Brandenburg

Naturisten wollen einen Nacktwanderweg anlegen

Hannah Rüdiger

Von Hannah Rüdiger (AFP)

Di, 15. Mai 2018 um 20:40 Uhr

Panorama

"Willst du keine Nackten sehen, so darfst du hier nicht weitergehen" – mit diesem Spruch wird auf die beiden offiziellen Nacktwanderwege in Deutschland hingewiesen.

Der eine liegt in Sachsen-Anhalt, der andere in der Lüneburger Heide. Geht es nach dem Organisator von Nacktwandertagen in Deutschland, Bernd Schaffrath, könnte demnächst ein dritter in Brandenburg hinzukommen.

Der passionierte Naturist stellte einen Antrag an die Stadt Pritzwalk, um einen Nacktwandersteig in der Prignitz anzulegen. "Wir wollen den öffentlichen Naturismus in Deutschland fördern", sagt Schaffrath. "Wenn die Zahl der Naturisten abnimmt, dann liegt das auch daran, dass sich alle einsperren." Dabei habe die Freie Körperkultur (FKK) hierzulande Tradition. "Die ersten Nacktwanderer in Deutschland entdeckten um 1920 den Einklang von Natur und Seele", so Schaffrath.

Bei der Stadt Pritzwalk und dem Prignitzer Tourismusverband stößt Schaffrath mit seinem Vorschlag nach eigenen Angaben auf großes Interesse. In Sachsen-Anhalt, wo sich einer der bereits existierenden Nacktwanderwege befindet, habe sich das FKK-Wandern als wertvoller Standortfaktor erwiesen. Auch für Brandenburger Gastwirte und Hoteliers könne sich Nacktwandertourismus lohnen.

Konflikte zwischen wandernden Nudisten und Textilträgern gebe es in der Regel nicht. "Von anderen Wanderern wird man meist freundlich lächelnd empfangen", sagt Schaffrath. Dennoch müssten die Pfade ausgeschildert werden. "Mit den Schildern wollen wir sagen: Ihr seid herzlich eingeladen, aber ihr müsst uns akzeptieren", sagt Schaffrath. Eine Ausgrenzung bekleideter Wanderer sei dadurch keineswegs beabsichtigt.

Etwa 40 000 Naturisten sind derzeit im Deutschen Verband für Freikörperkultur organisiert. Bis 2016 galt Deutschland laut einer Studie des Reiseportals Expedia als "FKK-Weltmeister". Eine von Schaffrath gegründete Facebook-Gruppe, in der sich wanderbegeisterte Nudisten austauschen können, zählt rund 7000 Mitglieder. "Wir wollen keine geschlossene Gruppe sein, wir sind offen für alle", sagt Schaffrath. Dennoch müssten sich die FKK-Wanderer schützen, zum Beispiel vor "Spannern und Möchtegernnacktwanderern". Nacktbilder, die ab und an in der Gruppe auftauchten, würden konsequent gelöscht. "Manche Leute verstehen nicht, dass FKK nichts mit Sex zu tun hat", sagt Schaffrath. "Nacktwanderer gehen einfach offen mit ihrer Nacktheit um. Darum geht es."

Ende September soll der Tourismusverband Prignitz über die Aufteilung der Wanderwege entscheiden. Läuft alles nach Plan, könnten Naturisten womöglich schon zu Pfingsten 2019 den dritten offiziellen Nacktwandersteig Deutschlands einweihen. Zum nächsten FKK-Weltmeistertitel wäre es dann womöglich nicht mehr weit.