Ein Garten in Rosa, Pink und Lila

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Do, 30. August 2018

Neuenburg

BZ-SERIE DER BESONDERE GARTEN (6):Im Garten von Christine Lehmann in Neuenburg blüht es fast zu jeder Jahreszeit.

NEUENBURG AM RHEIN. In vielen Gärten, Balkonen und Terrassen stecken jede Menge Arbeit, Herzblut und Kreativität. Kleine Paradiese entstehen so, die jedes für sich etwas Besonderes haben – manche sind öffentlich zugänglich, viele bleiben jedoch verborgen. Die BZ stellt in den kommenden Wochen einige dieser grünen Oasen vor. Heute geht es in den Garten von der Familie Lehmann in Neuenburg.

Der wunderschöne Garten von Familie Lehmann in Neuenburg umschließt das freistehende Einfamilienhaus und hüllt es von allen vier Seiten in ein Blumenmeer, das in jeder Himmelsrichtung anders gestaltet ist. Betritt man durch den Carportbereich, wo zwei Kaninchen in einem Auslaufgehege umherhoppeln, den Vorgarten, der nach Norden ausgerichtet ist, fällt der Blick sofort auf die riesigen blühenden Hortensienbüsche, die allein durch ihre Größe beeindrucken. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen lädt gegenüber dem Hauseingang zum Platznehmen ein. Dahinter wird das Grundstück durch eine Hecke, die in Wellenform gehalten ist, zum Nachbarn abgegrenzt.

Die Sitzecke steht auf einem Rondell aus Pflastersteinen. Alten Pflastersteinen, wie Christine Lehmann verrät, denn sie waren zuvor auf dem Kasernengelände in Müllheim verbaut und wurden sozusagen in Neuenburg im Garten von Familie Lehmann recycelt. Da es viel mehr waren, als für den Sitzplatz notwendig, wurden sie auch für die Terrasse verwendet, was eigentlich zuvor anders geplant war. Auch kleine, kugelige Buchsbäume finden sich im Vorgartenbereich neben der Sitzgelegenheit. Und sie sehen erstaunlich grün aus. Gibt es im Garten der Lehmanns keinen Buchsbaumzünsler? "Doch, den gibt es auch hier", bedauert die Hobbygärtnerin. Im Frühjahr aber las sie in einer Gartenzeitschrift, dass sich Buchsbaumzünsler mit Algenkalk in Schach halten lassen. Gleich nach dem Lesen bestellte sie ihn im Gartencenter – allerdings war sie offenbar nicht die Einzige, die den Artikel über den Algenkalk gelesen hatte; die Wartezeit war ordentlich lang. Im Frühjahr schien der Algenkalk tatsächlich gut zu wirken, aber zum Sommer hin ließ die Wirkung dann doch zu wünschen übrig. Die chemische Keule musste her.

Setzt man den Weg fort, am rosenüberwucherten Gartenhäuschen vorbei, biegt man um die Hausecke und betritt im Osten des Hauses den Gemüsegarten. Paprika wachsen in einem Hochbeet vor sich hin und nebenan stehen die Tomaten regengeschützt unter einem Dach. Auch ein paar gelbe Sommerblüher befinden sich hier. Sie dienen als Schnittblumen für die Blumenvasen, die im Haus auf jedem Tisch zu finden sind. Ansonsten ist der ganze Garten in Weiß, Rosa- und Lila-Tönen gehalten, die sich gegenseitig wunderbar ergänzen, sei es bei den Rosen, dem Zierlauch oder dem Schmetterlingsflieder. Weiter führt der Weg ums Haus herum auf die Rasenfläche, die sich kurvend und windend wie ein Fluss zwischen die bunten Blumenbeete einfügt. Auf der Südwestseite des Hauses befindet sich die Terrasse, die eingerahmt wird von kleinen Blumeninseln und passender Gartendeko. Begrenzt zur Straße hin wird das Grundstück durch einen Erdwall, der sich wie das Meer in auf- und absteigenden Wellen an der Straße entlang erstreckt. Auf dem Erdwall finden sich die unterschiedlichsten Sträucher, während sich zu beiden Seiten, zum Garten wie zur Straße hin, Staudengewächse erstrecken und die Erde ganz und gar bedecken. Zu fast jeder Jahreszeit blüht etwas, so dass man das ganze Jahr über seine Freude hat, wenn man aus dem Fenster hinaus in den Garten sieht – oder am Garten vorbeikommt.

Dieser war nicht von Anfang an in dieser Art angelegt. "Man lernt ständig dazu", weiß die Neuenburgerin mit dem grünen Daumen, die ihren Garten komplett selbst geplant und angelegt hat. Die Gartenbaubetriebe waren ihr schlichtweg zu teuer. Zu Beginn war der Garten so bepflanzt, dass er nicht ohne tägliches Gießen auskam. "Wir wollten uns aber nicht zum Sklaven unseres Gartens machen", erinnert sich Christine Lehmann. Sie ließ es drauf ankommen und setzte mit dem Gießen aus. Was zu Saisonende eingegangen war, wurde durch das ersetzt, was überlebt hatte. Und was sie zu viel Arbeit kostet oder nervt, fliegt kurzerhand raus und wird ersetzt durch etwas Pflegeleichteres.

Trotzdem gibt es immer etwas zu tun: Pflanzen müssen zurückgeschnitten, die Hecke zum Nachbarn muss in Form gehalten, Abgestorbenes und Verblühtes entfernt werden. Das Resultat ist ein wunderschöner Garten, der zu jeder Jahreszeit einen tollen Anblick bietet. Der immer genug Blühendes produziert, um kleine Gartensträuße auch im Haus aufzustellen und der frisches Gemüse für den täglichen Bedarf bereithält. Was an Gartenabfällen anfällt, landet entweder auf dem zweigeteilten Kompost, der sich im Gemüsegarten befindet und von einer ausladenden Zucchinipflanze bewachsen ist, oder wird an die Kaninchen verfüttert. Von Christine Lehmanns Erfahrung kann man profitieren und sich maßgeschneiderte Pflanzpläne erstellen lassen oder sie mit der Gartenplanung beauftragen.