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04. September 2014

Sterne sammeln in der U-Bahn

Der Schüler Oliver Butowski aus Neuenburg-Zienken hat ein aufwändiges 3-D-Computerspiel entwickelt und programmiert.

  1. Mit solchen 3-D-Darstellungen lenkt sich Oliver Butowski von seinem Großprojekt ab. Foto: Erik Stahlhacke

  2. Oliver Butowski mit The Tube auf dem Schirm Foto: Erik Stahlhacke

NEUENBURG AM RHEIN. Oliver Butowski, Schüler am Kreisgymnasium Neuenburg, hat ein eigenes Computerspiel programmiert. Nach halbjähriger Entwicklungsphase präsentierte er es im Rahmen der Schüler-Ingenieur-Akademie in Freiburg. Klar, dass der junge Mann ein klares Berufsziel hat. Er will Informatiker werden.

"Für Informatik habe ich mich schon immer interessiert", so der Nachwuchsprogrammierer aus Zienken, der im nächsten Jahr am Kreisgymnasium Abitur machen wird. Die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, bekam er im Informatikkurs der Schüler-Ingenieur-Akademie, die angehenden Ingenieuren einen umfassenden Einblick in das Berufsfeld ermöglicht. Hier hatte er Zeit, seine Interessen zu vertiefen, und konnte außerdem von den Erfahrung anderer profitieren. Nachdem er in Gruppenarbeit schon an kleinen Programmen gebastelt hatte, ließ ihn das Programmieren nicht mehr los.

Die Kenntnisse dazu eignete er sich in kurzer Zeit selbstständig an und machte sich dann an die bei der Akademie geforderte Projektarbeit. Das dreidimensionale "Jump ’n’ Run"-Computerspiel "The Tube" war nach einem halben Jahr fertig. "Das Ganze hat sehr viel Disziplin und Zeit gekostet und war ohne Vorkenntnisse eine große Herausforderung", räumt der 17-Jährige ein, der neben drei weiteren Teilnehmern sein Projekt vor versammelter Mannschaft präsentieren durfte. Dazu gehörte auch ein kleines Vorschauvideo, der Trailer zum Spiel sozusagen. Daraufhin bekam er viele positive Rückmeldungen von Freunden und sogar von seinem Schulleiter. Denn das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

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Schauplatz ist, wie der Name vermuten lässt, die New Yorker U-Bahn, eingebettet in eine erstaunlich realistische Umgebung mit imponierenden Details. Das sei eine Heidenarbeit gewesen, sagt Oliver Butowski, und das sieht man. So stehen am Treppeneingang zur U-Bahn-Station Zeitungsautomaten und Straßenlaternen auf Kopfsteinpflaster und auch ein Notausgangschild hängt an der stellenweise rissigen Betonwand über der Treppe. Durch die Vielzahl an Details würde das Spiel am Anfang etwas ruckeln und die U-Bahn manchmal noch unrund laufen, meint Butowski. The Tube ist in seiner jetzigen Version für ihn deshalb auch nur eine Art Zwischenergebnis. "Ein Spiel ist nie wirklich fertig, man kann immer weiter daran arbeiten und Dinge ergänzen." Ziel ist es, mit der Spielfigur, einem Alien, in den Schacht zu gelangen. Auf dem Weg dahin müssen Sterne gesammelt werden, erst dann öffnet sich der Durchgang. Später soll es möglich sein, auf die fahrende U-Bahn zu springen und Hindernissen an der Decke auszuweichen – endlos, bis man einen Fehler macht. Wie er auf die Idee mit der U-Bahn kam? "Im Internet habe ich zufällig ein Tutorial gesehen, in dem erklärt wurde, wie man eine Tunnelumgebung programmiert", erklärt Oliver Butowski.

Am meisten Spaß macht ihm der kreative Part, das Entwerfen der virtuellen Spielwelt. Er findet es schön, dass man als Nutzer die Arbeit sehen kann, die im Spiel steckt. Bei einem normalen Computerprogramm sei das nicht unbedingt der Fall. Um sich kreativ weiterzuentwickeln und sich auch mal von seinem "Großprojekt" abzulenken, hat er einige 3-D-Bilder am Computer angefertigt. Eines zeigt das Stillleben zweier Dounuts. "Für so ein Bild benötigt man dann auch mal ein paar Tage", so Butowski.

Viel Zeit hat er auch in die schriftliche Ausarbeitung von The Tube investiert, die mehrere Dutzend Seiten zählt und die Entstehung des Spiels von der Idee bis zur Fertigstellung dokumentiert. Das Spiel selbst gibt es in Form einer DVD, samt passendem Cover und Anleitung. Zwar wird es nicht kommerziell vertrieben, seinen Freunden hat er es aber nicht vorenthalten, auch an andere Interessierte würde er es weitergeben.

Zur Zeit ist das Spiel sein einziges Projekt. Wenn Butowski mehr Zeit hätte, würde er sich gerne in das Smartphone-Betriebssystem Android einarbeiten. Zuerst aber will er sich aufs Abitur konzentrieren. Welche berufliche Richtung er nach danach anstrebt, liegt auf der Hand: "Ich möchte Informatik studieren, am liebsten in Kombination mit etwas Kreativem." Informatik als Teil der Ingenieursberufe sei eine Branche, in der gerade viele Kräfte gesucht würden, so Butowski. "Da gibt es auf jeden Fall Chancen."

Mehr Informationen unter: http://www.butowski.tk

SIA

Die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) ist ein Kooperationsmodell von Schule, Hochschule und Wirtschaft. Es gibt sie flächendeckend in Baden-Württemberg, auch in Freiburg. So werden naturwissenschaftlich und technisch interessierte Schülerinnen und Schüler und damit auch der Ingenieurnachwuchs gefördert.  

Autor: bz

Autor: Erik Stahlhacke