Zum Abschluss der Fastnacht

Helena Hiss

Von Helena Hiss

Mi, 14. Februar 2018

Neuenburg

Hinter dem traditionell alemannischen Scheibenfeuer steckt meist wochenlange Vorbereitung.

MARKGRÄFLERLAND. Den Winter austreiben und frühlingshafte Wärme bringen. Das ist der Gedanke, der hinter dem traditionellen alemannischen Scheibenfeuer steckt.

Am Wochenende nach Fastnacht, zum Abschluss der alemannischen Fastnacht, wird in vielen Gemeinden im Markgräflerland das Scheibenfeuer entzündet. Dabei erhitzen die Besucher kleine Holzscheiben, bis diese glühen. Im Anschluss werden die Scheiben dann mit Hilfe eines Stocks auf einer sogenannten Scheibenbank, einer Art Rampe, in die Landschaft "geschossen". Dazu wird meist noch ein typisch alemannischer Spruch aufgesagt, der von Ort zu Ort variiert.

Es hört sich alles romantisch und einfach an. Ein schönes, wärmendes Feuer, Getränke, bekannte Gesichter und ganz nebenbei vertreibt man noch den Winter. Doch hinter den Scheibenfeuern steckt meist wochenlange Vorbereitung.

In Neuenburg wird das Scheibenfeuer seit drei Jahren von der Freiwilligen Feuerwehr veranstaltet, erzählt Feuerwehrkommandant Andreas Grozinger. An drei Samstagen vor der Veranstaltung können Bürger ihr überschüssiges Holz am Scheibenfeuer-Platz vorbeibringen. Die Freiwillige Feuerwehr Neuenburg kontrolliert es, damit kein behandeltes Holz darunter ist.

In Sulzburg ist die Bergwacht für das Scheibenfeuer verantwortlich, berichtet Vorsitzender Gerald Hiestand. Sie beginnen schon im November oder Dezember damit, Holz zu sägen, um dieses dann später für das Scheibenfeuer aufzuschichten. Unterstützung bekommen sie dabei von den Forstwirten, der Stadt Sulzburg und der Bevölkerung.

Doch den Vorbereitungen damit nicht genug; es gilt außerdem, im Voraus Plakate mit Hinweisen auf die Veranstaltung zu erstellen und zu verteilen sowie den Verkauf von Essen und Getränken am Tag des Scheibenfeuers zu organisieren.

Daneben gibt es noch zahlreiche Auflagen und Gesetze, die eingehalten werden müssen. So muss ein Scheibenfeuer im Voraus angemeldet werden, bei Polizei und Feuerwehr, schildert Andreas Grozinger. Auch muss sich etwa die Freiwillige Feuerwehr Neuenburg während der Veranstaltung an die gültigen Versammlungsrichtlinien halten.

Auch in Sulzburg muss sich die Bergwacht an Auflagen halten, die sie vom Landratsamt und der Stadt Sulzburg bekommen. "Die Scheibenbänke müssen zum Beispiel diagonal zum Hang ausgerichtet werden, damit keine Häuser von fliegenden Scheiben getroffen werden", sagt Gerald Hiestand. Außerdem ist die Bergwacht angehalten, noch in der Nacht die Scheibenbänke wieder abzubauen, damit keine unbewachte "After-Show-Party" gefeiert wird. Und: Wo Feuer ist, sind auch Gefahren. So muss das Feuer die ganze Zeit bewacht und zum Schluss gelöscht werden. Es muss darauf geachtet werden, dass sich niemand am Scheibenfeuer oder an den Scheiben verbrennt. Gerald Hiestand betont jedoch, dass jeder Besucher seinen Teil zur Sicherheit beitragen muss. Außerdem ist der Besuch eines Scheibenfeuers auf eigene Gefahr.

Und dann ist es endlich soweit, der Tag des Scheibenfeuers ist da. Jetzt müssen noch kleinere Feuer abseits des großen Scheibenfeuers aufgeschichtet und alle Feuer müssen angezündet werden, damit man nicht nur die Umgebung, sondern auch sich selbst erwärmen kann.

Die Besucher bringen ihre Scheiben und Stöcke meist selber mit, wenn nicht: Die Freiwillige Feuerwehr sowie die Bergwacht bietet auch Scheiben zum Kauf an. Die Besucher eines einzigen Scheibenfeuers verschießen an einem Abend mehrere hundert Scheiben.

In Sulzburg findet zudem traditionell jedes Jahr vor dem Scheibenschlagen ein Fakelumzug vom Marktplatz zum Scheibenfeuer statt. Ein weiteres Ritual beim Scheibenschlagen sind auch die alemannischen Sprüche, die den Umstehenden unter anderem zeigen, für wen man eine Scheibe abschießt. Was ist dann aber mit den Neubürgern und denen die kein Alemannisch können? Braucht es da etwa einen Crashkurs in Alemannisch? "Nein", lacht Andreas Grozinger, "den brauchen wir nicht. Das ist in Neuenburg zum Glück noch gut vertreten."