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29. Januar 2012 12:56 Uhr

Neuenburg

"Die Taucher dürfen nicht die Orientierung verlieren"

Noch immer sind Taucher auf der Suche nach mehr als 20 Vermissten an Bord des vor der italienischen Küste gekenterten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia. BZ-Mitarbeiter Alexander Anlicker sprach mit dem DLRG-Taucher Tobias Haug über die Belastungen für Taucher bei einem solchen Einsatz.

  1. Tobias Haug Foto: Alexander Anlicker

Haug ist Tauchreferent des Bezirks Breisgau der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Der 37-jährige Polizeibeamte ist Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg und ehrenamtlich engagiert als Einsatztaucher im Wasserrettungsdienst.

BZ: Herr Haug, Sie sind Tauchreferent des DLRG-Bezirks Breisgau und selbst Einsatztaucher: Wie gefährlich ist denn die Arbeit der italienischen Marinetaucher, die im Wrack der Costa Concordia nach den Vermissten suchen?

Tobias Haug: Die größte Gefahr, die ich dabei sehe, ist das Tauchen in einem geschlossenen Raum. Bei einem Notfall kann nicht direkt aufgetaucht, sondern es muss die ganze Strecke zurück getaucht werden. Besonders ist sicherlich der Einsatz, der eine Mischung zwischen den Bereichen Tauchen und Höhlenrettung darstellt und dafür gibt es nur sehr wenig ausgebildete Rettungskräfte. Weitere Gefahren für die Taucher gehen von den an Bord befindlichen Chemikalien aus.

BZ: Was macht das Tauchen in einem Schiffswrack so gefährlich?

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Haug: Die Taucher dürfen nicht die Orientierung verlieren, vor allem nicht in einem so großen Schiff wie der Costa Concordia. Hierzu verwenden die Taucher eine bis zu 150 Meter lange Leine, an der sie dann wieder zurück tauchen. Auch müssen sie auf umherschwimmende Einrichtungsgegenstände achten. Aufgrund der Seitenlage des Schiffes öffnen die Taucher auch nach oben liegende Kabinen. Hierbei müssen sie mit herab fallenden Gegenständen rechnen.

BZ: Welchen physischen und psychischen Belastungen ist ein Einsatztaucher bei einem solchen Einsatz ausgesetzt?

Haug: Aufgrund der teilweise schlechten Sichtverhältnisse im Schiff müssen sich die Taucher vorantasten und wissen nicht, was sie als Nächstes ertasten. Belastend ist sicherlich auch die Tatsache, dass die Taucher mit einer gefundenen Leiche noch den ganzen Rückweg durch das Schiff zu absolvieren haben. Die Rettungskräfte werden auch immer die Möglichkeit des weiteren Absinkens des Wracks im Hinterkopf haben.

BZ: Die Suche nach Vermissten in einem gekenterten Schiff ist eher ungewöhnlich. Mit welchen Einsätzen haben DLRG-Taucher normalerweise zu tun?

Haug: Die DLRG Einsatztaucher werden hier in der Gegend gewöhnlich mit der Personensuche in Baggerseen oder im Rhein beauftragt. Auch bei der Absicherung von Veranstaltungen am Rhein oder am Schluchsee werden Taucher herangezogen. Des Weiteren werden die DLRG- Taucher auch für die Kfz-Bergung oder bei der Deichsicherung eingesetzt.

BZ: Welche Voraussetzungen muss man als Einsatztaucher mitbringen und wie anspruchsvoll ist die Ausbildung?

Haug: Wer Einsatztaucher in der DLRG werden möchte, muss körperlich fit sein, eine umfassende Fachausbildung im Wasserrettungsdienst absolvieren und kann dann mit einer zweijährigen Tauchausbildung beginnen. Die Taucher werden schwerpunktmäßig für die Personenrettung und für den Einsatz im Katastrophenschutz ausgebildet. Dazu gehören Ausbildungsabschnitte wie Strömungstauchen, Nachttauchen, arbeiten unter Wasser und tauchen unter Eisflächen. Den Abschluss der Ausbildung bildet dann eine dreitägige und sehr anstrengende Prüfung durch den DLRG Landesverband Baden.

Autor: alx


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