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20. März 2009
Naturschützer zeigen Langläufern den Vogel
Weil Sperlingskauz und Ringdrossel brüten, ruhen für das Nordic Center bis zum Hochsommer die Bagger / Junioren-Weltmeisterschaft 2010 am Notschrei gefährdet.
TODTNAU. Es war alles so schön ausgeheckt, doch mit dieser Brut hatten sie nicht gerechnet. Die Vordenker des Nordic Centers am Notschrei müssen einen erneuten Aufschub der Bauarbeiten verkraften. Wegen der Brutzeit schutzbedürftiger Piepmätze können die Bagger im hoch gelegenen Waldgebiet zwischen Dreisam- und Wiesental frühestens am 6. Juli vorfahren. Damit ist die Austragung der Langlauf-Wettbewerbe bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft der Junioren Ende Januar 2010 am Notschrei akut gefährdet.
Nachdem im Vorjahr Finanzierungsprobleme und der Abschied vom Bau eines großen Stadions in Straßennähe die Planungen für das nordische Skisportzentrum verzögerten, zeigen nun Naturschützer den Natursportlern den Vogel. Eigentlich hätten die Erdbewegungen zum Ausbau der bestehenden Biathlonanlage sofort einsetzen sollen, wenn der jetzt noch meterhoch liegende Schnee in der Waldregion am Stübenwasen geschmolzen ist. Doch eine ornithologische Studie des Landratsamts Lörrach zwingt nun zu Untätigkeit bis in den Hochsommer.Bei der Region Notschrei handele es sich um ein "faktisches Vogelschutzgebiet", erklärt der Erste Landesbeamte Walter Holderried. Weil ihr Status damit noch nicht rechtskräftig sei, würden noch strengere Regeln gelten und wirklich alles auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse des Gutachtens lägen erst jetzt vor, da die Tiere zu verschiedenen Jahreszeiten beobachtet werden mussten. Auch wenn die betreffenden Vögel in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als "nicht gefährdet" eingestuft werden, sei ihre Zahl zu schützen. "Es geht um einzelne Individuen, nicht um die gesamte Art", sagt Holderried.
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Bei den Namen der betreffenden Vögel artet menschliches Nachforschen jedoch in vielstimmiges Gezwitscher aus. Franz-Josef Winterhalter, als Bürgermeister der Gemeinde Oberried Vorsitzender des Trägervereins Nordic Center, nennt ein Paar Sperlingskäuze und Ringdrosseln. Sein Feldberger Amtskollege Stefan Wirbser, zugleich Präsident des Skiverbands Schwarzwald, hat von vier Dreizehenspechten und zwei Zitronengirlitzen gehört. Holderried bestätigt, dass es sich um den Sperlingskauz und die Ringdrossel handelt. Zudem nutze das Auerhuhn die Region als Flug- und Rastplatz.
Zum Kuckuck. Stefan Wirbser wittert übervorsichtige Bedenkenträger und Sportgegner hinter den Pforten des Landratsamts: "Ich bin stinksauer", empört sich der Skiverbandspräsident. Sechs Vögel brächten das gesamte WM-Konzept ins Wanken, "das steht doch in keinem Verhältnis". Winterhalter zeigt mehr Verständnis. Er verweist auf den hohen Stellenwert, den der Schutz bedrohter Tierarten in der Gesellschaft habe."Uns sind die Hände gebunden", gesteht der Frontmann des Nordic Centers.
Die Folgen dieses Aufschubs seien noch nicht abzusehen. Winterhalter kann aber nicht mehr die Hand dafür ins Feuer legen, dass am Notschrei tatsächlich im kommenden Winter die weltbesten Langläufer bei den Junioren und der Altersklasse U 23 starten. "Wenn ab September dort oben das Wetter zugeht, hätten wir ein Problem", räumt Franz-Josef Winterhalter ein. Auf drei Monate reine Bauzeit hatten die Planer die Modernisierung veranschlagt. "Die Gesamtarbeiten können sicher nicht fertig gestellt werden", schätzt Winterhalter. Es fehle jetzt ein zeitlicher Puffer für Schlechtwetterperioden. Wichtig sei, dass die WM-Strecken errichtet werden und das Skistadion auch für die Zuschauer erneuert wird. Alles andere könne warten.
Die Organisatoren der Junioren-WM haben sich Gelassenheit verordnet. Und stellen Optimismus zur Schau. "Ich gehe davon aus, dass das fertig wird", sagt WM-Generalsekretär Detlef Braun. Bei der offiziellen Ausschreibung im Juni werde der Notschrei weiterhin Standort der Langläufer bleiben. Für Skispringer und Nordische Kombinierer ist die Infrastruktur am Zentralort Hinterzarten bereits komplett vorhanden.
Falls die Zeit am Notschrei doch nicht reiche, hat Braun für die immerhin 14 Langlauf-Wettbewerbe bereits einen Alternativstandort im Auge, "sonst könnte ich gar nicht ruhig schlafen". Schonach, das als Ausrichter des Weltcups für Nordische Kombinierer seit Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf besitzt, stünde als Partner bereit. Im Schonacher Wittenbachtal drehten die Junioren bereits 1981 und 2002 für die Welttitelkämpfe ihre Runden. Hier ist der Boden bereitet. Und die Luft im kommenden Sommer erfüllt von unbeschwertem Tirili.
Autor: Matthias Kaufhold
