Gesicht der Woche

Nils Petersen geht beim SC Freiburg "glücklich auf Arbeit"

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 10. Februar 2019 um 11:00 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag "He knows where the goal is! He knows where the ball is! He knows where the keeper is!What a natural instinct, what a fabulous goal!"

Der Reporter eines englischen Radiosenders rastete regelrecht aus, als er Nils Petersens Tor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung des SC Freiburg in Dortmund (Endstand 2:2) vor etwas mehr als einem Jahr zu kommentieren hatte.

Am Mittwoch dieser Woche ist dem Freiburger Stürmer nun im Rahmen der Fernsehsendung "Sportschau-Club" für diesen Treffer die Medaille als "Torschütze des Jahres 2018" überreicht worden. Petersen ist damit der erste Freiburger Spieler überhaupt, der sich mit dieser Ehre schmücken darf, und steht in einer Reihe mit Namen wie Günter Netzer, Gerd Müller und Klaus Fischer.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass Petersens Führungstor im Stadion der Westfalen von zwei Nachlässigkeiten der Heimelf begünstigt wurde. Da war zum einen Nuri Sahins halbherziger Rückpass, den sich der auffassungsschnelle Petersen erlaufen konnte. Zum anderen stand sein ehemaliger Mannschaftskollege Roman Bürki ob der für ihn vermeintlich ungefährlichen Spielsituation recht weit vor seinem Gehäuse. Die Spielintelligenz, blitzschnell die Gelegenheit für einen ungewöhnlichen Versuch zu erkennen, die Chuzpe, ihn zu wagen, und vor allem die Technik, aus mehr als 40 Metern seine Bogenlampe über den noch verzweifelt zurückeilenden und sich nach dem Ball streckenden Bürki hinweg ins Dortmunder Tor zu zirkeln: All dies macht Petersens Kunstschuss zu einem verdienten Tor des Jahres.

Hinzu kommt – auch das wurde bei der Preisverleihung, für die das Fernsehteam um die Moderatoren Alexander Bommes und Arnd Zeigler ins Schwarzwaldstadion gekommen waren, deutlich –, dass der 30-jährige Gewinner sich auf der TV-Bühne einmal mehr als angenehm-sympathischer Zeitgenosse präsentieren konnte. "Kein Ellenbogen-Profi, einer der überall, wo er war, blühende Erde hinterlassen hat", lobte Bommes, während ihn Zeigler mit alten Fotos aus seiner Jugendzeit beim VfB Germania Halberstadt quälte. Ausgeglichen und authentisch präsentierte sich Petersen den Fernsehzuschauern. Eben als einer, der, wie er es formulierte, in Freiburg "glücklich auf Arbeit geht". Sein Trainer Christian Streich ergänzte das noch: "Nils ist einer, der sich in andere empathisch einfühlen kann."
Otto Schnekenburger