Ein äußerst weltoffenes Polen

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Do, 15. März 2018

Neuried

Dikanda aus Stettin im Löwen.

NEURIED-ICHENHEIM. Das Timing war perfekt: Das Ende des Winters zu verkünden und mit ihrer Konzert-Tour den Frühling einzuläuten, ist das erklärte Ziel der 1997 in Stettin gegründeten Band Dikanda. Und als hätten sie einen Pakt mit den Wetter-Göttern geschlossen, schnellte just am Freitag, als die sieben Polen im Ichenheimer Löwen zu Gast waren, das Thermometer draußen spürbar in die Höhe. Drinnen im Saal waren gar tropische Temperaturen zu verzeichnen – was wiederum an der heißen Musik lag.

Überrascht hat die Vielfalt der Einflüsse aus allen Ecken der Erde, aus der sich das Repertoire der Gruppe speist: bei den Eigenkompositionen aus der Feder von Frontfrau Anna Witczak dominiert eindeutig der Balkan, aber es gibt auch Musik aus Polen, Weißrussland und Indien. Kurdische, jiddische und vom Stil der Roma geprägte Klänge gehen oft nahtlos ineinander über, äußern sich in einer atemlosen Jagd von Tönen, irritieren mit abrupten Stopps, stiften zu ausgelassenem Tanz an, um nur kurz darauf mit orientalisch klingenden Gesangspassagen magische Momente bereitzuhalten. So vielfältig die Stile, so überzeugend auch das musikalische Können. Allen voran Anna Witczak: Ihr unbändigem Temperament ließ den Funken ihrer Lust am Musizieren auf das Publikum überspringen, ihre kraftvolle Stimme und ihr energiegeladenes Schlagen der Basstrommel taten ein Übriges, um die Besucher in Bewegung zu bringen. Mit leisen Tönen auf dem Akkordeon verstand sie es dagegen, eine dichte Stimmung zu erzeugen. Die zweite Sängerin im Bunde, Katarzyna Bogusz, verfügt ebenfalls über reichlich Stimmvolumen.

Wer auch das Zeug zum Entertainer hat, ist Violinist Dominik Bienczycki: mit elektrostatisch aufgeladener Lockenpracht gab er den Teufelsgeiger. Ebenso oft am vorderen Bühnenrand in Aktion war Szymon Bobrowski mit einer jazzig angehauchten Trompete. Aber auch die eher im Hintergrund agierenden Musiker Daniel Kaczmarczyk (Percussions und Drums) und Piotr Rejdak (Gitarre) lieferten tosend beklatschte Soli ab. Daniel Kaczmarczyk etwa mit einer atemberaubenden Djembe-Einlage oder einem wild galoppierenden Intro auf der Maultrommel. Bei Piotr Rejdak war seine klassische Ausbildung erkennbar, die er jedoch ebenso wie sein Kollege Grzegorz Kolbrecki am Kontrabass nicht in den Vordergrund stellte. Fazit : Dikanda haben es geschafft, den Frühlings in den Löwensaal zu zaubern.