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30. März 2010
Musikalisches Heimspiel
Die Sopranistin Claudia Kienzler erntet für ihr Konzert im Neuenburger Stadthaus tosenden Applaus.
NEUENBURG AM RHEIN. Vor zwei Tagen stand Claudia Kienzler noch bei einer Uraufführung auf der Bühne, und diese Woche hat die junge Sopranistin fünf Vorstellungen im Mannheimer Nationaltheater zu bestreiten. Für ihr Neuenburger Publikum nimmt sich die gebürtige Neuenburgerin dennoch Zeit.
Bei vielen Gelegenheiten kommt sie ins Markgräflerland, übernimmt Solopartien bei Chor- und Kirchenkonzerten, wirkt bei Konzertreihen und Operngalas mit und gestaltet alle zwei Jahre einen eigenen Konzertabend im Neuenburger Stadthaus. "Ich gebe auf die Art etwas zurück an die Stadt", sagte Claudia Kienzler jetzt im Anschluss an ihr nahezu ausverkauftes Konzert im Neuenburger Stadthaus. Denn nicht nur während des Studiums an der Musikhochschule in Freiburg hat die Stadt die Künstlerin unterstützt, auch seit ihrem Abschluss im Sommer 2006 wird ihr hier immer wieder eine Plattform geboten, ihre Soloprogramme auszuprobieren. Dass ihr neues Programm funktioniert, daran ließ das Publikum im Neuenburger Stadthaus keinen Zweifel. Um dem Publikum "mal etwas Anderes zu bieten" widmete sich Claudia Kienzler in der ersten Programmhälfte ganz dem Kunstlied. Den Auftakt machte Robert Schumanns Vertonung der Gedichte von Adelbert von Chamisso. Wozu eine Oper drei Stunden braucht, das gelingt den Liedern von Schumann in weniger als einer halben Stunde: Er entwirft ein ganzes Frauenleben, von der ersten mädchenhaften Regung der Liebe bis zum Tod des geliebten Ehemanns.Werbung
Und Claudia Kienzler beherrscht all die Tonarten der Liebe, die Schumann in Töne gesetzt hat. Lyrisch eindringlich und mit klarem Timbre macht sie, von Zsolt Lendvai gewohnt uneigennützig, präzise und einfühlsam am Flügel begleitet, die schwärmerische erste Liebe genauso hörbar wie die schmerzvolle Trauer um ihren Verlust. Hohe Intonationssicherheit und Ausdrucksstärke beweist Claudia Kienzler auch bei den drei Liedern von Richard Strauss, so dass es nach der triumphalen Wendung am Schluss der "Zueignung" für das Publikum kein Halten mehr gibt. Tosender Applaus und Bravo-Rufe geleiten die junge Künstlerin in die Pause. Mit Perlen aus der Oper wurde das Programm im zweiten Teil fortgesetzt. Und hier konnte Claudia Kienzler ihre imposante Stimme und ihren großartigen Sinn für dramatische Effekte hervorragend zur Geltung bringen. Temperamentvoll und höhensicher gelang ihr die Arie "Come scoglio" aus Mozarts "Cosi fan tutte". Berückend schön gestaltete sie die Arie der Líu aus Puccinis "Turandot", authentisch, zart und zerbrechlich gab sie die Mimi aus "La Bohème", und die Rusalka schien Claudia Kienzler geradezu wie auf den Leib geschrieben, so anmutig und eindringlich interpretierte sie deren Arie aus der gleichnamigen Oper von Antonin Dvoràk.
Spritzig und elegant mit der Juwelenarie aus Gounods Oper "Faust" beendete Claudia Kienzler ihr beeindruckendes Heimspiel. Strahlend, Handküsschen werfend und sichtbar gerührt über die Anerkennung, die ihr als tosender Applaus aus den Zuschauerreihen entgegenschlug, verabschiedete sie sich mit einer Zugabe aus Neuenburg. Und das nächste Konzert im Stadthaus ist, wie sie anschließend sagte, "auch schon gebongt".
Autor: Martina Faller
