Die Ape – ein Lebensgefühl auf drei Rädern

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mi, 21. Juni 2017

Neuried

Gäste aus mehreren Ländern bei Treffen von Freunde des italienischen Kult-Dreirads von Piaggio in Altenheim .

NEURIED-ALTENHEIM. Auf Einladung der Interessensgemeinschaft Ape-Freunde Ortenau haben sich von Donnerstag bis Samstag mehr als 80 Fans der Ape-Dreiräder auf dem Altenheimer Sportplatz getroffen. Sie kamen aus Deutschland, der Schweiz und Italien. Der Ortenauer Club richtete das Treffen zum fünften Mal aus.

Es riecht nach Grillwurst und Pommes, ein Stand mit Ersatzteilen wird von Gästen fachmännisch beäugt, dazwischen immer wieder das helle Zweitakter-Geknatter, wenn eine neue Ape ankommt. Vereinsvorsitzender Rainer Stellinger freut sich über den Andrang von Gästen und Besuchern.

Ape, was auf Italienisch Biene bedeutet, ist ein Fahrzeug auf drei Rädern mit Ladefläche oder Aufbau. Die "Biene" ging 1947 bei Piaggio in Serienproduktion. Sie wurde in Italien ein Symbol für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, gerade durch die "kleinen Leute". Mit der Ladefläche oder einem kleinen Aufbau konnte man etwas anfangen: Eis verkaufen, Gemüse zum Markt bringen.

Auch in der Ortenau schaffen sich bis heute vor allem Geschäftsleute gern eine Ape an. "Wir haben einen Bäcker aus Elgersweier in der IG, selbst das E-Werk Mittelbaden hatte bis vor Kurzem eine Ape und wollte sie mit einem Elektromotor ausrüsten", erzählt Stellinger. Doch die großen Batterien kosten 8000 Euro, plus Einbau – das ist kaum rentabel.

Bei einer kleinen Probeausfahrt zeigt sich, dass es auch eine Lebenseinstellung ist, eine Ape zu fahren. Der Wind zaust bereits bei 30 Stundenkilometern in den Haaren. Plötzlich sind Altenheims Dorfstraßen keine engen Gassen mehr, die ehemalige Bundesstraße wirkt viel zu groß. Eine Ape lässt Raum für alle und schafft Zeit, auf der Fahrt in die Gärten zu spicken. Der Kreisverkehr wird mit Höchstgeschwindigkeit, knapp 70 Stundenkilometer, umrundet – Rallye-Feeling kommt auf.

Am Freitag waren alle Teilnehmer des Treffs zur großen Ausfahrt ins Elsass aufgebrochen, inklusive Überfahrt mit der Rheinfähre bei Kappel. Bei herrlichem Wetter gab’s ein Würstchen-Grillen zu Mittag am Rheinufer. Am Abend traf man sich beim Lagerfeuer.

Rainer Stellinger erzählt, wie er zu seiner Ape kam: "Ich bewirtschafte als Hobby einen kleinen Obstbaumgarten. Irgendwann wollte ich ein kleines, praktisches Nutzfahrzeug zum Transport, das wenig Platz wegnimmt, genügsam im Unterhalt und vielseitig einsetzbar ist." Seine dann angeschaffte Ape ist inzwischen mehr als 30 Jahre alt.

Doch die Ape wird selten. Die kräftigere, autobahntaugliche Version mit maximal 220 Kubikzentimetern Hubraum wird seit Anfang des Jahres von Piaggio nicht mehr gebaut, die kleinere Version (50 Kubik) steht ebenfalls infrage. Umso mehr rücken jetzt die Fans zusammen, denn in wenigen Jahren werden wohl auch die Ersatzteile rar. "Dabei kann man bei der Ape fast problemlos alles selbst reparieren und in Stand halten", erklärt Pietro aus Verona. Er und sein Freund Mirko sind 650 Kilometer gefahren, um hierherzukommen. Mirko hat den Veroneser Club gegründet.

Zwei Schweizer haben zwei ganz besondere Apes mitgebracht. Die Aufbauten sind zu kleinen Wohnmobilmodulen umgebaut. Stefano kommt gerade aus dem Urlaub in Dänemark. Seine Biene ist umringt von Neugierigen, die das Innenleben des Gefährts fotografieren: umklappbare Sitzgruppe, auf dem Tisch ein Kaffeeservice mit Bienenmotiv, viel Stauraum, viel Gemütlichkeit. Kontakt: Rainer Stellinger, E-Mail an: r.stellinger@t-online.de

Mehr Infos im Netz unter http://www.ape-freunde-ortenau.com