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18. Februar 2015 15:29 Uhr

Tierschutz

Neuenburger Fuchs wurde nach mehreren Wochen gefangen

Er wurde gefüttert und mit Silvesterböllern gejagt – jetzt wurde der Fuchs, der in Neuenburg Kontakt zu Menschen suchte, gefangen und in eine Auffangstation gebracht.

  1. Weil er von Menschen aufgezogen wurde, kann der Fuchs aus Neuenburg nun nicht mehr ausgewildert werden. Foto: Anja Roth

Der Fuchs, der in Neuenburg für viel Aufregung gesorgt hat, ist in Sicherheit. Tierschützer, Jäger und die Stadtverwaltung atmen auf. Allen voran Anja Roth, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Markgräflerland. Über viele Wochen war sie im Stadtgebiet unterwegs, um das Tier, das vermutlich von Menschen aufgezogen wurde, einzufangen.

Anja Roth hat Informationen, die vermuten lassen, dass der Fuchs von einer Frau aus der Nähe von Kandern als Baby gefunden und von ihr und deren Hund aufgezogen wurde. Aus welchen Gründen auch immer, habe die Frau das Wildtier vor drei Wochen abgeholt und nach wenigen Tagen erneut ausgesetzt, mutmaßt Anja Roth. Das zahme Tier habe aus Gewohnheit die Nähe zu Menschen, vor allem zu Menschen mit Hunden gesucht, anfangs in Steinenstadt und ab Weihnachten auch in der Kernstadt. Nachdem der Fuchs beinahe täglich gesehen wurde war klar, dass das Tier schnellstens gefangen werden müsse, erzählt Roth.

Dafür hat der Tierschutzverein Markgräflerland eine geeignete Lebendfalle für 800 Euro angeschafft. Doch die an vielen Stellen – "durch falsch verstandene Tierliebe und Unwissenheit" – aufgestellten Teller mit Katzenfutter und Lebensmittelabfällen haben die Einfangaktionen erschwert. Der schlaue Kerl habe seine Freiheit weder für Brathähnchen noch für Katzenfutter freiwillig aufgegeben, berichtet die Tierschützerin. Letztendlich habe eine Hundehalterin den Fuchs angelockt und, während er mit ihrem Hund spielte, in eine Hundebox gesperrt, berichtet Anja Roth.

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Roth wurde am Telefon sogar beschimpft

Entsetzt habe sie die Hysterie einiger Bürger, die den armen Fuchs mit Eisenstangen attackiert und mit Silvesterknallern gejagt hätten. An machen Tagen seien bis zu 40 Anrufe von besorgten oder verärgerten Bürgern bei ihr eingegangen, ein Anrufer habe sie sogar übel beschimpft. Das sei eine Zumutung für eine ehrenamtlich tätige Tierschützerin, moniert Anja Roth. Sehr gut gelaufen sei jedoch die Zusammenarbeit zwischen dem Tierschutzverein, der Stadt und dem zuständigen Jäger Späth, lobt sie. Der Fuchs sei ein armes Wesen, das einfach nur Anschluss an sein gewohntes Umfeld gesucht habe. Dass die angeblichen Sachbeschädigungen, die dem Fuchs unterstellt wurden, auf das Konto des eigentlich scheuen Wildtieres gehen könnten, hält Roth derweil für abwegig.

Roth ist davon überzeugt, dass sich die Menschen daran gewöhnen werden müssen, Füchsen mitten in der Stadt zu begegnen. "Es könnten weitere Wildtiere kommen", mutmaßt die Tierschützerin. Durch die massiven Abholzungen im Rheinwald – für Firmenansiedlungen und für die Landesgartenschau – hätten viele Wildtiere, wie Füchse, Rehe, Hasen und Wildschweine, ihren natürlichen Lebensraum verloren und würden deshalb verstärkt in Wohngebieten auf Nahrungssuche gehen. "Vielleicht müssen sich die Neuenburger auf Zustände wie in Berlin einstellen", sagt Roth.

Der Fuchs kann nicht mehr ausgewildert werden

Wie es für den eingefangene Fuchs weitergeht? Vorübergehend ist er in einer Auffangstation der Tierhilfe Oberrhein untergebracht und soll in ein für Füchse geeignetes Wildtiergehege umziehen. Ausgewildert werden könne das Tier aufgrund der Handaufzucht leider nicht mehr. Nicht nur die Unterbringung kostet viel Geld, sondern auch die Untersuchung durch einen Tierarzt und die für eine stationäre Aufnahme notwendigen Impfungen.

Der Tierschutzverein Markgräflerland bittet deshalb um Spenden. Die Vorsitzende sagt: "Schön wäre, wenn jeder, der den Fuchs malträtiert oder ständig angerufen hat, fünf Euro überweist."

Auch wenn es Tiere, die an Menschen gewöhnt sind, in der freien Wildbahn schwer haben: Verboten ist es nicht, wilde Tiere bei sich aufzunehmen. "Prinzipiell gibt es keine allgemeine Vorgabe, aber die dringende Empfehlung Jäger oder Veterinärämter zu fragen", informiert Matthias Fetterer, Sprecher des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald.

Tierschutzverein Markgräflerland: Wer den Verein entlasten und dem in Neuenburg eingefangenen Fuchs helfen will, kann dies durch Spenden an den Tierschutzverein tun, Sparkasse Markgräflerland, BLZ 68351865, Konto 8100158, Stichwort Fuchs.


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Autor: Sigrid Umiger