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04. Februar 2012

"Wir wollen den Charakter erhalten"

BZ-INTERVIEW mit Markus Holtmann über die Kunst, einen 100-jährigen Verein zeitgemäß zu leiten.

  1. Foto: Ulrike Derndinger

  2. Kugelstoßer mit Sportgerät. Das Foto ist undatiert. Foto: privat

  3. Die strammen Burschen der Turnriege 1928 sind auch als Foto in der Festschrift des TuS Altenheim festgehalten – leider konnte der TuS Altenheim die Namen nicht rekonstruieren. Links: der Präsident des Vereins Markus Holtmann. Foto: privat (2)/Ulrike Derndinger

NEURIED-ALTENHEIM. Der Altenheimer Turn- und Sportverein stellt in den Bereichen Handball, Turnen und Breitensport viel auf die sportlichen Beine. Wie es mit dem 100 Jahre alten Verein bestellt ist, darüber hat sich BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger mit dem Präsidenten Markus Holtmann unterhalten.

BZ: Herr Holtmann, Altenheim hat etwa 3900 Einwohner, davon sind 1200 Mitglied im TuS, 860 als Aktive. Ist Altenheim so sportlich?

Holtmann: (schmunzelt) Der Schlüssel zu diesem Verein ist das Turnen. Die Kinder starten damit, und weil wir gute Trainer und Hallenkapazitäten haben, ist diese enorme Zahl zustande gekommen.

BZ: Also ist der nächste Weg nach dem Eintrag ins Taufregister der in den TuS?

Holtmann: Als Selbstverständlichkeit würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Andere Vereine machen auch gute Nachwuchsarbeit. Wir bieten eben eine Plattform, von der die Eltern sagen können: Mein Kind ist prima aufgehoben. Aber worauf wir uns einstellen müssen, ist der demografische Wandel. Wir hatten in den vergangenen zwei, drei Jahren schwache Jahrgänge.

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BZ: Wird das schon bei den Mitgliederzahlen sichtbar?

Holtmann: Nein, die 1200 Mitglieder ist eine relativ konstante Zahl. Wir werden sicher keine 1500 mehr werden, aber mittelfristig werden wir wohl bei dieser Zahl bleiben.

BZ: Mit der Zahl der Mitglieder stellt sich die Frage nach den Mitgliedsbeiträgen. Ist der Verein finanziell gut aufgestellt?

Holtmann: Wir haben 2011 den Jahresbeitrag bei Aktiven von 33 auf 60 Euro erhöht, was so gut wie ohne Kritik im Dorf durchgegangen ist. Auf dem Papier ist das viel. Sieht man aber die Leistungen – Vereinsfahrzeuge, Hallenmieten – relativiert sich das. Wir liegen jetzt im Mittelfeld der großen Ortenauer Vereine.

BZ: Können Sie auf diesem Niveau wirtschaften?

Holtmann: Wir haben zumindest die nächsten zwei Jahre Ruhe. Wir sind angewiesen auf zwei große Handballveranstaltungen im Jahr, das Minispielfest mit mehr als 50 Mannschaften und das Rheinauenturnier mit 230 Mannschaften und bis zu 12 000 Menschen. Würde dieses Turnier platzen, zum Beispiel, weil uns die Zelte wegschwimmen, könnten wir diesen Verein mit diesen Beiträgen nicht halten.

BZ: Wie scharf ist die Konkurrenz von der Seite der Fitnessstudios, die in der Regel teurer sind als ein Verein?

Holtmann: Glücklicherweise kann man in Fitnessstudios noch kein Handball spielen! Im Ernst: Wenn Sie rechnen, dass ein Turner oder Handballer bei uns bis zu fünfmal in der Woche zwei Stunden lang mit geschultem Personal trainiert, bei uns duscht und auf die Einheit umgerechnet nicht mal einen Euro zahlt, das kann kein Fitnessstudio bieten.

BZ: Man ist also dem TuS treu.

Holtmann: Es gibt ganz wenig Wechsel. Bei uns passiert ja alles ehrenamtlich – unsere Jungs und Mädels sind das nicht anders gewohnt und haben dadurch auch einen ganz anderen Bezug zum Verein.

BZ: Wie muss ein moderner Verein denn strukturiert sein, damit er überlebensfähig ist?

Holtmann: 2004 wurde er unter Peter Heuken neu organisiert. Wir haben eine Geschäftsstelle, und Vorsitzende, die sich um den Handball, um das Turnen und drei, die sich um Feste, Finanzen und Marketing kümmern. Und alle Mitglieder helfen mit. So wie früher, dass ein Vorsitzender das alles macht, das geht nicht mehr. Als Präsident repräsentiere ich und treffe Entscheidungen mit.

BZ: Der TuS ist ehrenamtlich organisiert, der Handball befindet sich aber immer kurz vor dem Sprung in den Profisport. Wie ist das zu stemmen?

Holtmann: Das ist ein Drahtseilakt. Es gelingt uns aber ganz gut, Spaß- und Leistungsfaktor zu vereinbaren. Wir spielen mit der A-Jugend seit einem Jahr in der Bundesliga. Unsere C-Jugend ist erfolgreich. Wenn Leistungsträger wie Peter Strosack (Anm.: Spieler in der Jugendnationalmannschaft) aus unseren Reihen kommen, macht uns das stolz. Nur: Wir brauchen auch eine zweite, dritte, vierte Mannschaft, die die Feste schmeißen und die Fahne hochhalten. Wenn wir anfangen, Geld für irgendeinen fremden Spieler zu zahlen, würden wir dieses Geflecht kaputtmachen.

BZ: Es geht also nicht in Richtung Profisport?

Holtmann: Nein. Wir wollen niemandem für seinen Einsatz bei uns 2000 Euro im Monat zahlen, weil wir den Charakter des Vereins erhalten wollen. Es gibt Fahrgeld, ein paar Knöpfe fürs Training und wenn die Mannschaft gut ist, gibt es Geld für einen Ausflug.

BZ: Und Lob vom Präsidenten. Welchen Sport betreiben Sie selbst?

Holtmann: Handball hab’ ich mit 33 Jahren aufgehört, ansonsten freu’ ich mich, wenn ich am Wochenende im Wald laufen kann.

Info: Am 11. Februar feiert der Verein mit einer exklusiven Jubiläumsgala mit besonderem Menü und Programm den 100. Geburtstag in der Herbert-Adam-Halle. Die Karten sind bereits ausverkauft. Wer keine Karten bekommen hat: Am 21. und 22. Juli gibt es ein Sommerfest rund um die Halle.

ZUR PERSON: MARKUS HOLTMANN

(44) ist seit 2010 Präsident des TuS Altenheim. Der gebürtige Düsseldorfer lebt seit 1994 in Altenheim, ist mit einer Altenheimerin verheiratet und arbeitet als Verkaufsleiter für Bayern und Baden-Württemberg für die Bitburger Braugruppe. Er hat eine Tochter, die selbst Handball spielt.  

Autor: ude

Autor: ude