Gebrechen, Schrulligkeiten und frühzeitiges Ableben

Alexander Anlicker

Von Alexander Anlicker

Mo, 19. November 2018

Neuenburg

Markgräfler Lachbühne feierte mit Kriminalkomödie Premiere.

NEUENBURG AM RHEIN. Es war unbestritten der lustigste Höhepunkt des Krimiherbstes in der Zähringerstadt Neuenburg. Mit dem Stück "Doppelmord im Altersheim" verübte die Markgräfler Lachbühne ein regelrechtes Attentat auf die Lachmuskeln – zumindest wurden jene bei der Premiere am Samstagabend arg strapaziert.

Die Nerven der Akteure waren angespannt, immerhin kamen 500 Besucher zur ausverkauften Premiere ins Stadthaus, fast doppelt so viele, wie – allerdings bei anderer Bestuhlung – bei den Aufführungen ins angestammte katholische Gemeindehaus St. Bernhard passen. Mit "Doppelmord im Altersheim" sei passend zu den Krimitagen eine Kriminalkomödie ausgesucht worden, sagte Regisseur Peter Steinbeck bei der Begrüßung des Publikums. Die Betonung lag dabei auf Komödie. Steinbeck hatte das Stück aus der Feder von Jürgen Hörner einmal mehr auf die einzelnen Akteure angepasst. Herausgekommen ist ein lustiges Stück voller schwarzem Humor, bei dem nicht gerade zimperlich mit den Gebrechen, Schrulligkeiten und dem bevorstehenden Ableben der Bewohner des Seniorenstifts "Waldfried" umgegangen wird. Die Zuhörer im großen Saal wurden knapp drei Stunden lang gut unterhalten.

Wo ist eigentlich Herr Poltermann? Die Reaktion der Heimbewohner auf die in den Aufenthaltsraum des Seniorenstifts geworfene Frage macht deutlich: Den unangenehmen Zeitgenossen vermisst niemand. Kurz darauf kommt die Nachricht, dass der unbeliebte Mitbewohner ermordet wurde. Dies ruft Hauptkommissar Isodor Riegele (Roland Kappeler) und seine so übereifrige wie unterbelichtete Praktikantin Julia Häppchen (Damaris Zindler) auf den Plan.

Das in der Mülltonne gefundene Notizbuch des Mordopfers macht klar, viele hätten ein Motiv gehabt. Den jeder hat ein Geheimnis, dem der Verstorbene auf die Schliche kam.

Etwa Cornelius Freiherr von Jause-Höllburger (Bernd Merle) als nicht ganz so echter Adliger oder Balthasar Morgenwüst (Stefan Scheidt), der sich die Zeit mit Doktorspielen vertreibt. Beide sind gesundheitlich nicht auf der Höhe, so war beispielsweise auch das ständige Zittern eine große Herausforderung und körperlich anstrengend für die Darsteller. Ein Geheimnis verbirgt auch die ordnungsliebende Ex-Politesse Lukrezia Frühbeiß (Beate Berger), die vom Fenster aus Jagd auf Parksünder macht. Zum Personal mit Heimleiterin Asta Krätzig (Manuela Obermeier), Pflegedienstleiterin Anja Pfaffelhuber (Anja Hamburger) und der Pflegeschülerin Anika Rehmüller (Alicia Scheidt) gesellt sich der Bestatter Viktor Fröhlich (Alfons Klingele) als Dauergast in den Aufenthaltsraum.

Letzter ist stets auf der Suche nach neuer Kundschaft: "Wenn Sie nit ins Gras bisse? Sie mehn sich no nit emol bucke, sie kenne eifach d’Zähn useneh!" Vor allem mit den Werbeslogans sorgt der Bestatter für Lacher im Publikum, wenn er beispielsweise Urnen und Särge mit den Worten "Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause" oder "Bei uns liegen Sie richtig" anpreist. Für Lacher sorgten aber auch die anderen Akteure auf der Bühne, allen voran Beate Berger als grantige Ex-Politesse und Damaris Zindler, die im Übereifer nicht nur die Personalien der Verdächtigen, sondern auch der Spurensicherung aufnimmt. Noch während der Ermittlungen geschieht ein zweiter Mord.

Wer wissen will, wer der Täter ist, hat noch Gelegenheit, es rauszufinden. Die Aufführung am kommenden Freitag in der Blansinger Wolferhalle ist ausverkauft, aber für die Aufführung am Samstag, 1. Dezember, 20 Uhr, in der Hügelheimer Festhalle sind noch Karten zu zwölf Euro erhältlich. Vorverkauf in der Müllheimer Buchhandlung Beidek.

Die Markgräfler Lachbühne spielt übrigens für einen guten Zweck. In diesem Jahr wurden unter anderem zwei vierstellige Beträge nach Indonesien geschickt um Erdbebenopfern zu helfen. Ebenso unterstützt wurde das Haus Engels in Hertingen.