell wurden hier Milchkühe gehalten. Mit dieser Tradition haben Müller und seine Frau Brigitte gebrochen.

Sie züchten Rinder und vermarkten das Fleisch zum Gutteil selbst. Außerdem gehören 35 Hektar Wald zum Hof, aus dem Früchten der Streuobstwiesen brennt Müller Schnaps. Auf dem Ramsteinerhof kann man Schnapsproben machen, Brigitte Müller backt Holzofenbrot, außerdem gehören Ferienwohnungen zum Hof auf 530 Metern Meereshöhe. "Man muss Ideen haben und sie auch in die Tat umsetzen", sagt Müller.

"Ein Bauernhof muss heute auf mehreren Beinen stehen", sagt Werner Räpple, der Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Nur dann könne er bestehen. Die Einkommen, die Bauern aus der Landwirtschaft im engeren Sinne erwirtschaften, sind nämlich bescheiden. Nach den Berechnungen des Deutschen Bauernverbandes hat ein Hof in Baden-Württemberg im Wirtschaftsjahr 2009/2010, das jeweils vom 1. Juli bis zum 30. Juni läuft, im Durchschnitt 29 750 Euro Gewinn erzielt. Das ist ein Minus von sechs Prozent im Vergleich mit 2008/2009. Die baden-württembergischen Betriebe seien damit Schlusslicht in Deutschland, sagte Räpple in Fischerbach. Der Bundesdurchschnitt liege bei 37 400 Euro. Die niedrigen Preise für Getreide und Milch hätten die Gewinne verringert.

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Davon sind bei Licht besehen nur 12 342 Euro selbst erwirtschaftet. Der Rest, 67 Prozent, ist laut Räpple staatliche Unterstützung. EU, Bund und Bundesländer schießen also pro Bauernhof im Schnitt 25 058 Euro zu. Deswegen dürften die staatlichen Zahlungen an die Landwirte im Zuge der geplanten EU-Agrarreform nicht gekürzt werden, wenn man die Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form erhalten wolle, argumentierte der Bauernpräsident. Allerdings zeichnen die Zahlen des Bauernverbandes kein vollständiges Bild. Einnahmen aus einer Biogasanlage oder eine Solarstromanlage gehen nicht in die Berechnungen ein.

Für die Zukunft ist Räpple vorsichtig optimistisch. Die Milchpreise für die Landwirte seien deutlich gestiegen, ebenso die Getreidepreise. Weltweit steige die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Das stimme ihn zuversichtlich, dass die Höfe eine Perspektive hätten.

Autor: Jörg Buteweg