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24. Juli 2009

Naturlandschaft dank Baufehler

Die Region um den Theißsee im Osten Ungarns bietet viel für Naturfreunde

  1. Theiß Foto: Karl Kovacs

D
as Mittagessen in der urigen Gaststätte in Tiszafüred ist reichhaltig. Auf keinen Fall etwas für Diätvernarrte oder Kalorienzähler. Es wird kein Gulasch serviert. Dieses Gericht wird zwar häufig in Bezug auf das kulinarische Angebot Ungarns erwähnt, das Nationalgericht ist aber nur eines von vielen typisch ungarischen Speisen. Natürlich gehören die scharfen Paprika fast immer dazu. So auch bei der Vorspeise: Eine Fischsuppe mit frischem, in der Theiß gefangenem Wels. Auf einem kleinen Teller stehen die roten Paprika zur Verfeinerung bereit. Die Suppe wird mit Weißbrot gegessen und könnte alleine schon als Hauptgang durchgehen. Richtig deftig wird es bei der Hauptspeise, die wahlweise aus Schwein, Rind oder Wild mit Kartoffeln und eingelegtem Sauren besteht. Dazu passt das Erlauer Stierblut, ein bekannter ungarischer Rotwein, besonders gut.

Abgerundet wird ein solcher Festschmaus mit Nudeln. Hört sich nicht sonderlich ausgefallen an, ist es aber. Gereicht wird ein Teller quarkbedeckter breiter Nudeln. Dazu gibt es angebratenen Speck. Wahlweise kann man das Gericht auch noch mit etwas Zucker bestreuen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, einen Versuch ist es allemal wert. Als Absacker wird ein selbstgebrannter Obstschnaps gereicht. Das gehört hier – genau wie scharfe Paprika – zu jedem Essen. So oder ähnlich stellt man sich das Essen in Ungarn vor. Und auch in der Region um den Theißsee ist das nicht anders.

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Das Land um den 1973 aufgestauten See ist flach. Der Theißsee ist mit einer Fläche von rund 130 Quadratkilometern der zweitgrößte See Ungarns. Anders als am bekannteren Plattensee geht es hier noch ruhig zu: Öko- statt Massentourismus. Das ist auch gut so, denn zu viele Menschen könnten die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Sees bedrohen – die eigentlich das Ergebnis eines Baufehlers der von den Sozialisten engagierten Ingenieure ist: Das Wasser steht rund einen Meter tiefer als eigentlich beabsichtigt. Der nördliche Teil des Stausees gehört zum Nationalpark Hortobágy, der Teil des Unesco-Weltnaturerbes ist. Hier sind keine Boote erlaubt. Das mittlere Becken darf mit Ruder- und leichten Motorbooten erkundet werden.

Durch einen der neun Kanäle gleitet das Ruderboot langsam in das mittlere Becken des Theißsees, dem Poroszló-Becken. Dabei ist nicht nur die prächtige Vogelwelt interessant, auch ein Blick auf die Wasseroberfläche lohnt sich: Dicht am Ufer bedecken unzählige Seerosen die Wasseroberfläche und die in Deutschland fast ausgestorbene Wassernuss gedeiht hier. Bei einer solchen Bootsfahrt vergisst man schnell den alltäglichen Stress.

Dies nicht zuletzt wegen der Ruhe auf dem See. Die ist auch gut für die zig Vogelarten, die hier brüten oder auf ihrer Reise in den Süden einen Zwischenstopp einlegen. Rund 3000 Ornithologen kommen jedes Jahr, ausgerüstet mit dicken Ferngläsern legen sie sich auf die Lauer, um Reiher, Haubentaucher und Kormorane zu beobachten. Die Gegend ist außerdem Brutplatz für rund 5000 Storchenpaare.

Die Bootsfahrt endet an einem Holzsteg. Von hier geht es zu Fuß über den anderthalb Kilometer langen Lehrpfad, auf dem Touristen die Fauna und Flora des Sees näher kennenlernen können. Solche Ausflüge werden in den Hotels in der Region organisiert. Sie gehören zu einem Netz von etwa 30 Tourenzentren.

Weil die Theiß immer noch durch den See strömt, ist er ein lebendiges Gewässer und idealer Angelplatz. Wer nach großen Zandern, Welsen und Graskarpfen sucht, kann hier fast nichts falsch machen. Die Staustufe von Kisköre im Süden ist maßgeblich für die hier entstandene Landschaft verantwortlich. Sie wurde in den 1970er Jahren errichtet, um die Bewässerung der kargen Gegend zu garantieren. Im südlichsten Becken sind Motorboote und auch Wasserrutschen erlaubt. Dieser Teil bildet einen abwechslungsreichen Kontrast zu dem geschützten Teil des Stausees im Norden. Weitere Infos unterwww.ungarn-tourismus.de

Autor: Karl Kovacs