Kirchzarten

Ekaterina Kauffmann ist Deutsche Para-Schülermeisterin im Skilanglauf und im Biathlon

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

So, 26. August 2018 um 13:11 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

BZ-Serie: Die 14-jährige Ekaterina Kauffmann aus Kirchzarten wurde im letzten Februar Deutsche Para-Schülermeisterin, sowohl im klassischen Skilanglauf als auch im Biathlon.

Der Landkreis steckt voller Meister – und hinter jedem Titel steckt eine spannende Geschichte. "Ein Leben ohne Sport wäre langweilig. Ich war noch nie ein Stubenhocker." Das sagt eine lebensfrohe und selbstbewusste 14-Jährige, die von Geburt an behindert ist und dies mit einer großen Selbstverständlichkeit akzeptiert. Ekaterina Kauffmann aus Kirchzarten wurde im letzten Februar am Nordic-Center am Notschrei Deutsche Para-Schülermeisterin sowohl im klassischen Skilanglauf als auch im Biathlon.

Ein Bewegungstalent mit Fußprothese

Katja, wie der deutsche Rufname für Ekaterina lautet, wurde 2004 in Russland geboren. Weil sich während der Schwangerschaft die Nabelschnur um ihr rechtes Bein gewickelt hatte, entwickelte sich der Fuß nicht, fehlte einfach bei der Geburt. Sie wuchs in einem russischen Kinderheim auf und wurde im Alter von eineinhalb Jahren vom Kirchzartener Ehepaar Kauffmann adoptiert.

"Sie war trotz ihrer Behinderung von Anfang an ein Bewegungstalent und steckt voller Energie", erinnert sich Holger Kauffmann. Schwimmen, Mountainbiken und Karate seien Sportarten, die sie von klein auf mit ihrer Fußprothese gemeistert und gerne betrieben habe."Ich habe sehr gerne immer beim Schulsport mitgemacht und konnte mit der Prothese auch ganz normal laufen", erzählt Ekaterina.

Ein Schulfest an der Grundschule Kirchzarten brachte sie, damals in der zweiten Klasse, dann mit Ulrich Zipfel von der Skiabteilung des SV Kirchzarten und Michael Huhn, dem Nachwuchs-Bundestrainer des Deutschen Behindertensportbundes am Olympiastützpunkt Freiburg (OSP) zusammen. "Da hielt ich zum ersten Mal ein Biathlongewehr in den Händen", erzählt Katja strahlend. Auf Alpin-Ski habe sie schon mit knapp drei Jahren gestanden und viel Spaß dabei gehabt.

Mit elf Jahren bereits bei internationalem Weltcup

Fortan aber gehörte sie zur nordischen Skigruppe des SV Kirchzarten um Günter Huhn und Manfred Burghardt. Hier erhielt sie eine gute Förderung und nahm dann auch bald an Sichtungslehrgängen am OSP im Bereich Behindertensport teil. Mit zehn Jahren wurde Ekaterina Kauffmann erstmals Deutsche Para-Schülermeisterin, mit elf nahm sie an einem international besetzten Weltcup in Finsterau im Bayerischen Wald teil. 2017 holte sie dort den zweiten Deutsche Meistertitel. Beim Weltcup 2018 durfte sie erstmals auch beim Biathlon starten und errang im Februar 2018 mit dem deutschen Meistertitel im klassischen Skilanglauf und im Biathlon ihren bisher größten Erfolg.

Die vielfache paralympische Goldmedaillengewinnerin Andrea Eskau aus Thüringen habe nach dem Wettkampf gefragt: "Wer hat denn da neben mir noch schneller geschossen als ich?"

Das Ziel für Ekaterina steht fest: "Ich will bei den Paralympischen Spielen 2022 in Peking an den Start gehen." Dafür leistet die Vierzehnjährige, die in die Klasse 9 der Paula Fürst-Schule in Freiburg kommt, im Training Gewaltiges. An jedem Wochentag steht etwas auf dem Plan: montags Krafttraining im OSP, dienstags Skirollertraining mit dem SVK, mittwochs Biathlon mit der gesamten Para-Elite am Notschrei, donnerstags Sprints auf der Bahn oder Skiroller-Training zum Stollenbach und freitags Biathlon am Notschrei. "Und am Wochenende", sagt Katja, "fahre ich jetzt im Sommer zusätzlich noch Mountainbike."

"Jedes Training macht mich besser. Mit gezielten Übungen will ich es schaffen, noch mehr Kraft auf die Prothese zu bringen." Mit ihrer Behinderung geht sie normal um, zieht kurze Hosen oder Kleider an und läuft auch ohne Prothese. Bei der kürzlich stattgefundenen Schwimmnacht startete sie mit ihrer Mutter und dem achtjährigen Bruder bei der Familienstaffel. "Ich wundere mich immer, wenn Menschen nicht mit meiner Behinderung umgehen können."

Ich wünschte mir, dass mehr Leute mit Behinderung rausgehen unters Volk und vielleicht auch nach einer ihnen passenden Sportart suchen. Sport hilft enorm, Freunde zu finden und Kontakte zu knüpfen." – Ekaterina
In der Schule und der SVK-Trainingsgruppe erlebe sie Inklusion und Gemeinschaft. Heimtrainer Günter Huhn bestätigt das: "Katja ist ein aufgeschlossenes Mädchen, das in den letzten zwei Jahren richtig weit nach vorne gekommen ist." Und der Bundestrainer sagt: "Katja ist sehr ehrgeizig und zielstrebig. Für uns ist sie ein großes Talent, das wir für die Zukunft aufbauen wollen."

Und auch die Eltern sind stolz auf ihre Tochter: "Wir freuen uns, dass sie Sportlerin aus Leidenschaft ist. Wir fördern sie, wo wir nur können." Jungen Menschen mit einem Handicap macht Ekaterina Mut: "Ich wünschte mir, dass mehr Leute mit Behinderung rausgehen unters Volk und vielleicht auch nach einer ihnen passenden Sportart suchen. Sport hilft enorm, Freunde zu finden und Kontakte zu knüpfen."

Und sie müssen ja nicht gleich alle Deutsche Meister werden...
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