Kostenexplosion

Neue Fahrradbügel für die Freiburger Innenstadt sind dreimal so teuer wie veranschlagt

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 22. September 2018 um 08:13 Uhr

Freiburg

Böse Überraschung: Das Rathaus will 1000 dringend benötigte Radparkplätze in der Altstadt schaffen. Doch statt 185 Euro soll die Montage pro Bügel plötzlich 540 Euro kosten – zu viel. Doch die Zeit drängt.

Radparkplätze sind Mangelware in der Innenstadt. Lange tat sich nichts, doch dann kündigten Stadtverwaltung und Universität an, 1500 Plätze noch dieses Jahr einzurichten. Daraus wird zum Teil nun nichts. Auf die Ausschreibung gab nur eine Tiefbaufirma ein Angebot ab, sagt Frank Uekermann, der Leiter des Garten- und Tiefbauamts. Das rechnete schon mit 240 Euro für Lieferung und Einbau, weil die Konjunktur so brummt. Doch es wurden ganze 300 Euro mehr. Zu viel für eine einfache Arbeit, sagt Uekermann.

Der Radbügel selbst kostet nur 70 Euro

Nächste Woche soll mit der Firma verhandelt werden, andere seien derzeit nicht am Markt. Gibt es keine Einigung, wird die Behörde bei der Universitätsbibliothek selber Bügel einbauen, sagt der Amtsleiter: "Das sind dann nicht die 1000, aber wir werden schon ordentlich was anbieten."

Denn in wenigen Tagen – Ende September oder Anfang Oktober – muss das Tiefbauamt die provisorischen Radbügel auf den Tramgleisen abbauen. Die Verkehrs-AG stellt ihre Masten auf für die neue Straßenbahnlinie über den Rotteckring, die am 16. März eröffnet wird. Beim Tiefbauamt werden für den Bügeleinbau andere Arbeiten liegen bleiben.

Der Einbau der übrigen Halterungen wird dann erneut ausgeschrieben und könnte, wenn es glatt läuft, im Frühjahr erfolgen. Die Radbügel selbst sind mit 70 Euro das Stück übrigens nicht teuer. Von der Stadtverwaltung vor 20 Jahren entworfen, stellt das Freiburger Justizvollzugsanstalt sie her. "Und die sind ziemlich konjunktur-unabhängig", meint Frank Uekermann.

Die Aktion gegen Schrottfahrräder läuft an

Geplant sind je 500 Abstellplätze an der Tramstrecke, im übrigen Zentrum und an der Uni, für die das Landesamt Vermögen und Bau zuständig ist. Das sitzt noch an der Ausschreibung und geht nun auf den Markt, sagt der leitende Baudirektor Michael Borrmann. "Wir hoffen noch auf gute Angebote." Erwischen könne es sie aber genauso. Die Montage plant das Landesamt Anfang 2019.

Gut läuft der zweite Teil des Projekts für mehr Radparkplätze: Ein Dienstleister soll zweimal im Jahr bis zu zehn Abstellanlagen an Hauptbahnhof und "Bike & Ride"-Punkten räumen, auf Vordermann bringen und vergessene Räder aussortieren. Beworben hat sich die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg für 50 000 Euro im Jahr. "Punktlandung", so Uekermann. Ursprünglich nannte er versehentlich 70 000 Euro.

Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) arbeitet bei ihrer neuen Aufgabe auch mit der Freiburger Beschäftigungsinitiative FQB zusammen. Die erste Räumaktion ist Ende Oktober geplant – wo, steht noch nicht fest, sagt ASF-Chef Michael Broglin.
Plätze und Wege

Im Zentrum gibt es 6514 öffentliche Radabstellplätze und 3900 im übrigen Stadtgebiet. Freiburg hat damit im Vergleich zu zehn anderen Städten im Land das größte Angebot pro Einwohner. Die legen allerdings auch ein Drittel ihrer Wege in der Stadt mit dem Rad zurück. Bürger können Schrotträder mit Foto und Ortsangabe per Mail an schrottfahrrad@stadt.freiburg.de melden. 2017 wurden 460 entfernt.

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