Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. August 2012

Neue Liebe und alte Freunde schließen sich nicht aus

Wenn Jugendliche sich verlieben, kann das für ihre Freunde anfangs schwierig sein / Vorwürfe machen die Sache nur schlimmer.

  1. Frisch Verliebte finden Sonnenuntergänge nicht mehr kitschig, sondern romantisch. Foto: dpa

Es kribbelt im Bauch, die Gedanken kreisen nur noch um die eine Person, und spätestens der erste Kuss sorgt für ein berauschendes Gefühl. Wenn Jugendliche sich verlieben, schweben sie oft auf Wolke sieben – nichts ist plötzlich wichtiger, als mit dem neuen Partner zusammen zu sein. Das Nachsehen hat oft der Kumpel oder die beste Freundin. Kein Wunder, dass es dann schnell mal knallt.

"Natürlich sollten die Verliebten im Austausch mit ihren Freunden bleiben", sagt Nancy Bodmer, Leitende Psychologin des Zentrums für Entwicklungs- und Persönlichkeitsdiagnostik der Universität Basel. Doch auch die beleidigten Freunde müssten umdenken: "Vorwürfe sind nicht angebracht. Wenn der engste Kumpel sich verliebt, dann sollte man nachsichtig sein und ihm die Zeit mit seiner neuen Freundin geben." Denn Verliebtheit müsse man ausleben und genießen dürfen. "Sie ist wichtig für jeden von uns, denn wir können uns in schlechten Zeiten an die schönen Momente erinnern." Zu großer Druck von Freunden könne dieses schöne Gefühl zum Teil zerstören.

"Wenn der beste Kumpel aber schon zum sechsten Mal in Folge eine Verabredung abgesagt hat, weil er lieber seine Freundin treffen will, sollte man ihm schon sagen, wenn es nervt", sagt Jutta Stiehler, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der Jugendzeitschrift Bravo. Wer das schafft, sollte jedoch auf harsche Kritik verzichten und immer im Blick behalten, dass es normal ist, wenn Verliebte viel Zeit mit dem neuen Partner verbringen. "Schuld daran sind nicht die Verliebten, sondern die Hormone. In der Pubertät sorgen sie dafür, dass Jugendliche das andere Geschlecht plötzlich anders wahrnehmen als in der Kindheit", erklärt der Hormonforscher Christoph Keck vom Endokrinologikum in Hamburg. Dass sich die Verliebten euphorisch und beglückt fühlen und vieles um sich herum vergessen, liegt also auch an chemischen Reaktionen im Körper – und nicht nur daran, dass ihnen ihre besten Freunde auf einmal egal sind. "Man kann sich gegen Hormone nicht wehren", sagt Keck. So viel Aufmerksamkeit wie gewohnt könnten Freunde von Verliebten also nicht fordern. "Am besten vereinbaren beide gemeinsam regelmäßige Termine, an denen sie sich sehen können", rät Stiehler. Zum Beispiel könne man sich einen bestimmten Nachmittag in der Woche für den besten Kumpel oder die beste Freundin freihalten, an dem der neue Partner nicht mit dabei ist. So lasse sich Streit vermeiden.

Werbung


Aber nicht nur die vernachlässigten Freunde, auch die Verliebten selbst müssten sensibel sein. Gleich eingeschnappt zu sein, weil der andere mehr Zeit fordert, helfe nicht weiter. "Stattdessen sollten Verliebte ihren Freunden klarmachen, dass sie ihnen nicht egal sind, nur weil sie plötzlich weniger Zeit haben", sagt Psychologin Bodmer. Manchmal kann es helfen, den Kumpel und die neue Freundin einander kennenlernen zu lassen. So merke er, dass es einem gut mit ihr geht. Versteht er das nicht, dürfe sich der Verliebte die schönen Gefühle aber nicht madigmachen lassen, sagt Stiehler. "Dann muss man lernen, Nein zu sagen und Prioritäten zu setzen", findet Bodmer.

Autor: dpa


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Liebe & Familie