James Blake

NEUE TONTRÄGER: Überwältigender Weltraum-Pop

Sven Meyer

Von Sven Meyer

So, 20. Januar 2019

Rock & Pop

James Blake brachte, als er vor einem knappen Jahrzehnt die Bildfläche betrat, etwas Neues in den Pop, irgendwo zwischen Radiohead und Bon Iver – experimentelle Klangkonstrukte mit fragilem Falsett-Soul. Schwermut war von Anbeginn sein Markenzeichen, sein letztes Soloalbum "The Colour in Anything" klang jedoch so düster, dass es kaum überraschte, als der 30-jährige Brite im vergangenen Jahr seinen Kampf gegen Depressionen öffentlich machte.

Den Lebensmut scheint Blake nun wiedererlangt zu haben. Für seine Verhältnisse klingt sein viertes Album "Assume Form" in Teilen nahezu beschwingt. So markiert das fein groovende "Can’t Believe the Way We Flow" auf der Blake-Skala ein Allzeit-Hoch an positiver Energie. Wie eine Hymne von einem anderen Stern wirkt das atmosphärisch-energiegeladene "Mile High", bei dem Travis Scott die Rap-Parts liefert. Das fiebrige "Barefoot in the Park", bei dem Blake gemeinsam mit der aufstrebenden Flamenco-Sängerin Rosalia im Duett singt, berührt, während er mit dem Track "Where Is the Catch" gemeinsam mit Rap-Veteran André 3 000 dezent den Dancefloor betritt. Seine ganze Kraft entfaltet dieses vorzügliche Album, wenn es auf guten Kopfhörern gehört wird. Die Soundkonstruktionen, die oft wie aus einer fernen Galaxie klingen, entpuppen sich dann als wahre Monster.
Sven Meyer
James Blake, "Assume Form", Polydor