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10. Februar 2012
Kaltstart für Marktleute
Neuenburger Wochenmarkt am neuen Standort: Kälte hält Beschicker und Kunden fern.
NEUENBURG AM RHEIN. Heizstrahler verhindern, dass die Äpfel erfrieren und die Salatköpfe im Frost zusammen fallen; ein Folienvorhang vorm Stand schützt Verkäufer und Kunden vor Minusgraden: Wer in diesen Tagen den Wochenmarkt in Neuenburg besucht, erkennt sofort die erschwerten Bedingungen, die das aktuelle Wetter mit sich bringt. Dabei wurde der Markt gerade erst vom Markt- auf den Rathausplatz verlegt – für mehr Laufkundschaft. Doch von der ist in der Eiseskälte wenig zu sehen. Und auch viele Beschicker blieben dem Rathausplatz bislang fern.
Nur Karlheinz Schmidt von "Schmidt’s Bauernladen" in Zienken hat seinen Obst- und Gemüsestand auf dem Rathausplatz aufgebaut, einige Meter weiter steht der Verkaufswagen der Metzgerei Weber aus Grißheim. Ansonsten herrscht Leere auf dem Platz. Ein paar Frauen, die meisten schon etwas älter, kaufen trotzdem ein, erst bei Schmidts, dann bei Webers. Richtig viel los ist aber nicht.Normalerweise seien mehr Stände auf dem Wochenmarkt, sagt Karlheinz Schmidt. Auch er habe auf einen größeren Stand verzichtet, sein Angebot reduziert. Pech für den Umzug vom Platz vorm Stadthaus auf den vors Rathaus: Gleich am ersten Tag, am 1. Februar, war es kalt – "ein frostiger Start", sagt Schmidt, dessen Kundschaft trotzdem kommt. So wie er: "Wir probieren’s halt mal hier", heißt seine Devise. Weil andere Beschicker dem Markt fern geblieben sind, die Konkurrenz also fehlt, kommt Schmidt auf genug Kunden, damit der Umsatz stimmt. Und ihm wird auch nicht allzu kalt: "Wenn Betrieb ist, kann man sich warm arbeiten."
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Es waren die Marktbeschicker selbst, die mehrheitlich die Verlegung des Wochenmarkts wollten: Weil der Rathausplatz zentraler liegt und den einen oder anderen Kunden zusätzlich anziehen könnte. Deshalb lässt die Stadtverwaltung (wie berichtet) den neuen Standort für ein halbes Jahr testen. Fällt die Bilanz positiv aus, soll der Markt dort bleiben. Immerhin wurde der Platz vorm Rathaus schon früher als Marktplatz genutzt. Dann wurde das Rathaus umgebaut – und die Marktleute mussten weichen.
Eine der Kundinnen von Karlheinz Schmidt gibt zu, dass sie sich erst noch dran gewöhnen müsse, dass der Wochenmarkt nun woanders ist. "Hinten", auf dem Platz vorm Stadthaus, sei der Weg für sie kürzer gewesen. Aber sie kommt trotzdem – "weil man halt auf den Markt geht", wie sie sagt. Davon lässt sie sich auch nicht von der Kälte abhalten.
Der Weg zum Verkaufswagen der Metzgerei Weber ist zwar kurz, aber wetterbedingt rutschig, Vorsicht ist angesagt. "Die Kunden schimpfen wegen der Glätte", sagt Doris Weber: Sie ist den ersten Tag auf dem verlegten Markt und weiß noch nicht so recht, ob weniger Stammkunden kommen als sonst, weil viele den neuen Standort noch nicht kennen, oder weil es ihnen zu kalt ist. Begeistert wirkt Doris Weber nicht, dass der Wagen mit den Wurst- und Fleischwaren nun woanders steht: "Der Marktplatz ist der Marktplatz – deshalb heißt der ja so." Der Platz vorm Stadthaus sei besser anzufahren, und es gebe mehr Parkplätze für die Kunden. "Die Leute schätzen es, wenn sie einfach hinfahren und einkaufen können."
Ihr Mann Wolfgang Weber sagt, er sei auf dem Marktplatz zufrieden gewesen, der Wochenmarkt sei dort angenommen worden – er hätte ihn daher nicht verlegt. Aber da die Stadt es nun mal so entschieden habe, mache er am neuen Standort weiter wie bisher: "Um meine Kunden zufrieden zu stellen", erklärt Weber.
Autor: Andrea Drescher
