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10. April 2010

Der Spargel wächst!

Die Spargelbauern im Ried kurbeln die Ernte an / Nach einem langen kalten Winter hoffen sie auf eine gute Qualität.

  1. Die Spitzen gelten als sehr zart. Foto: M. Bamberger

SCHWANAU/NEURIED. "Veronika, der Spargel wächst" heißt es in einem Lied – auch im Ried schießt jetzt das Stangengemüse. Die drei größten Anbauer in der Region, Harald Heitz aus Altenheim, Benno Oberle aus Ottenheim und Peter Rauer aus Wittenweier, machen sich bereit für die Saison, von der sie sich eine gute Ernte erhoffen, weil der Spargel lange und frostige Winter liebt.

Wer Spargel fürs Ostermenü haben wollte, ging in diesem Jahr leer aus. Oder er musste tief in die Tasche greifen. Die kleine Menge, die mit viel Aufwand gepäppelt wurde, brachte es auf einen stolzen Kilopreis von bis zu 15 Euro. Nun kommen die Sparsameren zum Zug, wenn in den drei großen Betrieben des Rieds allmählich der Spargel gestochen wird.

Für Spargelbauer Peter Rauer aus Wittenweier ist es nicht so wichtig, möglichst der erste zu sein. Auf zwei Hektar baut er Spargel an, den er, wie seine Kollegen aus Altenheim und Ottenheim, über Direktvermarktung an den Mann bringt. Laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal (VSSE) vermarkten 80 Prozent der deutschen Anbauer auf direktem Weg über Stände und ab Hof. "Wir haben unseren Kundenstamm", sagt Rauer, der seinen Spargel durch die ganze Saison hindurch für 6,80 Euro verkauft. Das schaffe Planungssicherheit für ihn und den Kunden.

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"Wenn man zu früh am Markt ist, reagieren die Leute nicht." Spargelbauer Harald Heitz
Die Folie, die er auf seinen Spargeldämmen liegt, diene der Arbeitserleichterung. So bleibt die Erde trocken und locker, außerdem müsse nur einmal am Tag gestochen werden. Der Grund: Kommen die Spargelköpfe ans Licht, verfärben sie sich rosa, was die Kunden nicht mögen. Unter der Folie bleibt er weiß und kann so auch einen Tag länger auf seine Ernte warten. Den Nebeneffekt, dass der Spargel unter der Folie etwa um eine Woche schneller erntereif ist, weil er es dort schön warm hat, nimmt Rauer aber gerne mit. Bei einer Bodentemperatur von 8 bis 10 Grad beginnt der Spargel zu wachsen.

Mit sieben Hektar Anbaufläche ist Rauers Berufskollege Harald Heitz in Altenheim wohl der größte Spargelproduzent im Ried. Heitz bedauert zwar, dass Ostern schon vorbei ist, aber weiß auch: "Wenn man zu früh am Markt ist, reagieren die Leute noch nicht." Immer noch gelte der Mai als Hauptmonat, weil der Spargel da am günstigsten zu kaufen sei, die Preise bewegen sich bei ihm zwischen 6 und 12 Euro. Heitz setzt bei 1,5 Hektar auf eine frühere Ernte, indem er dort, zusätzlich zu den Folien, einen (nicht beheizten) Folientunnel errichtet. Technische Hilfsmittel wie Folien seien laut Heitz aber kostspielig und in der Umweltbilanz problematisch. Riesige Mengen von Folien müssen hergestellt und recycelt werden – und das alles für den Verbraucher, der seinen Spargel am liebsten das ganze Jahr hätte.

Landwirt Benno Oberle aus Ottenheim schätzt, dass sein Spargel Mitte April erntereif sein wird, insgesamt aber eher vier bis fünf Tage später als in wärmeren Jahren. Das Gemüse auf der viereinhalb Hektar großen Anbaufläche hat Bioqualität (Demeterzertifizierung); wie Landwirt Rauer verlangt Benno Oberle immer den gleichen Preis, für ein Kilo der Sorte 1 7,50 Euro.

Spargel kann heute, im Gegensatz zu vor 20 Jahren, am Straßenrand gekauft werden. Dennoch ist er nicht zum Billiggemüse geworden. Als Hauptgrund sieht das Statistische Landesamt Stuttgart in seiner Gemüsebauerhebung 2008 den aufwendigen und damit teuren Anbau. Die drei Landwirte im Ried bestätigen das. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie Erntehelfer einstellen, aber keiner auf die Dienste der Arbeitsagentur zurückgreift. Man vertraut lieber auf persönliche Kontakte und Empfehlungen. Die Nettoarbeitslöhne bewegen sich bei den drei Betrieben zwischen sechs und zehn Euro.

Peter Rauer beschäftigt bis zu 22 Arbeitskräfte, vier stammen aus Rumänien. Der Rest kommt aus der Gegend. Harald Heitz beschäftigt 80 polnische und rumänische Erntehelfer. In Benno Oberles Betrieb helfen in der Erntezeit bis zu sieben Personen mit. Vier davon sind in Deutschland lebende Polen, der Rest stammt von hier. Mit Langzeitarbeitslosen hat Oberle 2007 zwar gute Erfahrung gemacht, allerdings seien die guten Leute schnell weg: Wer zwei Monate durchhalte, werde von der Industrie abgeworben. In diesem Jahr haben sich wieder mehr polnische Bewerber gemeldet als gebraucht werden. Die Wirtschaftskrise ist Schuld. Noch vor drei Jahren mussten die Leute von Harald Heitz händeringend suchen, weil die Polen vor drei Jahren zu Hause oder in England bessere Arbeit gefunden hatten. Insgesamt ging die Anzahl der polnischen Erntehelfer in Deutschland in fünf Jahren aber von 264 000 auf 177 000 zurück. Im diesem Zeitraum stieg dagegen die Zahl der Rumänen von 27 000 auf 85 000.

So unsicher der Beginn der Spargelernte ist, so sicher ist das Ende: Am Johannistag, am 24. Juni. Bis dahin können Spargelgourmets sich laben. Um den Geschmack müsse man sich im Übrigen nicht streiten, findet der Geschäftsführer des VSSE, Simon Schumacher. Egal ob sandige Böden oder lehmige (wie im Ried): entscheidend sei, dass der Spargel frisch ist.

SPARGEL

ist die wichtigste Gemüseart in Baden-Württemberg mit einer Anbaufläche von insgesamt 2170 Hektar. Vor 20 Jahren war Spargel ein Gemüse unter vielen. Der Anbau lag 1988 mit bei 540 Hektar hinter Weißkohl (710) und Kopfsalat (660). Im Freiland hat er einen Anteil von 21,7 Prozent Anbaufläche, gefolgt von Salaten (20,5) und Kohlgemüse (14,4). Bis zu zwölf Jahre lang werden die Triebe einer Wurzel geerntet, die Stangen werden mit der Zeit dünner. Die Wurzeln werden daher alle drei bis vier Jahre verjüngt.



 

Autor: ude

Autor: Ulrike Derndinger