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08. Februar 2009 17:35 Uhr

Zigeunerball in Neuenburg am Rhein

Was studiert de Aal im Rhii? – Chemie!

Ganz neu und ideenreich präsentierte die Zigeuner-Clique Neuenburg ihren 25. Zigeunerball im Stadthaus und begeisterte an zwei Abenden ein großes Publikum.

  1. Voror der Rheinvision 2025 stehen bei der Zigeuner-Clique Neuenburg die Falter... Foto: Sigrid Umiger

  2. ...und das Mittelalter. Foto: sigrid umiger

  3. Sein köstliches Debüt in der Bütt gab als Lausbub der neunjährige Nikolai Düball. Foto: sigrid umiger

NEUENBURG AM RHEIN. So muss Fasnacht sein: Die Zigeuner wahren sie noch, die alte Tradition der Narrenhochburg Neuenburg. Sie stupfen auch gegen die Obrigkeit, aber mit Charme. Der 25. Zigeunerball gilt zwar nicht als närrisches Jubiläum, war aber dennoch total närrisch und ein niveauvolles, kurzweiliges Vergnügen für die Gäste im voll besetzten Stadthaus an beiden Programmabenden am Wochenende.

Schon die originelle Dekoration im Stadthaus-Foyer kündigte das Thema an: Jetzt geht Neuenburg zum, an oder in den Rhein. Und so sang auch die fröhliche Kinderschar mit ihrem Zigeunerbaron Dirk Blank: "Die kleinen Europäer rücken immer näher". Einstudiert hatten das Vera und Walter Kößler, Hans Baumer und Daniela Klingenmaier. Vor einer tollen Kulisse, dem blauen Rhein, gemalt von Thomas Meisinger, glänzte ein ganz besonderer Narresoome, Nikolai Düball. In locker-freier Rede absolvierte der Neunjährige sein Debüt als "Lusbueb" ohne Scheu und mit Bravour.

Dann ging es Schlag auf Schlag, erstmals nonstop ohne Vorhang und Ansage. Die tanzenden "Rheingeister" der Jung-Zigeuner begeisterten mit ihrem Trainerteam Julia Frommherz, Sabrina Sütterlin und Lena Schmeißer.

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"Mit dem Rad, weil’s Nerve spart", war Daniela Dempf am Rhein, dort "wo 2025 eine Promi-Promenade" sein soll. Und: "Was studiert de Aal im Rhii? – Chemie". Im Trio mit Daniela Klingenmaier und Martina Thomann wurde über die Strafzettel, die Neuenburger sogar auf ihren eigenen Grundstücken kassieren, getratscht und über die neueste Anordnung, dass im Stadthaus die Zubereitung von Pommes frites verboten ist: "Bald derfe mir do inne gar niet meh".

Die Männer fürs Wasserballett getrimmt hatte Sara Weltle. Mit den bunten Taucherbrillen, Wäscheklammern auf der Nase und blumigen Badekappen tauchten sie im Rhein unter zur Wassergymnastik und als "Luft-Schnappis" wieder auf. Passend dazu rauschten von der Bühne herab als köstliche Einfälle zwei Rheinfälle mit echtem Wasser.

Genießen in vollen Zügen, das bietet halt nur eine, die Deutsche Bahn, sinnierten die drei witzig-intelligenten Mädels – Michelle Baumer, Franziska Düball und Ramona Lümkemann. Paradox sei, dass die Mehrheit aller Importe aus dem Ausland kommt und Implantate als innere Werte gelten. Begeistert war das Publikum bei den Songs auch von der hörbaren Musikalität der jungen Frauen.

"Kei Falter sieht mer meh im Ort, de Vogt setzt Rhiivisione fort" – vermeldete Bernadette Kramer. Sie hatte aber doch noch einige Schmetterlinge aufgetrieben. Mit ausgelassenem Temperament über die Bühne wirbelten Sigmar Burgert, Bernd Rammersdorfer, Dominic Ertl, Joachim Gully und Lisa Adamik. Aus "Onkel Toms Hütte" (Weißes Haus) eingeflogen war Barack Obama, aus Liechtenstein der "gierige Postillonsfalter Zumwinkele". Als "Madame Butterflii vum Rhii" meinte Bernadette: "Dick isch schick, denn Schönheit bruucht Platz". Neuenburg muss zum Rhein, die Stadt hat ja schon heute drei Meere: "Morgens ein Häusermeer, abends ein Lichtermeer und nachts gar-nix-mehr". Bald komme aber eine neue Festkultur, nur "leider plane des die Großkopfede über unsri Köpf’ hinweg".

Trotz Doppelzimmer im Sankt Georg waren Peter Steinbeck und Hans Baumer noch gut drauf und begeisterten wie gewohnt als Wort-Verdreh-Akrobaten. Wenn ein ortsbekannter Metzgermeister am FKK-Strand in Österreich weilt, dann ändert sich auch der Text vom Wolfgangsee-Lied zum: "Ich hab’ de weiße Rüssel vum Wolfgang g’säh".

Türkisch für Anfänger, kein Problem: Schreiner heißt "Mus-lime". Und, was passiert, wenn man den Zähringervogt schwarz anstreicht, wird er dann Obama, "e Barack" oder barock? Wider den Trend: "Suffe bis zum Läberstau" appellierten die Senioren, sich auf Narrenbühnen zu engagieren, denn: "Immer motze bloß die Schlaue, die sich selber gar nit traue". Nach dem Auftritt sollen die Anmeldungen im Pflegeheim Sankt Georg drastisch gestiegen sein, munkelt man.

Exzellentes Können in einem pompösen historischen Rahmen, das zeigte der Showtanz, der ins Mittelalter versetzte – dank des professionellen Nähteams und trainiert von Nicole Frommherz/Martina Klingenmaier. Als Augenschmaus vor dem Schlussapplaus glänzten Marketender, Hofnarr, Mundschenk und König Dirk Blank I. Verkündet wurde: "Schuster bleib’ bei deinen Leisten zu Schwaben" und in Richtung Müllheim: "Kardinal Lohs, regiere du das gemeine Volk".

Die neue Präsentation kam beim Publikum super an, so auch das Musikduo "Guitar and Voices" mit Alfredo und der Sängerin Nicole Stiefvater – einem charmanten Urgestein der Zigeuner-Clique.

Autor: Sigrid Umiger