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26. März 2010
Ein kabarettistisches Multitalent
Florian Schroeder glänzt im Neuenburger Stadthaus mit Solo-Programm "Du willst es doch auch".
NEUENBURG AM RHEIN. Einen besseren Abschluss für das Gutedelgesellschaft-Abonnement 2009/10 hätte sich das Publikum im Neuenburger Stadthaus nicht wünschen können. Mit seinem zweiten Solo-Programm "Du willst es doch auch" bewies Florian Schroeder eindrucksvoll, dass Kabarett kein Auslaufmodell ist und dass es auch junge Unterhaltungskünstler gibt, die mehr können als Comedy; nämlich kluge Unterhaltung mit feinsinnigem Humor, scharfzüngigen Pointen und treffsicheren Parodien.
Und dass Schroeder nicht nur ein Könner ist, sondern geradezu ein kabarettistisches Multitalent wird dem Publikum schnell klar. Rastlos und wild gestikulierend tigert das Energiebündel über die Bühne und prescht in einem geradezu funkenstiebenden Parforceritt durch die Tagespolitik. Denn Aktualität erwartete das Publikum schließlich von der "Dienstleistung Kabarett". Und diese Erwartung erfüllt der Dreißigjährige nur zu gern. Nicht nur weil der Fernsehmeteorologe Jörg Kachelmann gerade ein gefundenes Fressen, sondern die Politik seit der Regierungsübernahme durch Schwarz-Gelb "ein kabarettistischer Traum" ist.
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Guido Westerwelle bekommt so manche verbale Ohrfeige ab, darf aber die Rolle des "Politik-Deppen" dennoch abgeben. Mit Oettinger, dem "ghostdriver of the English language" und "Germany’s next Stoiber" ist schnell ein Nachfolger gefunden. Geschont werden auch Westerwelles Kabinettskollegen und die Opposition nicht. Angesichts der SPD-Doppelspitze Sigmar Gabriel und Andrea Nahles frohlockt Schroeder "Dick und Doof sind wieder da" und unkt "alle zwei Jahre kommt eh Münte zurück". Doch egal ob er den Oettinger, Schäuble, Angela Merkel, die "Perle der Uckermark" oder Roland Koch , den "Berlusconi vom Main" gibt, seine Parodien sind in Duktus und Habitus so treffend und präzise, dass der Saal angesichts seiner boshaften und gnadenlosen Übertreibungen nicht selten wiehert vor Lachen.
Schröder demonstriert aber auch, dass insbesondere Oettinger und Stoiber der stark konturierten Überzeichnung des Kabarettisten gar nicht bedürfen. Dazu lässt er einfach die Politiker sprechen. Und zwar im Originalton. Denn besser als Stoiber selbst mit seiner Rede zum Transrapid oder Oettinger mit seinem selbst auf Deutsch nicht zu verstehenden Schwadronieren – zu welchem Thema doch gleich? – kann auch Schroeder nicht beweisen, wie absurd die Welt der Politik geworden ist. Da braucht es den Kabarettisten gar nicht, dass dem Zuschauer das Lachen vergeht und er sich fragt: Wie konnte es nur so weit kommen? Darauf hat auch Schroeder keine Antwort. Dafür wagt sich der Jungspund rotzfrech an seine großen Kollegen und führt bei seiner fingierten Folge von "Ottis Schlachthof", blitzschnell von einer Rolle in die nächste schlüpfend, von Busse bis Richling alle vor.
Akribisch und zynisch zeichnet er hingegen ein düsteres Porträt der Generation IMM (Irgendwas mit Medien). Sie hat zwar den Bachelor in der Tasche, aber ohne die Fähigkeit selbstständig zu denken, fristet sie ihr Dasein mit Handy, Laptop und einer Latte im Café mit dem Gefühl, nirgendwo gebraucht zu werden.
Als Vertreter dieser Generation vertritt Florian Schroeder ein frisches, freches und junges Kabarett und bringt so etwas Licht in die Düsternis. Wenn auch nur als neuer, strahlender Stern am deutschen Kabaretthimmel.
Autor: Martina Faller
