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03. Februar 2014

Stadtverwaltung

Neues System bei der Altkleidersammlung

Logistik und Verkauf in einer Hand: Stadtverwaltung organisiert die Altkleidersammlung neu – Hilfsorganisationen sind zufrieden.

  1. Kurz vor der Auslieferung: die nagelneuen, tannengrün lackierten Altkleidercontainer für Freiburg Foto: Ingo Schneider

Sie sind nagelneu, tannengrün lackiert und wollen gefüllt werden: Mit 220 einheitlichen Containern organisiert die Stadtverwaltung die Altkleidersammlung um. Im Auftrag verschiedener Hilfsorganisationen wird in Zukunft die Abfallwirtschaft Freiburg dafür zuständig sein. Auch die neue Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft profitiert von dem veränderten System.

Altkleidersammlung – das sind doch die unterschiedlichen Container von Deutschem Roten Kreuz (DRK), Johannitern, Maltesern oder Diakonie. Doch bald sollen die Container alle gleich aussehen – und leeren wird sie die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). Der Erlös geht trotzdem an die Hilfsorganisationen. "Da haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, mit der alle glücklich sind", sagt Wolfgang Schäfer-Mai, Kreisgeschäftsführer des DRK.

Schuld an der Neuorganisation ist eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Danach sind künftig Kommunen zuständig für die Verwertung des Abfalls. "Die Städte haben erkannt, dass man Geld damit verdienen kann", sagt Schäfer-Mai. Eine Tonne Altkleider bringt, je nach Marktlage, um die 400 Euro ein. Die Hilfsorganisationen hat das neue Gesetz beunruhigt, immerhin ist der Erlös aus den Altkleiderspenden ein fester Posten in ihrem Budget. Es gab Gespräche mit Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und gemeinsam tüftelte man ein neues Modell aus.

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Und das sieht so aus: Pro 1000 Einwohner gibt es einen Standplatz für einen neuen Altkleidercontainer, meist neben einem Glascontainer. Die 220 Altkleidercontainer werden wie bislang unter den Hilfsorganisationen aufgeteilt – dem DRK zum Beispiel gehören rund 100 Container. Die ASF übernimmt Logistik und Verkauf. Sie stellt die Container auf und entleert sie per Kraneinsatz. ASF-Chef Michael Broglin: "Wir können die Behälter gleich wiegen und per GPS den einzelnen Organisationen zuordnen." Dann wird die Kleiderspende zu einer Zwischenstation gebracht und grob vorsortiert. Die ASF verkauft die für gut befundenen Altkleider dann an zertifizierte Sortierbetriebe, zieht ihre Unkosten ab und gibt den Gewinn weiter an die Freiburger Hilfsorganisationen.

Nebeneffekt: ein Arbeitsplatz

1500 Tonnen Altkleider werden so pro Jahr verarbeitet. "Ein wirklich sehr schönes Modell, meines Wissens nach das einzige in Baden-Württemberg", sagt DRK-Chef Schäfer-Mai. Ein Nebeneffekt: Illegale Altkleidercontainer, mit denen irgendwelche Firmen Geld machen wollten, fallen jetzt auf.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass beim Sortieren ein Arbeitsplatz geschaffen wird. Die Arbeitskraft dafür stellt die neu gegründete Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft (FQB). Das ist die städtische Gesellschaft, in die der Verein zur Förderung kommunaler Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen (VABE) im neuen Jahr umgewandelt wurde. Künftig werden nämlich ASF und FQB zusammenarbeiten; Michael Broglin ist zusätzlicher Geschäftsführer der FQB neben Christiane Blümle geworden. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon öfter Arbeitskräfte in einen festen Job an die ASF vermittelt", sagt Blümle. In den letzten zehn Jahres waren es zwölf: Müllwerker, Mitarbeiter im Recyclinghof oder bei der Haltestellenreinigung. Mit maximal 250 000 Euro jährlich wird die Stadt Freiburg die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen fördern. "Kein Geld, das man in ein Loch wirft, sondern Geld, das Perspektiven schafft", so Blümle. Neue Ideen haben Blümle und Broglin: ein Repair Café, den Möbelladen in der Tullastraße entwickeln, mehr ins Thema Wiederverwertung einsteigen. Mit der Sortierstelle bei der neuen Altkleidersammlung ist der Anfang bei der Zusammenarbeit jedenfalls gemacht.

Eine Übersicht über alle Freiburger Sammelstellen gibt es unter http://www.abfallwirtschaft-freiburg.de

Autor: Simone Lutz