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07. September 2010

Offen für Abgänger aller Schulen

BZ-INTERVIEW mit Hans-Dieter Schmid, Azubi-Ausbilder bei der Firma Freudenberg in Neuenburg.

  1. Auszubildende mit Ausbilder Hans-Dieter Schmid (links) in der Lehrwerkstatt der Freudenberg-Service KG in Neuenburg: neun Berufe werden hier ausgebildet - auch für andere Firmen Foto: Andrea Drescher

NEUENBURG AM RHEIN. Seit 160 Jahren gibt es die Firma Freudenberg in Weinheim. Seit 40 Jahren hat sie auch einen Standort in Neuenburg. Und fast genauso lange schon ist hier Ausbildungsleiter Hans-Dieter Schmid für die Auszubildenden zuständig. Mit zwei Tagen der offenen Tür will Freudenberg-Service "Abteilung Ausbildung" am 24. und 25. September die 40 Jahre in Neuenburg feiern – und dabei Ausbildungsplatzsuchenden, Schulklassen und interessierten Bürgern Einblicke in ihr Ausbildungszentrum ermöglichen, wie Hans-Dieter Schmid im Gespräch mit Andrea Drescher erklärte.

BZ: Sie bilden seit 38 Jahren für Freudenberg Lehrlinge aus. Wie viele sind in dieser Zeit unter Ihren Fittichen gewesen?

Schmid: Freudenberg hat in Neuenburg von Anfang ausgebildet, bis heute fast 400 junge Menschen. Heute kann man bei Freudenberg neun Berufe erlernen.

BZ: Welche sind das?

Schmid: Die Metallberufe wie Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Zerspannungsmechaniker und Fertigungsmechaniker, außerdem Elektroniker und Mechatroniker sowie technische Zeichner. In Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule in Lörrach bieten wir auch Maschinenbau und Betriebswirtschaft für Ingenieure mit Bachelorabschluss an.

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BZ: Wie viele Auszubildende haben Sie denn zur Zeit in Neuenburg?

Schmid: 32 eigene und seit 1. September weitere sieben aus Fremdfirmen.

BZ: Das heißt, Freudenberg bildet nicht nur für den eigenen Bedarf aus?

Schmid: Nein, wir bilden auch für andere Betriebe aus. Die Zusammenarbeit mit etwa 20 Unternehmen der Region gibt es aber schon seit Jahren. Dabei arbeiten wir eng mit der Industrie- und Handelskammer zusammen. Die IHK rät Betrieben bei nicht selbst zu vermittelnden Ausbildungsinhalten, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

BZ: Wieso brauchen diese Ihre Hilfe?

Schmid: Die Ausbildung hat sich geändert, die Anforderungen sind gestiegen. So gibt es heute in technischen Berufen einen ersten und einen zweiten Prüfungsteil. Im ersten werden schon nach eineinhalb Jahren die Grundlagen geprüft. Teil zwei ist dann die Abschlussprüfung. Oft haben Firmen nicht die Möglichkeit, ein komplettes Berufsbild in ihrem eigenen Betrieb zu vermitteln. Kurz vor den Prüfungen stellt man fest, dass dem Azubi Ausbildungsinhalte fehlen. Dann werden diese zu Lehrgängen und Crashkursen zu uns geschickt.

BZ: Die Anforderungen sind gestiegen?

Schmid: Ja. Nehmen wir als Beispiel die Fertigungsmechaniker: Sie bilden bei uns mit zwölf Auszubildenden die größte Gruppe. Fertigungsmechaniker sind ein Wunschberuf der Industrie. Denn es gibt heute keine Bänder mehr, an denen die Leute stehen und arbeiten, sondern Roboter und Computer, die die Arbeit erledigen. Die Menschen müssen diese Maschinen überwachen und bedienen. Deshalb braucht es Leute, die keine Scheu haben, mit dem Computer zu arbeiten. Außerdem sind bei international tätigen Firmen Englisch-Kenntnisse notwendig. Deshalb findet ein Drittel des Unterrichts für Mechatroniker in Englisch statt. Es gibt auch spezielle Kurse für das Technik-Englisch.

BZ: Oft wird von Betrieben beklagt, dass den Jugendlichen schulische und soziale Grundlagen fehlen

Schmid: Die Jugendlichen sind heute bestimmt nicht weniger intelligent als früher. Aber sie sind anders gepolt. Häufig arbeiten beide Eltern, und die Kinder sind sich selbst überlassen. Dabei gehen Regeln verloren. Deshalb müssen wir im ersten Lehrjahr die 16- bis 18-Jährigen, die oft sehr unbeholfen sind, weil sie zum Beispiel noch nie etwas Praktisches erledigen mussten, auf die Praxis vorbereiten. Sie lernen zu planen und organisieren, bevor sie etwas tun, und dass sie keine Einzelkämpfer sind, sondern ein Team. Und sie müssen lernen, einen 7,5-Stunden-Tag durchzuhalten. Es ist einfach notwendig, dass das Zusammenleben und -arbeiten funktioniert. Das fängt morgens damit an, dass man sich begrüßt. Außerdem erwarte ich, dass man sich beim Zuspätkommen entschuldigt und ehrlich zugibt, wenn mal etwas schief gegangen ist.

BZ: Nach der öffentlichen Diskussion haben vor allem Hauptschüler Defizite. Wie sehen Sie das? Welche Rolle spielt die Schulbildung bei der Lehrlingsauswahl?

Schmid: Wir sind offen für Schüler aller Schulen. Es gab zwar mal eine Zeit, in der Realschüler bevorzugt wurden. Aber inzwischen ist die Erkenntnis gereift, dass man nicht nur nach Zeugnissen gehen darf, sondern den ganzen Mensch sehen muss. Ein Hauptschüler zum Beispiel ist noch formbar, wenn er zu uns kommt, weil er in der Regel jünger ist. In technischen Berufen steht Mathematik an erster Stelle. Deshalb bieten wir Auszubildenden, unterstützt von der Arbeitsagentur, auch Nachhilfeunterricht an.

BZ: Werden eigentlich Ihre Azubis nach der Ausbildung übernommen?

Schmid: Die Abteilung sagt uns vorher, welche Fachkräfte sie braucht, die wir dann gezielt suchen und ausbilden. Bei uns sind im Juli vier Auszubildende fertig geworden. Zwei bleiben im Betrieb, zwei gehen auf weiterführende Schulen. Denn obwohl sie aus der Haupt- oder Realschule kommen, wollen sie Meister, Techniker oder Ingenieure werden. Und die machen ihren Weg!

Tage der offenen Tür beim Ausbildungszentrum Freudenberg, Freudenbergstraße 1, Neuenburg am Freitag, 24. September, 10 bis 18 Uhr, und am Samstag, 25. September, 8 bis 12 Uhr. Schulklassen können am Freitag auch schon vor 10 Uhr kommen, wenn sie sich anmelden: Tel. 07631/71414.

Autor: ad