Naturidylle und Rennstrecke zugleich

Andrea Drescher

Von Andrea Drescher

Sa, 28. Januar 2012

Neuenburg

Untersuchung bestätigt, dass die Rennen des Stock-Car-Clubs der Tier- und Pflanzenwelt auf dem Neuenburger Areal nicht schaden.

NEUENBURG AM RHEIN. Es kreucht und fleucht, grünt und blüht, flattert und zwitschert in Neuenburg – auf dem Vereinsgelände des Südring Stock-Car-Clubs. Ausgerechnet dort, wo ein- bis zweimal im Jahr Motorsportrennen gefahren werden, fühlen sich Tiere und Pflanzen wohl – so wohl, dass dort sogar bedrohte Arten heimisch sind. Dies ergab das jüngste Monitoring, eine Überwachung der Auswirkungen auf Flora und Fauna, die jetzt im gemeinderätlichen Ausschuss für Umwelt und Technik vorgestellt wurde.

Nicht nur Diplomingenieurin Sabine Gilcher vom Landschaftsplanungsbüro Gaede und Gilcher aus Freiburg war beeindruckt von dem Ergebnis der Untersuchung durch eine Zoologin im vergangenen Jahr. Auch die Ratsmitglieder freuten sich sichtlich, als Gilcher nach dem Vergleich mit dem vorherigen Monitoring von 2006 und den ersten Begehungen von 1995 und 2003 zu dem Fazit kam, dass die damals vorgeschlagenen Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen vom Verein nicht nur bestens befolgt worden sind, sondern dass sie sich auch ausgezahlt haben – zugunsten der Natur.

Gilchers Fazit: Das Gelände sei in einem günstigeren Zustand als zu Beginn der naturschutzrechtlichen Beobachtungen, und es spreche nichts gegen die Stock-Car-Rennen. Mit einer Einschränkung, die bisher schon galt: Die Veranstaltungen dürfen nicht vor dem 25. August stattfinden, besser noch wäre Mitte September, sagte Sabine Gilcher, weil dann keine Vögel mehr während der Brut vom Motorlärm gestört und keine Heuschreckenlarven von Zuschauer zertreten werden können. Und auch die Orchideen sind um diese Jahreszeit längst verblüht.

Das Monitoring hat der Stock-Car-Club selbst in Auftrag gegeben – eine Auflage der Naturschutzbehörde. Eigentlich hätte die Untersuchung schon 2010 laufen sollen, weil der Pachtvertrag zum 31. Mai 2011 ausgelaufen ist. Und für die Verlängerung hätten Monitoring-Ergebnisse vorliegen müssen. So wurde er zunächst einmal nur bis Ende 2011 verlängert.

Dank der positiven Einschätzung des Monitorings dürfte einer weiteren Verlängerung nichts im Weg stehen, doch muss der Verein künftig ein paar Dinge mehr beachten. Die Schafe eines Vereinsmitglieds, die auf dem Areal weiden, dürfen dies in trockenen Jahren nicht mehr tun. Und die Grünflächen sollen vor den Rennen auch nicht mehr komplett abgemäht werden. Ein Vorschlag des Vereins kam bei Gilcher und dem Ausschuss indes besonders gut an: Freiwillig wollen die Stock-Car-Leute ihre Strecken verlegen, damit die gefährdeten Kreuzkröten weiterhin in den aus Fahrspuren entstandenen Tümpeln laichen können.

Für die Betreuung des Geländes gab es nicht nur Lob von Sabine Gilcher, sondern auch von Bürgermeister Joachim Schuster. Wie sich der Motorsportverein dieser Aufgabe annehme, sei ein tolles Beispiel, wie man über Kompromisse Naturschutz und Rennsport unter einen Hut kriegen kann. Dass sie anfangs daran Zweifel hatte, gab Sabine Gilcher offen zu. "Aber es funktioniert!", sagt sie nun.

Club-Schatzmeister Klaus Heilemann ist zuversichtlich, dass mit diesen Ergebnissen des Monitorings der Pachtvertrag verlängert wird. Es fehle nur noch die Zustimmung der Naturschutzbehörde im Landratsamt. Heilemann zufolge hat die Untersuchung den Verein 5700 Euro gekostet, von der Stadt habe es einen Zuschuss gegeben. Auch Neuenburg hat etwas von der Verlängerung des Pachtvertrags, denn neben der Pacht fließen durch die Rennen 20 Prozent der Eintritterlöse und vier Prozent aus dem Bewirtungsumsatz an die Stadt, wie Klaus Heilemann erläutert. In der Summe seien dies rund 2000 bis 5000 Euro pro Jahr.