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03. April 2009 23:07 Uhr

Warten auf den Stargast

In welchem Auto saß denn nun Obama?

Die Kurstadt im Ausnahmezustand: Am Freitagabend ist der Nato-Gipfel in Baden-Baden eröffnet worden. Weitaus wichtiger scheint in der Stadt der Nachmittag zu sein – als US-Präsident Barack Obama eintrifft.

  1. Zaungäste in Baden-Baden: Kinder mit Stars and Stripes und die allgegenwärtige Polizei. Foto: ddp

Schon am Mittag stehen die ersten an, sich ein Fleckchen am Leopoldsplatz zu sichern. Sie wollen einen Blick auf Obama erhaschen, der hier um 15.30 Uhr auf dem Weg zum Empfang auf dem Marktplatz vorbeikommen soll. "Das darf man sich doch nicht entgehen lassen", sagt eine Mittfünfzigerin am Absperrgitter entlang der Protokollstrecke. Zwei Männer entrollen ein Obama-Begrüßungstransparent. Ein anderer trägt ein aufwendig besticktes Shirt, auf dem neben "Black Forest" und "Yes we can" eine große "44" prangt. "Er ist der 44. Präsident der USA", erklärt Wolfrüdiger Endriß sein Shirt, das ein Wirt für 134 Euro das Stück in limitierter Zahl verkauft.

Etwa 6000 Polizisten sind allein in Baden-Baden im Einsatz, auch rund um den Platz. Den hohen Sicherheitsaufwand, der im Vorfeld kritisiert wurde, findet Nortrud Riegler gerechtfertigt. Sie ist sicher, der wird vor allem für den US-Präsidenten betrieben. Die Sonne scheint, die Stimmung ist entspannt – bei der Polizei wie bei den Bürgern, die in der Innenstadt unterwegs sind. Auch die Demonstration am westlichen Stadtgebiet läuft weitgehend friedlich ab – bei nur 500 statt erwarteter 2000 Teilnehmern.

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Viele Baden-Badener, so ist zu hören, sind abgezogen, bevor die Gipfelteilnehmer und ihre Gefolgschaften die Stadt stürmen. Andere scheinen all dem zu trotzen: Ungerührt vom großen Tag pinselt eine ältere Frau in einer Seitengasse den Sockel eines Geschäftshauses.

Gegen 13 Uhr gibt es am Leopoldsplatz auf einmal Johlen und Applaus. Ist Obama schon da? Nein, Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner schiebt sein Fahrrad über den Platz und winkt dem Publikum zu. Eine Zuschauergruppe hat sich ein erstes Bierchen organisiert. US-Fähnchen werden verteilt. Immer mehr Schaulustige finden sich ein – manche mit Kindern, andere mit Hunden, eine alte Frau mit Gehhilfe, eine Junge auf Highheels: Neugier quer durch die Gesellschaft.

Erst nach 16 Uhr fährt Obamas Tross vorbei. Die Leute jubeln, hunderte Handys schießen für Aufnahmen nach oben. Menschen strahlen. Als alles vorbei ist, gibt es Diskussionen, in welchem der schwarzen Autos Obama denn nun saß. Im zweiten? "Im dritten", vermutet Nortrud Riegler. Sie ist enttäuscht, dass sie den Präsidenten nicht gesehen hat: "Jetzt sind wir vier Stunden gestanden – für nix." Vor einem Bistro um die Ecke stehen Leute Schlange. Drin ist im TV zu sehen, wie Barack und Michelle Obama sowie Angela Merkel auf dem Marktplatz ankommen. 200 ausgesuchte Bürger der Stadt dürfen nach strengen Sicherheitskontrollen ganz nah heran beim ersten Deutschlandbesuch des US-Präsidenten.

Mit dabei: Ursula Cantieni, Darstellerin der Johanna in der Fernsehserie "Die Fallers". "Als Obamas Frau ausgestiegen ist, hab' ich gleich mal den Juchu-Chor angestimmt", erzählt sie. Und nach stundenlangem Warten und dem Empfang mit militärischen Ehren dann der Höhepunkt. Wie sie es sich gewünscht hatte, war sie ganz in der Nähe des Präsidenten. "Man hat es gespürt: Er ist ein wunderbarer Mensch mit einer wunderbaren Ausstrahlung."

Autor: Simone Höhl