Nei’g’schmeckt in neue Heimat

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 13. September 2018

Waldkirch

Jedes Jahr ziehen 1500 Menschen nach Waldkirch und fast genauso viele wieder weg / Bürger stammen aus 107 Nationen.

WALDKIRCH (sre). "Stadt, Land, alles im Fluss" – so heißt das Motto der Heimattage in Waldkirch. "...alles im Fluss" verweist auf eine hohe Dynamik der Veränderungen. Ein Teil davon: die Bevölkerungsentwicklung.

Waldkirch ist Zuzugsregion und wird in diesem Jahr erstmals die 22 000-Einwohner-Marke überschreiten. Seit 1999 ist das Wanderungssaldo Waldkirchs positiv, das heißt, es ziehen mehr Menschen hierher als fortgehen. Im Jahr 2016 lag das Saldo bei plus 147, ein Jahr zuvor – auch in Folge der Flüchtlingsbewegung – so hoch wie nie: plus 220. Unter den 1536 Menschen, die 2016 ihren Wohnsitz neu in Waldkirch nahmen, kamen aber der überwiegende Teil aus der Umgebung, aus Baden-Württemberg oder aus anderen Teilen Deutschlands. 1284 zogen fort, oft dem Beruf und der Ausbildung hinterher.

Der Zuzug von Menschen mit ausländischen Wurzeln begann im Elztal schon vor über 100 Jahren, mit den großen Spinnereien und Webereien und dem Bau der Elztalbahn. Von wie vielen Menschen die Vorfahren vor Generationen aus anderen Ländern kamen, weiß niemand, aber es sind viele – und es ist normal. Die meisten haben längst einen deutschen Pass. Zuletzt hat man beim Zensus 2011 die Befragten nach ihrer Herkunft befragt, damals gaben etwa 20 Prozent an, einen Migrationshintergrund zu haben. Einen ausländischen Pass haben aktuell 13,7 Prozent – 3043 Einwohner, sagt Mario Frick vom Büro für Migration und Integration der Stadt Waldkirch. Darunter ist nur ein kleiner Teil, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Wie leicht man hier ankommt, hänge von etlichen Faktoren ab: ob man dies aus freien Stücken oder zum Beispiel wegen Krieg und Elend notgedrungenerweise tut; welchen Bildungsstand und welche deutschen Sprachkenntnisse man hat oder wie alt man ist.

Mario Frick sieht sich als Kontaktknüpfer, denn die meisten Fragen, die an ihn durch Migranten herangetragen werden, sind genau dieselben, die auch Alteingesessene haben: Hier weiß er die richtigen Ansprechpartner in den Rathausabteilungen oder extern. Nur einige Probleme sind spezifisch: Wo kann man Deutsch lernen, gilt der ausländische Führerschein hier, wird mein Studien- oder Berufsabschluss anerkannt? Viele Neuzuwanderer kommen aus der EU. Dies, aber auch eine kulturelle Nähe oder das ehrenamtliche Engagement in Vereinen, mache das Einleben leichter. Laut Frick wollen viele schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr als "Migranten" oder "Ausländer" betrachtet werden und tun dies auch nicht mit dem Blick auf sich selbst.

Problematisch für alle Zuwanderer, egal ob von Freiburg nach Waldkirch oder von Aleppo oder Kabul in die Kandelstadt, ist der angespannte Wohnungsmarkt mit rasant gestiegenen Mieten. Insbesondere um den bezahlbaren Wohnraum ist die Konkurrenz untereinander und mit den Alteingesessenen groß.

Eine herausragende Rolle bei der Integration spielt laut Mario Frick die Bürgerbegegnung. Im Mehrgenerationenhaus Rotes Haus gibt es dazu eine Fülle von Angeboten. Auch aus anderen Teilen der Stadt wird inzwischen der Wunsch an die Verwaltung getragen, mehr solcher Quartierszentren zu schaffen. Unter anderem auch, weil sie als Türöffner und Netzwerkbilder für nachbarschaftliche Kontakte und Hilfe wirken. Enormes leisten bei der Integration auch das Netzwerk Flüchtlinge, Wohnungs- und Sprachpaten und weitere Ehrenamtliche.