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29. Juni 2011

Wo die Hüllen fallen dürfen

Trotz Hochbetriebs ist im Dreiländer-Ferienpark in Steinenstadt wieder Ruhe eingekehrt.

  1. Katy Kraatz-Klemske mit ihren Töchtern Mayla (links) und Kara vor dem neuen Kinderclub Foto: Dorothee Philipp

  2. Der Naturschwimmteich mit dem Glashaus ist Zentrum und Treffpunkt für Tagesgäste und Dauermieter im Ferienpark. Foto: Dorothee Philipp

NEUENBURG-STEINENSTADT. Hochbetrieb herrscht derzeit im Ferienpark der Naturisten bei Steinenstadt, der mit 21 Hektar Fläche, 320 Dauermietplätzen und 120 Tagesplätzen für Camper der größte private Naturistenpark Deutschlands ist. "Wir verkaufen Urlaub, wir sind keine Seniorenresidenz", sagt Geschäftsführerin Katy Kraatz-Klemske auf die Frage, welche Altersgruppe heute noch für das hüllenlose Freizeitvergnügen zu begeistern sei.

Zwar sei der Gedanke des textilfreien Naturgenusses schon mehr als hundert Jahre alt, aber die Idee des Lebens in Harmonie mit der Natur, des Ablegens von konventionellen Zwängen mit den Kleidern zusammen sei heute genauso aktuell wie damals, sagt Katy Kraaatz-Klemske. Die einzige Altersgruppe, die im Naturistenpark nicht vertreten ist, seien die Jugendlichen in der Pubertät, "die kommen aber wieder, wenn sie eigene Kinder haben". Auch im Forum der "fkk-freun.de" wird der Platz gelobt für sein "angenehmes Publikum aller Altersklassen". Für junge Familien ist man bestens eingerichtet, nicht nur mit dem komfortablen Babywickelraum im Sanitärhaus. An einem nagelneuen, knallbunt gestrichenen Häuschen mit Vorgarten prangt ein Schild "Kinderclub". Der alte Kinderclub sei zu klein geworden, deswegen habe man dieses Jahr einen größeren eröffnet, sagt Katy Kraatz-Klemske, deren Töchter Mayla (7) und Kara (4) ins Spiel vertieft sind. Bis zu 20 kleine Kinder sind im Sommer auf dem Parkgelände, sie können im Kinderclub spielen, das Piratenschiff auf dem Abenteuerspielplatz entern, auf dem Wasserspielplatz planschen oder auf dem Kletterfelsen mit Seilbahn herumturnen.

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Die Größeren und die Erwachsenen haben die Auswahl unter sportlichen Angeboten wie Bogenschießen, Volleyball, Trampolin, Tischtennis oder Basketball. Zentrum und Treffpunkt der weitläufigen Anlage mit ihren verschlungenen, von hohen Hecken und alten Bäumen gesäumten Gässchen und Pfädchen ist der 2002 nach ökologischen Gesichtspunkten angelegte Naturbadesee mit 400 Quadratmetern Schwimmfläche und naturnah gestalteten Ufern. 2004 kam das Glashaus mit Sonnenterrasse und Bistro dazu. "Das ist ein unglaublich schöner Job", schwärmt die studierte Betriebswirtin Katy Kraatz-Klemske, die den Platz in dritter Generation managt. Ihr Großvater Adelbert Beck gehörte zu den Gründern der Anlage nach dem Verbot der Naturistenkultur durch die Nazis. Sie erinnert sich, wie sie als Kind geholfen hat, Rasen zu mähen und Laub zu rechen, um sich Taschengeld zu verdienen.

Die Unstimmigkeiten mit einigen Mietern, die vor zwei Jahren die Stadt Neuenburg als Eigentümerin des Geländes und die Dreiländereck Ferienpark der Naturisten GmbH als Pächterin und Betreiberin der Anlage sowie die jeweiligen Anwälte beschäftigten (die BZ berichtete), seien ausgeräumt, sagt Kraatz-Klemske. Man habe die 30 Jahre alten Mietverträge mit den Dauergästen, die hier zum Teil hochwertige Häuser gebaut haben, überarbeitet und den aktuellen Erfordernissen angepasst.

Immer wieder finden die Häuser auch neue Besitzer, wenn ihr Unterhalt den alten zu viel wird. So berichtet Volleyballwart und Jugendtrainer Joachim Richard, wie Freunde aus England so begeistert von der Anlage waren ("Die Leute waren sowas von weg"), dass sie sich hier jetzt spontan ein Häuschen kaufen wollen. Und Karola Krümmling, die seit zehn Jahren permanent auf dem Platz in einem kleinen Haus mit Wohnwagen wohnt, meint auf die Frage, was ihr hier besonders gefalle, schlicht: "Alles".

Infos: Dreiländereck Ferienpark der Naturisten GmbH, Baslerköpfle 151, 79395 Neuenburg-Steinenstadt, Tel. 07635/9576, E-Mail info@dle-naturisten.de, http://www.dle-naturisten.de

Autor: Dorothee Philipp