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05. April 2009 19:05 Uhr
Friedliche Demonstration
Das Kehler Gefängnis bleibt beim Nato-Gipfel leer
In Kehl haben sich die Staatschefs der Nato zum großen Gruppenfoto getroffen. In der in manchen Bereichen abgesperrten Stadt fand zugleich am Samstag die größte Demonstration von Nato-Gegnern auf deutscher Seite statt.
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Die Demonstration der Nato-Gegner verläuft friedlich. Foto: Helmut Seller
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Nato-Gipfel in Kehl: Großeinsatz der Sicherheitskräfte, aber kein Chaos und keine Randale. Foto: Helmut Seller
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Kehls Bürgermeister Petry war ein gefragter Interviewpartner – er hat mit Barack Obama gesprochen. Foto: hrö
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Friedensaktivisten aus ganz Deutschland haben den Weg nach Kehl gefunden. Foto: hrö
Abends um sieben ist die Welt wieder in Ordnung – zumindest in Kehl. Während wenige hundert Meter weiter auf der anderen Seite des Rheins noch die gewaltigen Rauchsäulen von vier Bränden in den Himmel steigen, kann sich Günther Petry schon wieder entspannt zurücklehnen. "Es hat alles gut funktioniert", sagt der Kehler Oberbürgermeister. Um 18.30 Uhr am Samstag war die "Friedenslok" mit rund 900 Fahrgästen schon wieder auf dem Weg nach Norden, in der Grenzstadt kehrte zügig wieder Normalität ein. Auch die Sprecher der Polizei konnten bereits kurz nach 17 Uhr offiziell verkünden: "Insgesamt verlief die Versammlung in Kehl friedlich." Das für bis zu 200 gewalttätige Gipfelgegner vorbereitete Kehler Gefängnis leer.
Für die rund 35 000 Einwohner von Kehl endete mit dem Abzug der Demonstranten ein Ausnahmezustand, der während des Treffens der Staatsgäste auf der Passerelle seinen Höhepunkt erreicht hatte. Petry spricht von einem perfekt organisierten Staatsakt an einem zauberhaften Frühjahrsmorgen. Dass es in Baden-Baden schöne Hotels gebe, sei ja bekannt. Aber Kehl habe eben diese elegante Brücke über den Rhein mit ihrem "außerordentlich symbolischen Charakter". Sowohl Angela Merkel als auch Barack Obama hat Petry den alten Kriegsbunker auf französischer Seite gezeigt und erzählt, "dass man hier vor 65 Jahren noch aufeinander geschossen hat". An diese Zeit fühlten sich ältere Kehler in der Nacht vor dem Gipfel erinnert, weil permanent Hubschrauber lärmend über ihre Häuser knatterten. Die massiven Einschränkungen durch die Sicherheitszonen wurden von den Kehlern weitgehend klaglos hingenommen.
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NUR EINE BRENZLIGE SITUATION
Punkt 10.45 Uhr trifft der "Friedenszug" am Kehler Bahnhof ein. Laut Bundespolizei ist er mit genau 659 friedlichen Gipfel- und Nato-Gegnern aus Nordrhein-Westfalen besetzt. Sie ziehen mit Fahnen und Transparenten zum Kehler Läger, einem großen Platz am Rande der Innenstadt, wo normalerweise der Jahrmarkt steigt. Um die 3000 Demonstranten halten hier ihre Kundgebung ab, bevor sie um die Mittagszeit unter massivem Polizeiaufgebot durch die Fußgängerzone ziehen. Auf mehr als 4000 Teilnehmer ist der Zug inzwischen angewachsen.
Dass er kurz vor der Europabrücke gestoppt wird, sorgt für Protestrufe. Über Lautsprecher versucht die Polizei deutlich zu machen, dass auf der französischen Seite Ausnahmezustand herrscht und die Brücke gesperrt bleibt. Ein Dutzend Wasserwerfer, mehrere Panzerfahrzeuge und ein massives Aufgebot an Einsatzkräften machen deutlich, dass an ein Weitergehen nicht zu denken ist. Einer Delegation der Demonstranten wird erlaubt, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Währenddessen drängt die aufgebrachte Menge gegen die Einsatzkräfte vor, die zurückweichen. Über Durchsagen wird um Vernunft gebeten, während die Wasserwerfer schon die Motoren starten. Doch es bleibt die einzige brenzlige Situation an diesem Tag. Polizeisprecher sind überzeugt: Hätte es in Kehl ein Camp gegeben, der Tag wäre anders verlaufen.
Autor: Hubert Röderer und Helmut Seller


