Der neue Bestattungswald ist gefragt

Dieter Fink

Von Dieter Fink

Di, 25. Juli 2017

Neuried

Bereits 14 Bestattungsplätze sind belegt, jetzt wurde diese neue Form von Friedhof in Neuried offiziell geweiht.

NEURIED. Musikalisch umrahmt vom evangelischen Kirchenchor ist am Samstagabend der Bestattungswald mit Andachtsplatz im Täuferwald geweiht und eröffnet worden. Mit dem Täuferwald biete die Gemeinde eine weitere Form der Bestattung im Ried, hob Bürgermeister Jochen Fischer in seiner Ansprache hervor.

Den Beschluss zum Einrichten eines Bestattungswaldes fasste der Gemeinderat im Februar 2015. Danach wurden die Bestattungsbäume ausgewählt und im Winter 2016/17 mit dem Wegebau begonnen. Der Andachtsplatz wurde im Frühjahr 2017 eingerichtet, parallel dazu wurde die Friedhofssatzung geändert und die Genehmigung für den Bestattungswald eingeholt. Die neue Bestattungsform kommt an, es fanden bereits 14 Beisetzungen statt.

Jonas Schlenker von der Firma Unique, die die Gemeinde bei der Einrichtung beriet, betonte: "Die Deutschen lieben den Wald, sie fühlen sich tief mit ihm verbunden. In einer Zeit, da ständig das Handy klingelt, verspricht der Wald, Ruhe, Besinnung und inneren Frieden." 1993 habe der Schweizer Ueli Sauter von einem guten Freund für immer Abschied nehmen müssen. Damals entwickelte dieser den Gedanken, eine biologisch abbaubare Urne an einer Baumwurzel beizusetzen. So könne aus der Asche neues Leben entstehen. Noch im selben Jahr wurde der erste Bestattungswald in Deutschland eröffnet. Mittlerweile gebe 160 solcher Wälder.

2014 wurde die Idee vom Gemeinderat Neuried aufgegriffen. Die bewusste Entscheidung gegen Kommerz und für einen bürgernahen Bestattungswald führte der Gemeinderat nach Endingen, wo unter Begleitung von Unique 2012 ein kommunal betriebener Bestattungswald entwickelt wurde.

In Neuried wurde als geeigneter Standort der Täuferwald gewählt, mit einem vergleichsweise jungen Baumbestand, einer hohen Artenvielfalt und einem besonderen historischen Hintergrund. Für ihn sei es überwältigend gewesen, so Schlenker weiter, mit welch großem Engagement sich alle Beteiligten in die Umsetzung einbrachten. Allen voran Förster Gunter Hepfer, der nicht nur leidenschaftlich die vielfältigen Arbeiten im Wald verrichtet, sondern auch ein großes Netzwerk an Unterstützern mobilisiert habe.

Auch Bürgermeister Jochen Fischer habe mit der Unterstützung der gesamten Verwaltung eine zentrale Rolle gespielt. Mit seinen klaren Vorstellungen und kreativen Ideen habe Fischer dem Täuferwald den ganz entscheidenden Schliff gegeben.

Wenn der Förster zum Bestatter wird, darüber sprach Förster Gunter Hepfer in seiner kurzen Ansprache. "Es ist auch Dein Wald", sei das Motto der gemeinsamen Bürgerpflanzaktionen. Er wünsche sich, dass sich die Menschen im Täuferwald wohlfühlen und dass die Atmosphäre den Menschen bei der Bewältigung ihrer Trauer helfe. Die kirchliche Weihe nahmen Pfarrer Emmerich Sumser und Pfarrerin Anna Manon Schimmel vor. Bürgermeister Fischer dankte am Ende unter anderem auch dem Forstzentrum Mattenhof, der Firma Teufel Altenheim, die das Andachtskreuz fertigte, und Claudia Winkler für die Steinmetzarbeit. Danach war zu Führungen eingeladen.

Info: Führungen im Täuferwald an den Samstagen 29. Juli, 6. August, 16. September, 14. Oktober, jeweils 10 Uhr. Weitere Infos unter Tel. 07807/97220 oder http://www.bestattungswald-neuried.net