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19. August 2017

Bestattungskultur

Im Bestattungswald in Neuried findet man die letzte Ruhe zu Füßen der Bäume

Unnötig oder absurd finden sie die einen, die anderen sehen sie als wohltuende und natürliche Rückkehr zur Natur nach dem Tode.

  1. Foto: Ulrike Derndinger

  2. Durch die Mitte des Glaskreuzes am Andachtsplatz fällt Sonnenlicht. Foto: Ulrike Derndinger

  3. Foto: Ulrike Derndinger

  4. Im Bestattungswald leben Tiere. Manchmal hinterlassen sie Spuren. Foto: Ulrike Derndinger

  5. Grabschmuck, von der Natur gemacht (oben). Foto: Ulrike Derndinger

  6. Ein zur Bestattung gekennzeichneter Baum Foto: Ulrike Derndinger

  7. Einer von zwei Steintischen im Täuferwald. Ihre Nutzung ist unklar. Als Taufsteine, wie häufig angenommen, wurden sie vermutlich nicht genutzt. Foto: Ulrike Derndinger

Wie man auch zu Bestattungswäldern steht, die Gemeinde Neuried hat diese noch junge Bestattungsform mit viel Engagement umgesetzt und eingeführt. Seit Mitte Februar bis Mitte August wurden 20 Urnen im Bestattungswald, einem Waldstück in der Nähe von Schutterzell, bestattet, so die Gemeinde Neuried auf Anfrage der BZ. Davon wählten sieben einen Gemeinschaftsruhebaum, acht jeweils einen Platz an einem Wahlruhebaum und für fünf Urnen wurde ein Familien/Freundschaftsbaum ausgewählt. Die Bestatteten sind nicht alle aus Neuried. Laut Gemeinde sind der größere Anteil von ihnen Auswärtige.

Die Gräber, von denen einige in der Nähe des Andachtsplatzes am Waldeingang liegen, werden von kleinen Sandsteinquadern gekennzeichnet. Auf den Quadern steht manchmal nur ein Vorname, bei anderen sind Vor- und Zuname und die Lebensdaten eingemeißelt. Grabschmuck wie Blumen oder Engelsfiguren findet man hier keinen. Die Friedhofsordnung untersagt derlei Schmuck: "Der Bestattungswald soll als gewachsene naturbelassene Anlage in seinem Erscheinungsbild nicht gestört und verändert werden." Mit dem Namen "Täuferwald" erinnert die Gemeinde an eine nachreformatorische Bewegung aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Täufer, die auf die Erwachsenentaufe und einen bewussten Glauben setzten, sollen hier gelebt und den Wald genutzt haben.

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Bunt leuchtet das Kreuz auf dem Andachtsplatz. Die Gemeinde wollte nicht auf das christliche Symbol verzichten. Die Gemeinde sieht die Gesellschaft von christlichen Werten geprägt und sieht sie als Grundlage demokratischen Rechtsverständnisses. Wer nichts mit Kirche oder Christentum anfangen kann, könne es damit interpretieren, dass das Leben immer wieder durchkreuzt werde von Schicksalen und Unvorhersehbarem.

Autor: Ulrike Derndinger