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20. Januar 2009

Neues Interesse für ältere Kunden

In Freiburg sind mehrere Dienstleistungsbetriebe an den Start gegangen, die sich speziell an eine betagtere Kundschaft wenden

  1. Volker Theis, Mitarbeiter des Senioren-Dienstleisters Sages, hilft seiner Kundin Dorothea Borghetti ins Auto. Die riesige Allzweck-Fernbedienung (13 x 28 x 2 Zentimeter) wird zwar nicht in Freiburg gefertigt, sondern nur verkauft, doch sie versinnbildlicht: Die Wirtschaft richtet sich auf ältere Menschen als Kundengruppe ein. Foto: Schneider

  2. Foto: Ingo Schneider

Was Wirtschaftsexperten mit Blick auf den demografischen Wandel hierzulande schon länger voraussagen, scheint nun auch in Freiburg mehr und mehr Wirklichkeit zu werden: Alte Menschen bekommen als Kundengruppe zunehmend größere Bedeutung und entsprechend sprießen Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche von Senioren zugeschnitten sind. Vor allem im Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht einiges getan: Gerade Existenzgründer wagen die Fokussierung auf ein betagteres Klientel.

Etwa jeder sechste Freiburger ist der städtischen Statistik zufolge älter als 65 Jahre. Genauer gesagt sind es 33 700 von 201 100 Menschen oder 16,8 Prozent (Stichtag: 1. Januar 2008). Zum Vergleich: 1950 waren es 11 700 von 109 700 oder 10,6 Prozent. Die Rentnergeneration stellt also einen beträcht lichen Anteil der Gesamtbevölkerung. Wie hoch der Anteil dieser Gruppe an der Kaufkraft in der Stadt ist, wird zwar statistisch nicht erfasst, doch mehr und mehr Unternehmern dämmert offenbar, dass sich hier gute Chancen auf erfolgreiche Geschäfte bieten.

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Die 2005 gegründete Genossenschaft Sages ist ein Beispiel dafür. Das Unternehmen übernimmt gegen Honorar verschiedene alltägliche Arbeiten für Senioren: den Hausputz, den Einkauf, die Wäsche, die Gartenpflege, Behördengänge – bis hin zur Bearbeitung der Post, zur Vorbereitung von Familienfesten und zur Begleitung auf Reisen.

"Ohne die Hilfe von Sages hätte ich wohl schon länger in ein Heim ziehen müssen", berichtet Dorothea Borghetti. Die 77-jährige pensionierte Lehrerin lebt alleine in ihrem Häuschen – wie viele Senioren in Freiburg. Sie ist verwitwet, die Angehörigen leben andernorts und das Gehen fällt ihr so schwer, dass sie nicht mehr allein aus dem Haus kann. Volker Theis, der seit Mai 2008 eine feste Stelle bei Sages angetreten hat und auch das Sages-Büro leitet, kümmert sich seit etwa einem halben Jahr um sie. Er chauffiert sie zum Arzt und zur Bank, hilft ihr bei den Besorgungen und hat auch die Ordnung in ihren Unterlagen wiederhergestellt. Sages-Kollegen, die dort geringfügig beschäftigt sind, putzen in Borgettis Haus und kümmern sich auch um den kleinen Garten.

Die Sages-Dienste kosten Dorothea Borghetti 17 Euro pro Stunde. Diesen verbilligten Preis zahlt sie als Mitglied der Genossenschaft, ansonsten wären es 19 Euro. Bei monatlich 30 bis 35 Stunden an Sages-Hilfe liegen die Rechnungsbeträge normal zwischen 500 und 600 Euro. "Das ist es mir allemal wert, nicht in ein Heim zu müssen", sagt Dorothea Borghetti. "Ich will nicht im Altenheim verenden. Außerdem ist es immer noch weniger, als ein Heimplatz kosten würde." Sogar nach Italien habe sie wieder fahren können, begleitet von Volker Theis.

Neben Sages sind in jüngerer Vergangenheit noch andere Senioren-Dienstleister in Freiburg an den Markt gegangen (die BZ berichtete): Nicole Lux beispielsweise kümmert sich seit Ende 2007 mit "Bewegungskultur" um die kulturellen und sportlichen Bedürfnisse älterer Menschen, Christian Donat Sierra und Michaela Renz helfen seit Februar 2007 mit "Alles erledigt" Senioren beim Umzug, Rettungsassistent Rolf Lerch betreut sie seit November 2008 mit seinem Reisedienst "Medi Reise", wenn sie unterwegs sind.

"Der Unterstützungsbedarf unter Senioren ist vielfältig und groß", sagt Burghard Flieger vom Sages-Vorstand. Allerdings gebe es auch eine große Gruppe von Senioren, denen die nötigen finanziellen Mittel fehlen, um sich solchen Service leisten zu können.

Autor: Holger Schindler