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03. April 2009 16:38 Uhr

First Lady und Premiere Dame

Die Frauen der Präsidenten sorgen für den Glanz

Natürlich geht es beim Nato-Gipfel um Politik – aber nicht nur. Natürlich geht es auch um die First Ladys wie Michelle Obama und Carla Bruni-Sarkozy.

Nur gut, dass die beiden auch noch da sind, Amerikas First Lady und Frankreichs Premiere Dame. Da bekommt dieser von Anzug- und Uniformträgern geprägte Gipfel doch noch etwas Glanz. Das Publikum lechzt danach.

Was trägt Michelle Obama? Ist es zum Ärger konservativer Washingtoner Kreise wieder etwas Ärmelfreies? Zur Begrüßung im Straßburger Rohan-Palast war die Amerikanerin am Freitag im fröhlich-frühlingshaftem knielangen Kleid erschienen. Pinkfarbene Blumen leuchteten auf schwarzem Stoff. Und die Arme guckten nicht heraus. Entwarnung in Washington.

Und Carla Bruni-Sarkozy, die so selbstverständlich staatstragend auftretende Gattin des französischen Präsidenten, die zur Feier des Tages ein dezent hellgraues Kleid mit zur Schleife gebundenem Schal angelegt hat: Blitzt bei ihr womöglich der Eigensinn der italienischen Sängerin auf, die Koketterie des ehemaligen Models? Und warum hat sich Carla zuletzt kaum noch in der Öffentlichkeit blicken lassen? Nicht einmal beim Londoner G-20-Gipfel war sie zu sehen. Steckt da der Gatte Nicolas dahinter? Will der beim Volk in Ungnade gefallene französische Staatschef verbergen, dass er sich mit seiner hübschen Frau auch in Krisenzeiten prächtig amüsiert?

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Das sind die wahren Fragen bei diesem Nato-Gipfel, der doch auch ein Fest sein soll, das Geburtstagsfest der 60 Jahre alten Allianz. Das ist es, was das Publikum wirklich wissen will. Und Michelle und Carla sind die wahren Stars. Und wie das bei Stars so ist, schon ihre schlichte Anwesenheit stimmt froh.

Staatstragendes Damenprogramm

Dabei haben sich die Organisatoren redlich bemüht, das Damenprogramm an das der Herren anzugleichen. Hier wie da soll alles aufkommen, bloß keine Freude. Während sich Staats- und Regierungschefs mit ernster Miene über Terrorismus, Atomwaffen oder den Krieg in Afghanistan austauschen, werden First Lady und Premiere Dame an diesem Samstag mit sicherlich kaum minder ernster Miene durch die Laboratorien eines Darmkrebsforschungszentrums schreiten, gottesfürchtig zur Kanzel der Kathedrale emporblicken, Ölbilder im Museum für mittelalterliche Kunst mustern.

Temperamentvoll und lebensfroh wie die beiden Damen sind, werden sie sich freilich nicht nur über Krebskrankheiten, Gottesfurcht und das Mittelalter austauschen.

Modellmutter versus Feingeist

Wobei am Rande des Gipfels da und dort Zweifel laut werden, wie nahe sich die beiden Frauen überhaupt kommen können. Sie seien doch sehr verschieden, meinen Bedenkenträger. Hier die volksnahe Michelle, die sich der Nation als Modellmutter empfiehlt, die sich nicht zu schade ist, im Garten des Weißen Hauses den Spaten und in einer Suppenküche die Kelle in die Hand zu nehmen. Dort die diskrete Carla, mit viel Feingeist, viel Fingerspitzengefühl, die ihre Privatwohnung den öffentlichen Gemächern des Elysée-Palasts vorzieht. Aber auch wenn das Zusammentreffen beim Nato-Gipfel nicht der Beginn einer wunderbaren Frauenfreundschaft sein sollte. Anmerken wird man es den Beiden nicht. Das würde sich schließlich nicht schicken. Und wenn es First Lady und Premiere Dame so weit gebracht haben, dann auch deshalb, weil sie ein sicheres Gespür fürs Schickliche besitzen.

Fotos: Die First Ladys in Straßburg

Autor: Axel Veiel