Beginnen die Bohrungen in Neuried 2019?

Widersprüchliches über den Beginn der Geothermie-Bohrung

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Fr, 31. August 2018 um 16:42 Uhr

Neuried

Die Firma, die in Neuried das Geothermie-Projekt umsetzen möchte, spricht von Bohrungsbeginn 2019, Regierungspräsidium und Bürgermeister Jochen Fischer sehen das noch nicht als festgelegt.

NEURIED. Lange ist es ruhig gewesen um das geplante Geothermiekraftwerk in Neuried. Jetzt scheint wieder Bewegung in das Projekt zu kommen. "Beginn der Bohrarbeiten für das Kraftwerk Neuried im Jahr 2019 absehbar." Damit betitelt die Daldup & Söhne AG einen Abschnitt ihrer Presseerklärung vom Mittwoch über ihr Vorhaben, in Neuried ein Geothermiekraftwerk zu bauen.

Die Daldrup-Gruppe ist Mehrheitsgesellschafter der Firma Geysir Europa GmbH, die in Neuried das Projekt umsetzen soll. "Das Beteiligungsverfahren mit den Gemeinden ist abgeschlossen, die Feinplanung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium und es wird auch eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben", heißt es in der kurzen Mitteilung des Unternehmens, das mit dem Satz schließt: "Der Vorstand geht davon aus, in der ersten Hälfte 2019 mit dem Bohrplatzbau beginnen zu können." Mit dem angesprochenen Beteiligungsverfahren meint das Unternehmen die von der Firma Geysir beantragte Verlängerung der bergrechtlichen Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme und Sole auf dem Feld Neuried, das von Willstätt bis Schwanau reicht. Der Verlängerungsantrag war notwendig geworden, weil die alte Erlaubnis abgelaufen war.

Neben Neuried hatten sich auch die Stadt Kehl und weitere Umlandgemeinden wie Schutterwald und Meißenheim gegen die Verlängerung ausgesprochen und ihre gemeinsame Stellungnahme dem Regierungspräsidium (RP) Freiburg übermittelt. Die Ablehnung erfolgte im Neurieder Gemeinderat im Juli 2018 einstimmig und wurde mit mangelnder Zuverlässigkeit des Unternehmens vor allem im Hinblick auf mangelnde Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit begründet. Das Regierungspräsidium Freiburg antwortete gestern auf Anfrage der BZ zurückhaltend. Zwar sei dieser Teil des Verfahrens abgeschlossen. Jedoch: "Eine Beteiligung der Gemeinden erfolgt erneut in dem noch nicht begonnenen Verfahren zum Betriebsplan für die eigentliche Bohrgenehmigung, zu der dann auch der Bau eines Bohrplatzes gehört." Fazit des Regierungspräsidiums: "Über den Antrag wurde noch nicht abschließend entschieden." Was die angekündigte Bürgerinformationsveranstaltung durch Daldup betreffe, sei eine Teilnahme von Behördenvertretern vorgesehen, um Fragen zum Genehmigungsverfahren zu beantworten. Ein Neuantrag auf Zulassung des Bohrvorhabens liege noch nicht vor. Deshalb sei eine seriöse Prognose zur Dauer des Verfahrens nicht möglich, schreibt Markus Adler, der Pressesprecher der Freiburger Behörde.

Regierungspräsidium: Es ist noch nicht entschieden

Neurieds Bürgermeister Jochen Fischer kann keine inhaltlichen neuen Fakten erkennen und sagt: "Ich habe seit der Stellungnahme des Gemeinderates keine weiteren Informationen bezüglich der Geothermiebohrung erhalten. Es war klar, dass die Stellungnahme des Gemeinderates das Projekt nicht zu Fall bringt. Das Verfahren wird erst einmal noch weiterlaufen."

Für ihn sei klar, dass die Pressemitteilung der Firma eher vor dem Hintergrund der Hauptversammlung der Aktionäre zu sehen sei, die diese Woche stattfand. Den vom Unternehmen genannten Zeitplan hält er für wenig realistisch. Fischer: "Mit uns hat weder das Regierungspräsidium noch das Unternehmen gesprochen."