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11. Mai 2011

Infografiken – zu 99 Prozent lustig?

NETZWELT: Die Welt als Torte

Infografiken sind toll. Jedes visuelle Medium ist voll von ihnen. Warum eigentlich? "Beim Menschen steht die visuelle Wahrnehmung an erster Stelle der Informationsaufnahme", weiß Wikipedia. "Ein bekanntes Sprichwort fasst dieses sehr einprägsam zusammen: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Und das womöglich schon seit der Steinzeit, zumindest spekuliert Wikipedia auch über "frühzeitliche Höhlenzeichnungen als Keimzelle der Infografik".

Was Schlichtheit angeht, werden die Höhlenzeichnungen von den Produkten des Graphitti-Blog durchaus übertroffen. Tatsächlich ist diese Mitmach-Website so etwas wie ein Spezialist für die klassische Tortengrafik, die aber in allen Varianten. Ob zur Kindheit in den 80ern, Eigenschaften von Superhelden oder Verhalten im Fall von Naturkatastrophen, immer hat jemand die mal mehr, mal weniger gelungene Torte parat. Es gibt die medienkritische Torte zur Frage "Wer Social Media bei Unternehmen für unentbehrlich hält" (zu fast gleich großen Teilen: Social-Media-Berater, PR-Agenturen, Studenten mit Rechercheauftrag zu deren Einsatz in Unternehmen, Medienjournalisten und ein schmaler Schnitz für Kunden) oder die zu Alltagsfragen wie "Was in meinem Kalender steht?" (zu 94 Prozent "Nichts"). Eine aktuelle Tortengrafik befasst sich passend zur Abi-Zeit mit Berufswünschen. Die Erhebungsmethode ist weniger empirisch als intuitiv und viertelt die klassische Torte in folgende gleich große Stücke: Irgend etwas mit Medien; Irgend etwas mit Menschen. Zusammen mit der Grafik zu "Was ich Ostern gefunden habe?" (Größtes Tortenstück: "Meine Familie anstrengend") umreißt das ganz gut den Humorhorizont der Beiträger. Sicherheitshalber wird im Seitenkopf gleich tortendiagrammatisch klargestellt, dass dieser Blog zu etwa 99 Prozent lustig ist.

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Komplexere Grafiken gibt es auch, z.B. zur "Erotischen Kommunikation". Auf die Zentralaussage "Was man beim Sex sagt" zeigen folgende mögliche Äußerungsfelder: Namen ("der des Partners", "Jesus"); Geräusche ("Aaoh", "Oooh", "Mmmmhh") oder tierisch (Wal, Eichhörnchen); Befehle ("Schneller!", Besorgs mir!"); Ausländisches ("Mon Dieu"), Rhetorische Fragen ("Kommst du…?") oder Flüche ("heilige Scheiße!"). Hm, die Macher sollten wohl auch mal einen Tag mit Infografik-Guru Edward Tufte verbringen wie Blogger Dr. Nicolas Bissantz.

http://www.graphitti-blog.de      http://blog.bissantz.de/      ein-tag-bei-tufte

Autor: Jürgen Reuß