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27. September 2011

Ein kurzer Stich soll Leben retten

Die Typisierungsaktion für Leukämie-Kranke ist ein großer Erfolg: In Dundenheim kommen 1649 Spender neu in die Datei.

  1. Ein kleiner Piekser, ein bisschen Blut, und schon ist alles vorbei. Sehr viele Menschen haben sich am Sonntag in Dundenheim typisieren lassen. Foto: Wolfgang Künstle

NEURIED-DUNDENHEIM. Die 105 freiwilligen Helferinnen und Helfer der Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankten Cecile Meyer aus Altenheim und Jonathan Erb aus Friesenheim haben am Sonntag in der Lindenfeldhalle in Dundenheim freiwillig Überstunden gemacht, so groß war der Andrang. Am Ende waren es 1649 freiwillige Frauen und Männer, die in die Spendendatei aufgenommen werden konnten.

Schon vor 10 Uhr hatte sich eine Riesenschlange vor der Lindenfeldhalle gebildet. Manche – insbesondere diejenigen, die sich nach 18 Uhr noch registrieren lassen wollten – wurden auf den Wattestäbchentest via Internet bei der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hingewiesen. Wie die DKMS-Betreuerin Maria Kostoglou aus Tübingen mitteilte, kamen am Sonntag genau 21 523,83 Euro Spenden zusammen, das Konto weist damit einen Stand von mehr als 30 000 Euro auf. Auch am Sonntag wurden von den Geschäften Getränke, Brötchen, Würste und Kuchen gespendet, der Erlös aus dem Verkauf floss ebenfalls in den Spendentopf. Dazu gab es eine Tombola, die mit 1000 Sachpreisen bestückt war

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"Sehr zufrieden" zeigt sich Maria Kostoglou mit der Typisierungsaktion. Neben Cecile Meyer aus Altenheim wurde kurzfristig auch der 16-jährige Jonathan Erb aus Friesenheim in die Typisierungsaktion aufgenommen. Darin sieht Kostoglou auch den Grund für die vielen jungen Menschen ab 18 Jahren, die teilgenommen haben. Viele junge Eltern, schwangere Frauen und Menschen zwischen 40 und 50 Jahren haben sich angesprochen gefühlt. Andreas Woczek (31) kam aus Schutterwald angeradelt, "weil manche Menschen Hilfe brauchen und ich auch froh bin, wenn mir einer hilft". Aus Altenheim seien, so Kostoglou, die Fußballer komplett "für den kleinen Piks" angetreten.

Sabine Gütle aus Ohlsbach sieht die Typisierung "als selbstverständlichen Akt der Menschlichkeit". Die 49-Jährige ist auch Organspenderin. "Wenn ich anderen Menschen helfen kann, vielleicht sogar ihr Leben zu verlängern, ist das das Mindeste, was ich tun kann". Und nicht nur sie sagt laut, was viele an diesem sonnigen Sonntag denken: Von heute auf Morgen kann’s jeden treffen. "Ich wäre auch froh, wenn mir jemand helfen würde", stimmen die meisten zu.

Alle zehn Geschwister von Cecile Meyer sind aus dem Stuttgarter Raum angereist, um ihrer Schwester beizustehen. Cecile Meyer selbst war auch kurz in der Lindenfeldhalle. Die 37-jährige Mutter zweier kleiner Kinder hat im Juli erfahren, dass sie an AML (akut myeloische Leukämie) erkrankt ist. Das ist eine Art von Leukämie, bei der nur eine Stammzellspende hilft. Der Arbeitgeber IMM-Network GmbH von Cecile Meyer hat 1000 Euro gespendet, und ihre Kollegen hätten sich ebenfalls typisieren lassen, erzählt Maria Kostoglou: "Wir sind alle glücklich über soviel Hilfsbereitschaft."

Jetzt beginnt das große Warten, denn es dauert bis zu sechs Wochen, bis alle Blutproben gecheckt sind. Da am Sonntag bundesweit zehn weitere Typisierungsaktionen liefen, gibt es wieder Hoffnungen auf passende Spender. "Für insgesamt 45 Menschen wurden bei der Typisierungsaktion im Jahr 2006 für einen Jungen in Lahr passende Stammzellenspender gefunden", erinnert sich Dorothea Oldak aus Lahr, die mit Sven Meyer, Stefanie Siefert und Melanie Marzluf die Typisierungsaktion in Dundenheim initiierte. Der Junge gilt als geheilt und habe ihr, so Oldak, Folgendes mit auf den Weg nach Dundenheim gegeben: "Dorothea, sag’ der Frau einen schönen Gruß. Ich habe so viele Chemos geschafft, die Frau schafft das auch." Die Arbeit der Aktionsgruppe ist mit der Typisierung nicht zu Ende. Bis Ende des Jahres sollen die für die Laborkosten notwendigen 82 500 Euro gesammelt werden.

"Wenn ich anderen

Menschen helfen kann,

vielleicht sogar ihr

Leben zu verlängern, ist das das Mindeste,

was ich tun kann."

Sabine Gütle aus Ohlsbach
Gottfried Sohn (58) ist aus Friesenheim angereist, "weil ihn der Fall Jonathan so bewegt". Er will die Aktion unterstützen, wird aber aus Altersgründen abgewiesen. Mit 61 Jahren würden allen Spender aus der Kartei aussortiert, erklärte Maria Kostoglou dem enttäuschten Mann. Angesichts der hohen Kosten für die Typisierung wäre die Verweildauer eines 58-Jährigen in der Kartei zu gering.

Nicht nur er war umsonst nach Dundenheim gekommen. Kostoglou musste einige Spendenfreudige abweisen, weil sie von ihren Hausärzten im Vorfeld falsch informiert wurden. "Wer selbst eine Autoimmunerkrankung hat, kann nicht spenden", so die DKMS-Typisierungsbeauftragte. Auch Menschen, die selbst an Krebs erkrankt waren, wollten spenden – durften aber nicht, um ihre Kräfte zu schonen.

Info: DKMS-Spendenkonto, Verwendung: "Hilfe für Cecile", Volksbank Offenburg, BLZ 66 49 00 00, Konto 9 11 50 05; Sparkasse Offenburg, BLZ 66 45 00 50, Konto 4 89 37 74, Weitere Informationen finden unter http://www.dkms.de

Autor: Bettina Schaller