Bedingungsloses Grundeinkommen

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Fr, 24. April 2015

Neuried

Wer soll das bezahlen? Ichenheimer Kulturverein lädt zur Diskussion eines gewagten Gesellschaftsmodells ein.

NEURIED-ICHENHEIM. Es ist Christof Mayers Idee gewesen, die Interessensgemeinschaft Bedingunsloses Grundeinkommen Ortenau (IG BGO) in den Löwen nach Ichenheim einzuladen. Und die IG fand ein Forum von rund 50 Zuhörern, um ihre Utopie von einer besseren Gesellschaft vorzustellen.

Christof Mayer, Mitglied beim Kulturverein Läwe im Lewe, ist Schreiner. Ein schöner Beruf sagt er, aber: "Ich kann auch keinen Auftrag ablehnen, und manchmal wollen meine Kunden schlicht, dass ich es billiger mache als das Möbelhaus." Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von etwa 1000 Euro, so wie sich das die IG BGO vorstellt, wäre er in einer anderen, einer besseren Verhandlungsposition, erklärte Mayer. Wie er auf die Idee gekommen ist, seinen Mitbürgern das Modell vorzustellen? Er ist selbst Mitglied der IG. Fünf Mitstreiter der IG stellten im "Löwen" die Idee vor, die bundesweit ihre Anhänger findet, aber doch provokant wirkt:

Der Staat zahlt jedem Bürger 1000 Euro, Kindern vielleicht 500 Euro. Wer arbeiten will, geht arbeiten, aber niemand kann dazu gezwungen werden. Es gibt kein Arbeitslosengeld I oder II mehr, keine Bedingungen, die vom Bezieher zu erfüllen wären. Arbeitgeber wären gezwungen, ihre Stellenangebote attraktiv zu gestalten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Adieu Leiharbeit, Minijob und Leistungsdruck?

Die Köpfe zum Nachdenken bringen

Die Referenten nehmen vor dem Hintergrund des bedingungslosen Grundeinkommens die Begriffe Menschenbild (Andrea Köhler, Kunsttherapeutin), Arbeit (Evelin Woisetschläger, Bürokauffrau), Gesundheit (Perin Dinekli, homöopathische Ärztin), Müßiggang (Sophie Warning, ehemalige Hospiz-Betreuerin) und Finanzierung (Klaus Schorn, Finanzbeamter) auseinander. Am Ende ist klar: Diese 1000 Euro würden die Gesellschaft komplett umkrempeln, nicht nur den Arbeitsmarkt und die staatliche Fürsorge. Aber weder die Referenten noch Christof Mayer wollen die politische Durchsetzbarkeit ihrer Idee an diesem Abend zum Thema machen.

Sie wollen nur den Gedanken weitertragen und die Köpfe zum Nachdenken bringen, wie sie erklärten. Das scheint ihnen zumindest bei den Zuhörern im Ichenheimer "Löwen" zu gelingen. Den Vortragsthemen folgend, werden Themengruppen gebildet. In einer erzählt eine Pädagogin vom Stress des achtjährigen Gymnasiums, mit dem nun eine ganze Generation aufwachse. Andere diskutieren darüber, wie das Wort Müßiggang ohne den Reim "…ist aller Laster Anfang" definieren könnte.

Ein anderer Teilnehmer lässt sich in der Diskussion um den Arbeitsbegriff weitertragen zu der Frage, wie diese dann gut ausgeruhten und versorgten Bürger altern werden, und wer ihr dann hochbetagtes Leben mit allen Wewehchen finanzieren solle.

Es geht nicht um einfache Antworten

Die spannendste Gruppe ist die um Klaus Schorn, Regionalchef der IG: Das Thema Finanzierung. Ja: Wer soll das bezahlen? Konsumsteuer versus Einkommenssteuer – oder doch lieber ein negatives Einkommenssteuer-Modell? Um einfache Antworten geht es dabei nicht – auch wenn Klaus Schorn selbst beim Finanzamt arbeitet. Vielmehr dauerte die Diskussion unter den Teilnehmern der Veranstaltung noch bis in die späteren Abendstunden an.

Info: Ansprechpartner ist Klaus Schorn, IG-BGO, Weingartenstraße 26, 77654 Offenburg, Tel. 0781/38760, E-Mail: kontakt@ig-bgo.de