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21. Juli 2010

Jamhouse – ein großes Bettenlager

Das Jugendkulturfestival "K-FE" in Neuenburg wird von einer international zusammengesetzten Jugendgruppe unterstützt.

  1. Die Teilnehmer des internationalen Workcamps mit Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster. Foto: Alexander Anlicker

NEUENBURG AM RHEIN. Im Jugendkulturzentrum Jamhouse sieht es derzeit aus wie in einer Notunterkunft. Auf Feldbetten des Roten Kreuzes, ausgestattet mit Bettwäsche eines örtlichen Hotels, wurde hier ein Dutzend Jugendlicher und junger Erwachsener einquartiert. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer aus Algerien, Georgien, Finnland Frankreich, Russland, Spanien und Deutschland unterstützen das Jugendkulturfestival "K-FE".

Das Jugendkulturfestival findet am Freitag und Samstag, 23. und 24. Juli, in Neuenburg auf der so genannten Panzerplatte am Rheinufer im Rahmen der baden-württembergischen Heimattage statt. Es ist das erste internationale Jugendcamp des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) in der Zähringerstatt. Die Jugendlichen haben sich das Jugendkulturfestival als Projekt ausgesucht, um tatkräftig mitanzupacken. Zunächst helfen alle beim Aufbau von Bühne und Technik mit. Am Festivalwochenende werden die jungen Leute dann in unterschiedlichen Bereichen tätig sein: Sie helfen beim Umbau auf der Bühne, beim Catering oder sind als Ordner im Einsatz. Außerdem bauen die Jugendlichen einen Soccer-Käfig. Insgesamt 14 Tage verbringen die jungen Leute in Neuenburg am Rhein.

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Eine der Säulen des Internationalen Jugendcamps ist das Prinzip der Selbstorganisation, erklärt Uta Hoyer, die das Camp gemeinsam mit Imad Cheikh leitet. Die Jugendlichen kaufen gemeinschaftlich ein und bereiten das Essen gemeinschaftlich zu, sagt Hoyer. "Ich denke es ist gut, wenn man neue Kulturen und Menschen aus andern Ländern kennen lernt", erklärt Imad. Der 29-jährige hat Wirtschafts- und Finanzwissenschaften in Algier studiert und nimmt bereits zum elften Mal an einem internationalen Jugendcamp teil. Seit 2007 ist er als Teamer mit dabei. Die Aufgaben bei den Camps sind vielfältig, berichtet er von seinen bisherigen Tätigkeiten im Umweltschutz und in der Kinderbetreuung.

Die Organisation eines Festivals ist eine neue Herausforderung für ihn. "Ich finde es interessant, Leute aus anderen Ländern kennenzulernen", sagt Fritz, der ebenfalls aus Algerien stammt. "Ich wollte durch Deutschland reisen, ein Freund hat mir ein Workcamp empfohlen", sagt Veera aus Finnland, die im Anschluss an das Camp noch ein paar Tage in Deutschland bleiben will. "Ich mag das Leben hier im Lager und mit anderen Menschen zu diskutieren", erklärt Igor, der in Moskau Germanistik studiert. Er hat bei der Anreise die rund 3000 Kilometer von Moskau nach Neuenburg mit dem Auto zurückgelegt. Die Französin Coline hat sich für das Jugendcamp in Neuenburg entschieden, weil sie die Aufgabe reizte, bei der Organisation eines Festivals mitzuarbeiten.

Begeistert vom freiwilligen Engagement der Jugendlichen zeigt sich Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster. Das internationale Jugendcamp sei eine tolle Geschichte, daher fördere die Stadt das Projekt gerne. Es passe zum international aufgestellten Dreiländereck, meinte Schuster. "Ich kann mir gut vorstellen, weiter solche Projekte zu machen", erklärt der Bürgermeister.

In einem Workcamp treffen sich junge Leute aus den verschiedensten Ländern und Kulturen der Welt, um gemeinsam zwei bis vier Wochen zusammen zu leben und sich für ein sinnvolles Projekt zu engagieren. Die Teilnehmer setzen ihre Arbeitskraft für ein gemeinnütziges Projekt ein, wofür sie keinen Arbeitslohn, jedoch freie Unterkunft und Verpflegung erhalten.

Im Jahr 1948 organisierte eine Schülerinitiative aus Hannover die ersten Workcamps, die damals noch Lager hießen. Ziel war es: "Durch kleine internationale Gruppen Freiwilliger, die zusammen leben, arbeiten und lernen, Frieden aufzubauen und zu erhalten."

Aus dieser Initiative sind ein Jahr später die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) entstanden. Die Workcamps basieren auf sechs Säulen: interkulturelles Lernen, Freiwilligenarbeit, Selbstorganisation, soziales Lernen, Emanzipation der Geschlechter und ökologisches Lernen.

Autor: Alexander Anlicker