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04. April 2009

Nicht jeder durfte raus, wie er gerade wollte

Der Nato-Gipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden hat auch Auswirkungen auf den Grenzübergang Rheinau/Gambsheim

  1. Immer und überall präsent: die Polizei Foto: seller

RHEINAU/GAMBSHEIM (obe). Sie denken, dass wir denken, dass sie denken... Dieses Hinterfragen spielt bei den Fahrzeug- und Personenkontrollen am Grenzübergang Rheinau/Gambsheim im Zuge des Nato-Gipfels jetzt eine nicht unwesentliche Rolle. "Auch gewalttätige Gipfelgegner machen sich Gedanken", betont Polizeihauptkommissarin Nicole Ramrath. Deshalb bewahrt harmloses Aussehen oder auch ein Kindersitz auf der Rückbank nicht vor den Stichproben der deutschen und französischen Polizei.

Schritttempo kündigt ein Beamter mit Kelle schon bei der Anfahrt zur Grenze an, der die Sichtkontrolle übernimmt und nicht selten an Haltebuchten weiterleitet. Es folgt die Doppelkontrolle: Die deutschen Grenzkontrolleure bestimmen über die Ausreise-Erlaubnis, dann folgt – oder auch nicht – die Einreise-Erlaubnis der Franzosen. Alles läuft Hand in Hand. Sehr freundschaftlich sei das Verhältnis, betont die französische Polizistin Martine Brechtel. Lediglich an der Sprache hapere es. "Kommunikation kaputt", versucht sie sich in deutsch und lacht. Eine Kollegin fungiert den Tag über als Übersetzerin. Die Bundespolizisten hier tun ansonsten am Flughafen München Dienst. Seit Beginn der Kontrollen wurde rund 50 Personen die Ausreise untersagt, erklärt Ramrath. Rund zehn deutsche und ebenso viele französische Polizisten sind allein an den Kontrollbuchten versammelt. Die Menschen nehmen es gelassen, wenngleich so mancher Ortenauer Bürger in den vergangenen Tagen noch mal heim geschickt wurde, weil er den Ausweis vergessen hatte. Gerade wird die junge Pendlerin Eva Kemp herausgewunken. "Bisher hatte ich Glück – jetzt bin ich mal dran", stellt sie gelassen fest und zuckt mit den Schultern. Die junge Frau arbeitet in Achern und wohnt in Straßburg. "Dass kontrolliert wird, ist schon okay." Es müsse wohl sein. Ihre Ausweispapiere gehen an einen Kollegen, der den Abgleich mit dem elektronischen Fahndungssystem macht. Sie ist sauber. "Wenn alles glatt läuft, ist das Kontroll-Procedere in wenigen Minuten erledigt", verdeutlicht Oberkommissar Freimut Lusch von der Planungsgruppe Nato. Wenn nicht, kann begründeter Verdacht bis zum Filzen des ganzen Autos und Leibesvisitation führen. Fast wie in alten Grenzkontroll-Zeiten vor dem Schengener Abkommen. Es ist laut Ramrath auch die Frage zu stellen, "ob eine Ansehensschädigung für die Bundesrepublik Deutschland bei Ausreise zu befürchten ist".

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Kritisch wird nach der Deutschen dann der Wagen eines französischen Pärchens beim Rundgang um das Auto beäugt. Kurz ist der Polizist irritiert. "Nein, die Beifahrerin hat nur den Aschenbecher herausgezogen." Es kann weitergehen. Findet die Polizei Waffen, ist die Fahrt in der Regel erst mal beendet. Ebenso bei "blockade-fähigen" Gegenständen. "Hat ein Förster einen Baumstamm im Kofferraum, ist das schnell geklärt", bringt Lusch ein Beispiel. Im Zweifelsfall müsse man sich gegenüber den Polizisten eben rechtfertigen. Am heutigen Samstag ist einiges an Ausweichverkehr am Grenzübergang zu erwarten, erklärt Lusch. So wird die Sperrung der Europabrücke in Kehl bei den Grenzkontrolleuren in Rheinau für Mehrarbeit sorgen.

Autor: obe