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04. April 2009
Gespannte Ruhe unter Zelten
Im Camp der Nato-Gegner bereiten sich 4000 Bewohner auf die Demonstration am heutigen Samstag vor / Krawalle in Straßburg
STRASSBURG. Im Camp der Nato-Gegner sind am Freitagabend knapp 4000 Menschen eingetroffen. Sie bereiten sich auf "Aktionen des zivilen Ungehorsams" und auf die Großdemonstration am heutigen Samstag vor. Die Presse hat zum Camp nur eingeschränkt Zugang. Auch gestern kam es zu Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Nato-Gegnern und Polizei im Straßburger Viertel Neuhof.
Die Stimmung ist friedlich im internationalen Camp südlich von Straßburg. Bunt ducken sich die Zelte in der Mittagssonne, Menschen sitzen auf Campingsesseln davor. In einer der drei Großküchen wird Salat geschnitten. An einem Zelt zeigt jemand, wie man eine Maske zum Schutz gegen Tränengas anlegt.Die gute Stimmung schlägt sofort um, wenn Pressevertreter sich außerhalb des für sie vorgesehenen Bereichs am Eingang des Camps bewegen. "Du sollst hier weggehen!", blafft eine junge Frau. Ihre Freundin sagt, das habe man so im Plenum entschieden. "Wir wohnen hier, das ist unser Gelände!"
Jan Fabian Dollbaum fällt da völlig aus dem Raster. Der 24-jährige Student gibt seinen vollen Namen an, lässt sich sogar fotografieren. Er ist mit einem Freund aus Tübingen hergetrampt, um sich über die Protestbewegung zu informieren, und will erst noch entscheiden, ob er an der Demo teilnimmt. "Heute tendiere ich dazu", sagt er. Hinter ihm sägt ein nackter Mann an einem Holzbrett. Dollbaum hat sein Zelt auf dem Gelände neben den Clowns aufgeschlagen. "Die Stimmung ist super, die haben immer Spaß."
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Am Nachmittag dann ist Schluss mit lustig. In Neuhof greifen vermummte Aktivisten die Polizei an, die zu Tränengas und Blendgranaten greift. Zuvor sind Pflastersteine und Flaschen geflogen, schwarz gekleidete Protestler steckten Barrikaden in Brand. Entzündet hat sich die Konfrontation daran, dass die Polizei als Clowns verkleidete Demonstranten ins Camp zurückschickte. Sie hatten versucht, in die abgeriegelte Innenstadt vorzudringen. Bemühungen friedlich gesinnter Nato-Gegner, mit der Polizei über einen gegenseitigen Rückzug zu verhandeln, scheiterten an der Gewaltbereitschaft der Aktivisten.
Schon am Donnerstag waren Bushaltestellen zu Bruch gegangen, Mülleimer angezündet worden und Steine gegen die Polizei geflogen. Darüber sei auch im Plenum diskutiert worden, sagt Laiosh, ein Deutscher, der seit bald einer Woche im Camp ist. Was Gewalt angehe, habe man sich aber nicht auf eine klare Linie geeinigt: "Das muss man von Fall zu Fall entscheiden." Bei den für die Morgenstunden des Samstags angekündigten Aktionen solle es auf Seiten der Demonstranten gewaltfrei zugehen. "Wer gewalttätig wird, den schicken wir weg", sagt Arne, der neben Laiosh im Stroh liegt.
An gewalttätigen Demos dürfte der angehende Lehrer Dollbaum kaum teilnehmen. Auch was Aktionen des zivilen Ungehorsams angeht, die mittags vor dem Camp medienwirksam geprobt wurden, will er erst nach den rechtlichen Konsequenzen fragen. "Ich helfe jetzt, die Trockenklos leeren", verabschiedet er sich. Hinter ihm hämmern jetzt zwei nackte Männer an einer Holzkonstruktion auf einem Einkaufswagen herum.
Keith Boyd, Julie Sherry und Raynie Kiernan kommen aus Schottland und sind in der Nacht eingetroffen "Wir sind gerade aufgestanden", sagt Kiernan, der sich kurz die Zähne putzen geht. Die Aktivisten der "Stop The War Coalition" waren vorher bei der Demonstration gegen den G-20-Gipfel in London. "Ich finde es wichtig, dass wir den Widerstandsgedanken von einem Land ins nächste tragen", sagt Boyd. 1000 Demonstranten aus Großbritannien hätten sich angekündigt. "Außerdem können wir aus anderen Ländern Anregungen für unsere Protestbewegungen mitnehmen", sagt er und deutet auf eine Gruppe von Clowns, die um einen Pressepulk herumalbert. Dann machen sich die Schotten auf den Weg zum Gegengipfel.
Autor: Constance Frey


