Calexico

NEUE TONTRÄGER: Die pure Berechnung

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 11. Februar 2018

Rock & Pop

Calexico sind die perfekte Band, denn sie treffen die Sehnsucht nach dem amerikanischen Traum und verbinden diese mit einer okayen Weltsicht. Sie spielen live groß auf, sind aber nicht amerikanisch großmäulig. In Europa trifft das den Nerv, wo sie viel größer sind als in ihrer Heimat USA. Pluspunkte gibt es auch für das geschmackssichere Melangieren von Rock und Country mit mexikanischer Kapellenmusik. Ihr achtes Album geht konsequent den Weg weiter, leider in die Sackgasse der Tex-Mex-Hölle. Ihre 15 neuen Songs (als Deluxe-Version noch mal sieben mehr) sind kaum der Rede wert und klingen nach Schema F. Für jeden ist was dabei, bloß die Leidenschaft muss man suchen. Die pure Berechnung. Ein Paradebeispiel dafür ist "End of the World with You" mit dem sie das Album eröffnen. Der Rocksong könnte auch von den späten U2 sein, wobei Bono die bessere Stimme hat, sogar wenn er nervt. Man hört auch einen Alleskönner an der Gitarre (feistes Solo, stotternd, flirrend), aber trotzdem klingt der Song fad – und Joey Burns’ Gesang erinnert an einen Klosterschüler. Nun, Singen war noch nie seine Stärke. Nach dieser Null-Überraschung von Song geht es weiter mit unterschiedlichen Elementen, es geht mit Chaka-Chaka ins Mexikanische, etwas Western ist auch dabei, man lässt sich von den Rolling Stones der 60er Jahre inspirieren und wagt sich an Disko. So sicher wie das Amen in der Kirche wird man einiges aus dem Album live hören.Die Band wird ausgefuchst genug sein, um dabei aus wenig viel zu machen. Die Platte kriegt aber keinen Ehrenplatz. Da fehlt dem Album einfach der Bumms. Pascal Cames
Calexico, The Thread That Keeps Us, City Slang